Seat Ibiza 1.2 TSI - Testbericht

"Ibiza" - der Name allein lässt uns gerade in der kalten Jahreszeit von Spanien träumen. Der Schriftzug "Connect" an der B-Säule klingt ebenfalls vielversprechend.

Der spanische Stadtflitzer ist nach dem Mii die nächstgrößere Möglichkeit, viel Raum parkplatzsparend durch urbane Gefilde zu bewegen. Ein komfortables Fahrwerk mit einer city-tauglichen leichtgängigen Lenkung samt Parksensoren machen den Ibiza zum ultimativen Großstädter. Dank seiner vier Meter Länge wird die Parkplatzsuche nur selten zu einer Odyssee. Damit wirklich jeder "seinen" Ibiza bekommt, hat man sich bei Seat eine wahre Fülle an extra Wahlmöglichkeiten zur Individualisierung überlegt. So gleicht, wenn gewünscht, keiner dem anderen.

Für unseren Test wurde der kleinere Vierzylinder TSI-Motor mit 90 PS, der nur mit der STYLE-Ausstattung erhältlich ist, mit dem jetzt aktuellen "Connect"-Paket kombiniert. Dank diesem verbindet uns der Spanier zwar nicht mit der namensgebenden Insel, dafür jedoch gleich mit der ganzen Welt. Noch viel wichtiger - er kombiniert dazu auch noch genügend Fahrspaß sowie Komfort. In der Serienausstattung legt man derzeit 15.290 Euro beim Händler seines Vertrauens auf den Tisch. Dafür gibt es unter anderem ABS/ESP, elektrisch beheizbare und verstellbare Außenspiegel, einen Bordcomputer sowie eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung. Darüber hinaus besitzt der kleine Seat eine elektronisch gesteuerte Klimaanlage, Lenkrad sowie Schaltknauf in Leder, Lichtpaket (Doppelhalogenscheinwerfer und LED-Tagfahrlicht bzw. LED-Rückleuchten), Nebelscheinwerfer mit Abbiegelicht sowie eine 3. Kopfstütze hinten. Das Österreich-Paket kommt als Draufgabe dazu.

Will man den Spanier jedoch etwas mehr aufmascherln, so kommen schnell etwa 3.000 Euro dazu. Um diese werden bei Seat ein paar Pakete geschnürt. Man fühlt sich fast wie zu Weihnachten: Ablagen-, Komfort-, Elektronik-, Winter- und nicht zu vergessen das Connect-Paket, welches prinzipiell 1.488,09 Euro kosten würde, jetzt aber als Sonderbonus inkludiert ist. Abgedunkelte Scheiben, eine Einparkhilfe vorne und hinten sowie elektrische Fensterheber hinten machen die Optionsdraufgabe komplett.

Der Innenraum des Ibiza wirkt optisch recht ansprechend, die verwendeten Materialien greifen sich gut an. Nichts klappert oder scheppert. Optisch nett wirken die stahlblauen Eyecatcher rund um die Ausströmer und die gleichfarbigen Ziernähte. Beheizbare Teilledersitze mit recht hoch gezogenen Seitenwangen bieten einen herausragenden Halt. Sie machen das Fahren aufgrund der weichen Polsterung sehr bequem. Die Mittelarmlehne beherbergt eine kleine Ablagemöglichkeit. Sie ist höhenverstellbar, kann aber auch komplett weggeklappt werden.

Besonders begeisterte uns das bereits erwähnte "Connect"-Paket des kleinen Cityflitzers. Mittels MirrorLink oder den entsprechenden anderen Kombimöglichkeiten der Mitbewerber Android/IOS verbindet man mittels USB-Kabel das Mobiltelefon und kann sich nun am farbigen Multimediadisplay ausgewählte Apps anzeigen lassen. In unserem Test hat uns die SEAT-App wirklich überzeugt. Abgesehen davon, dass man je nach Tageszeit oder Laune auf eine bestimmte Konfiguration von Audio, Navi und Telefon zurückgreifen kann, speichert die App auch Fahrtrouten ab und liefert dazu Informationen.

Wirklich genial für mehrere Fahrzeugnutzer ist die Angabe des Standortes. So erspart man sich das frühmorgendliche gestresste Laufen um den Block, wenn Frau vergessen hat den Standort des Fahrzeuges mitzuteilen. Man kann sogar ein Foto vom Fahrzeug machen, das dann zusätzlich auf der Karte angezeigt wird. Wir halten dieses Paket für ein praktisches Gimmick für all jene, die ohne Handy nicht mehr sein wollen und solche Spielereien schätzen.

