Seat Leon ST Cupra mit 300 PS - Testbericht

Der eilige Spanier hat um 10 PS zugelegt. Was dies zusammen mit dem Allradkonzept tatsächlich bewirkt, lesen Sie im folgenden Test.

Egal ob Familienmensch, Handelsreisender oder schlichtweg Freund der raumgreifenden Freizeitgestaltung: Der neue Seat Leon ST bringt nicht nur alles ordentlich unter, als CUPRA hat er auch den Auftrag, dies im sportlichen Sinn zu tun. Wer also mit dynamischem Fahrspaß liebäugelt, aber eben den nötigen Platz braucht - immerhin stehen hier 587 Liter, die dank Durchlade-/Umklappmöglichkeit erweiterbar sind, zur Verfügung - sollte dieses Fahrzeug auf seine Wunschliste setzen.

Preislich startet der Leon ST CUPRA 300 mit DSG und Allrad bei 43.940 Euro. Dafür gibt es unter anderem die speziellen CUPRA-Designmerkmale, Voll-LED-Scheinwerfer bzw. Nebelscheinwerfer, Alcantara Sportschalensitze, Traktionskontrolle, Keyless Entry mit im Herzrhythmus pulsierendem Startknopf (für Verspielte), Navi, Licht- und Regensensor sowie 19-Zoll-Felgen, die die roten CUPRA- Bremssättel richtig in Szene setzen. Ein Doppelrohr-Endauspuff darf ebenfalls nicht fehlen.

Auf der Optionsliste wurden bei unserem Testfahrzeug noch Kreuzerl für das Assistenzpaket, Panoramaglasdach, Seat Full Link, Seat Soundsystem, Seitenairbags hinten, Trennnetz zum Gepäckraum sowie für das Winterpaket gemacht. So erreicht unser Testfahrzeug einen Gesamtpreis von 47.486,45 Euro.

Das aerodynamische Design kommt beim ST besonders zur Geltung. Irgendwie wirkt er nicht mehr wie ein klassischer Kombi, was seine Sportlichkeit noch mehr unterstreicht. Dezent und doch aggressiv. Dieses Konzept zieht sich weiter in den Innenraum, wo alle Anzeigen und Bedienelemente auf den Fahrer hin ausgerichtet sind. Ganz wie es sich für einen Racer gehört. Rote Ambientebeleuchtung, vielfach verstellbare, dank Winterpaket auch beheizbare, Sitze sorgen für Wohlfühlmomente. Gerade die Alcantara Sportsitze bieten einen hervorragenden (Seiten)halt auch auf der Sitzfläche. Sie sind dennoch nicht zu hart gepolstert, sodass der Langstreckenkomfort nicht verloren geht.

Das großzügige Raumangebot betreffend Kopf- und Beinfreiheit setzt sich auch hinten fort. In der Mitte ist ausreichend Platz für eine dritte Person. Es kann stattdessen auch eine Armlehne mit Durchlademöglichkeit ausgeklappt werden. Zahlreiche Ablagen, darunter eine induktive Ladeschale für das Mobiltelefon, verstauen Kleinzeug. Selbst unter den Vordersitzen gibt es ein verstecktes Fach. Puncto Verarbeitung findet man im Leon ST CUPRA keine Kritikpunkte. Nichts klappert oder scheppert, selbst bei hohen Geschwindigkeiten. Die Mischung Kunststoff/Alcantara fühlt sich hochwertig an und sieht einfach super aus.

Zentraler Blickfang in der Mitte ist das 5-Zoll Multimediadisplay Colour, welches übersichtlich sämtliche Daten von Audio, Telefon, Navi, Fahrzeug, Verkehrssituation etc. bereithält. Das Ganze kann sowohl am Lenkrad als auch per Spracheingabe gesteuert werden. Außerdem werden in diesem Display die Rückfahrkamera und die Parksensoren angezeigt. Erstmals neu ist die elektronische Parkbremse mit Auto-Hold-Funktion.

Im Seat Leon ST CUPRA kommt eines sicherlich nicht zu kurz: der Fahrspaß. Da man bekanntlich weiß, dass Kurzstrecken jedem Aggregat zusetzen, macht es somit umso mehr Freude, nicht gleich den kürzesten Weg nach Hause zu wählen. Mit dem Seat könnte es trotzdem der schnellste sein. Aber kommen wir zu den Fakten, den Eckpunkten im Racing-DNA-Test. Die Kraft generiert der Cupra aus einem Zwei-Liter-Benzinmotor, der in seiner neuesten Version 300 PS leistet. Für den nötigen und nahezu brachialen Schub von unten leisten die 380 Nm Drehmoment ihren Beitrag, die bereits ab 1.800 Umdrehungen bis hin zu 5.000 verfügbar sind, also quasi über das gesamte Drehzahlband hinweg.

Damit das teuer bezahlte (15% NoVA!) Potenzial nicht bereits beim Ampelstart in Rauch aufgeht, die Rösser sich auch perfekt kontrollieren lassen, haben Seats Ingenieure ordentlich getüftelt. Das Ergebnis begonnen bei Adaptiver Dämpferregelung, über ein CUPRA Sportfahrwerk hin zu einer Differentialsperre vorne kann sich schlichtweg sehen lassen. Leider hatten wir während unserer Testzeit nicht die Möglichkeit, ihm den gebührenden Auslauf auf einer Rennstrecke zu gönnen. Die Blitzlichter seiner Performance, die wir auf verlassenem Geläuf einsammeln konnten, waren trotzdem einfach top. Damit sind aber nicht die Radartickets gemeint, auf die der CUPRA ebenso anziehend wirkt. Man ist halt bereits in 4,9 Sekunden auf 100 km/h. Damit schlägt er den Vorderradcupra um eine ganze Sekunde!

Bewegt man den Leon ST CUPRA auf deutschen Autobahnen oder in einer entsprechenden Rennumgebung, so sind 250 km/h die Spitze seiner Leistung. In Verbindung mit dem 6-Gang-DSG und dem Allradantrieb steht hier wirklich ein echter Racer, an dem man technisch nichts auszusetzen findet. In dieser Konfiguration, überdies der erste Allrad CUPRA, kann man Geschwindigkeit kombiniert mit einer ausgewogenen Fahrdynamik und Sicherheitsgefühl genießen. Denn für den Alltag nützt es wenig, einen Kraftprotz zu pilotieren, dessen Rösser unwirsch am Zaumzeug reißen. Sein Handling entspricht genau den Erwartungen. Das spezielle CUPRA-Lenkrad liegt gut in der Hand, das Feedback ist sehr direkt. Im Stadtbetrieb bzw. beim Rangieren angenehm leichtgängig, bei höherem Tempo entsprechend straffer.

Über die kleine "CUPRA"-Taste unter dem Multifunktionsdisplay kann man aus vier verschiedenen Fahrmodi wählen. Diese sind "Comfort", "Sport", "Cupra" und "Individual". Bei der persönlichen Konfiguration bestimmt der Fahrer die Abstimmung der Adaptiven Fahrwerksregelung (DCC), von Lenkung, Motor, Adaptive Cruise Control (ACC) oder Klimatisierung. Besonders viel Spaß macht natürlich der CUPRA-Modus, der die einzelnen Gänge hoch ausdreht und damit für einen akustischen Auftritt in der Stadt sorgt. Beim Beschleunigen soll es ja auch so sein. Einzig, dass er bei anhaltender Geschwindigkeit dann unserer Ansicht nach einen Tick zu lang braucht um in einen akustisch angenehmeren Gang zu schalten, störte uns ein wenig.

Will man den Cupra doch wider seinem Naturell bewegen, wählt man die Comfort-Abstimmung. Ist auch ok, besonders wenn man Sprit sparen möchte. Wo wir beim nächsten Thema wären. Denn das Multifunktionsdisplay hält auch den Punkt "Fahrzeugdaten" bereit. Hier kann man den Alltagsbedürfnissen entsprechende Anzeigen auswählen. Am besten man lässt sich die sportlichen Parameter darstellen, denn beim Punkt Verbrauch merkt man dann doch den Fahrspaß allzu deutlich. Etwa um die 10 Liter im Cupra-Betrieb dürfen es schon sein, vom 98er Sprudel selbstverständlich. Vielleicht schaffen wir ja ein anderes Mal die von Seat gemeldeten 7,2 Liter im Durchschnitt?

Insgesamt gelingt es den Spaniern mit dem neuen Leon ST CUPRA 300 in der DSG/4Drive Version einen Kombi auf die Straße zu stellen, der kein Entweder-Oder zulässt. Platzangebot, Innenraumkomfort und stylischer Auftritt stehen nicht im Widerspruch zu knallharten Racing-Attributen. Er könnte auch zahm, wenn er wollte. Aber will man das wirklich? Wir sicher nicht.

Was uns gefällt:

Gesamtperformance und Abstimmung, Innenraumkonzept, sportlicher Auftritt

Was uns nicht gefällt:

Schaltet im CUPRA-Modus bei gleichbleibender Geschwindigkeit nach dem Beschleunigen etwas zu spät herunter, ROZ 98? - da geht sicher auch weniger

Testzeugnis:

Ausstattung Sicherheit: 1
Ausstattung Komfort: 1
Verbrauch: 2-
Fahrleistung: 1
Fahrverhalten: 1
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 1
Kofferraum: 1
Ablagen: 1
Übersichtlichkeit: 1-

Kommentare