Kommen wir zum Platzangebot: Von einem Kleinwagen erwartet man sich kein üppiges Raumerlebnis im Fond. Doch sogar hier haben die spanischen Entwickler mitgedacht: Um Kniefreiheit zu schaffen, wurden kurzerhand die Rücksitzlehnen der Vordersitze in diesem Bereich nach "innen" gezogen. Somit können Personen um die 1,85 Meter Körpergröße ohne größere Probleme auf der Rückbank Platz nehmen. Zwar ist eine dritte Nackenstütze verfügbar, doch die Auslastung mit drei Erwachsenen hinten erfordert in der Praxis erstens eine kurze Fahrstrecke und zweitens Harmoniebedürfnis. Ebenso erstaunlich finden wir das Ladevolumen des Seat. 292 Liter Allerlei schluckt der Kofferraum, der sich durch seine Tiefe dank platzsparendem Notrad auszeichnet. So sind der Kurzurlaub oder die Geburtstagsparty ebenfalls unter Dach und Fach.

Motorisch ist der 1,2 Liter-Vierzylinder ohne Start/Stopp im Prinzip ein Einzelkind in der Ibiza-Produktpalette. Umgeben von Dreizylindern sowie dem stärkeren 1,4 Liter, der aber schon 150 PS besitzt. Trotzdem muss der Ibiza seine Leistung nicht verstecken. 90 PS und damit die ideale Dimensionierung für die primäre Stadtverkehrsnutzung, liefert der Direkteinspritzer. Dabei erreicht er in 10,7 Sekunden 100 km/h. Sein Performancelimit liegt bei 184 km/h.

Möchte man einen Racer, so wird man sicherlich zu einer anderen Motorisierung greifen, jedoch überzeugte uns der kleine Seat durch seine Agilität und seine rasche Gasannahme. Seine vollen 160 Nm entfaltet der Südländer bereits ab einer Drehzahl von 1.400 Touren bis hin zu 3.500. Somit braucht man sich keinerlei Sorgen zu machen, ob man problemlos im Stadtverkehr mithalten kann. Sogar bei Autobahnfahrten ist man keine fahrende Schikane. Dennoch sollte man kalkulieren, dass die Kraft bei einer Geschwindigkeit von etwa 110/120 km/h nicht mehr zum spontanen Überholmanöver auf kurze Distanz reicht. Jedoch mit einiger Voraussicht wird auch das nicht zum Problem. Besonders beeindruckt hat uns das Bekenntnis der Spanier zu einem 5-Gang-Getriebe, welches immer seltener auch bei Kleinwagen anzutreffen ist.

Im Alltag empfanden wir die Übersetzungen durchaus perfekt ausbalanciert. Auf der Autobahn läuft der Ibiza bei 130 km/h auf etwas über 3.000 Umdrehungen im 5. Gang. Damit bleibt er wirklich leise. Auch sein Durst balanciert auf etwa 6,3 Liter. Unser Testverbrauch schwankte zwischen 6 und 6,9 Liter Benzin. Den Durchschnittsverbrauch von 4,9 Litern laut Hersteller haben wir nicht erreicht.

Im Großen und Ganzen schafft Seat mit dem Ibiza ein Auto, das zu Alt und Jung passt und Frauen wie Männer anzusprechen weiß. Egal ob Familienzweitfahrzeug oder kleiner Dienstwagen, seine Vielseitigkeit macht ihn - neben der Möglichkeit einen individuellen Ibiza zu kreieren - besonders im Stadtdschungel unentbehrlich. Für verspielte Technikfreaks sollte auf jeden Fall das "Connect"-Paket dabei sein.

Was uns gefällt:

Das "Connect"-Paket, die innere Größe, die Motorisierung

Was uns nicht gefällt:

Die hinteren Gurtschlösser sind etwas zu eng für herkömmliche Kindersitze gesteckt

Testzeugnis:

Ausstattung Sicherheit: 1-
Ausstattung Komfort: 1
Verbrauch: 2
Fahrleistung: 2
Fahrverhalten: 1
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 2
Platzangebot Rückbank: 3
Kofferraum: 2
Ablagen: 2
Übersichtlichkeit: 1

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