Testbericht: Toyota Proace Verso mit Allrad

Der Familienvan von Toyota ist jetzt auch mit einem Allradantrieb erhältlich. Wir verraten im folgenden Testbericht, was das Multitalent alles kann.

Mit dem Proace Verso hat Toyota seit über einem Jahr einen praktischen Familienvan im Programm, der gemeinsam mit PSA (Peugeot Citroen-Gruppe) entwickelt worden ist. Optisch zeigt der Toyota dabei das typische Familiengesicht der Japaner, während der Innenraum einen Mix aus PSA-Elementen und Toyota-Charme bietet. Für unsere Gefilde bestens geeignet ist die neueste Option für den familienfreundlichen Van, nämlich der Allradantrieb von Dangel.

Für unseren Test haben wir den Proace Verso in einer Kombination der goldenen Mitte gewählt - mittlere Länge, mittlere Ausstattungslinie, mittlere Motorisierung - und das mit dem Allradantrieb, 100% Hinterrad Differentialsperre, dem Toyota Safety Sense 1-Paket, Metallic-Lackierung und Navi ergänzt. Der Preis steigert sich damit von 44.190 auf 55.945 Euro, bietet dann aber schon ein sehr gutes Wohlfühl-Niveau.

Auch wenn die Basis von der Nutzfahrzeugschiene stammt, merkt man im Innenraum davon nichts. Der Proace Verso fühlt sich auf Anhieb wie ein Pkw-Modell an, und man genießt jede Menge Komfort. Angefangen von der Mittelarmlehne für Fahrer und Beifahrer, über eine 2-Zonen-Klimaautomatik, bis zum 7"-Touchscreen inklusive Navi wirkt alles so, wie man es von den Pkw-Modellen gewohnt ist. Die einfache Bedienung und die schöne Darstellung sprechen ebenfalls für das Infotainmentsystem.

Dass Schalter und Anzeigen vom PSA-Konzern übernommen wurden, fällt sicher nur Spezialisten auf und ist alles andere als ein Nachteil. Verarbeitung und Materialanmutung sind ebenfalls sehr gut, auch hier wirkt alles wie bei einem Pkw. Vom Nutzfahrzeug übernommen hat man lediglich die großzügig im ganzen Fahrgastraum verteilten Ablagen und das enorme Platzangebot. Bis zu acht Personen finden im geräumigen Van Platz.

Das Kofferraumvolumen ist bei voller Besatzung dann aber nicht mehr besonders riesig. Vor allem wenn man sich für das optionale Ersatzrad entscheidet, das wegen des Allradantriebs vom Unterboden in den Kofferraum gewandert ist. Damit wird der Nutzwert des Kofferraums nochmals halbiert, das serienmäßige Tire-Kit ist da mit Sicherheit die bessere Empfehlung. Immerhin wird man den Kofferraum deutlich öfters benötigen als ein Ersatzrad. Wer die zwei hinteren Sitzreihen ausbaut, kann sich über bis zu 5.300 Liter Stauraum freuen, womit man als Besitzer eines solchen Fahrzeugs sicher im Freundeskreis sehr beliebt ist, wenn es um Umzüge oder sonstige Transporte geht.

Damit man bei so viel Ladetalent auch voran kommt, ist der 2,0 Liter-Dieselmotor mit 150 PS (110 kW) Leistung eine ideale Wahl. Die Stufe niedriger ist mit 116 PS (85 kW) sicher etwas lahm, die Stufe darüber mit 177 PS (130 kW) muss vermutlich nicht sein. Der 150 PS starke Diesel liefert bei 2.000 U/Min ein maximales Drehmoment von 370 Nm und ist serienmäßig mit einer manuellen 6-Gang-Schaltung verknüpft. Das Getriebe ist wirklich wunderbar abgestuft, und die Schaltung selbst ist einfach und sehr leichtgängig. Zudem ist der hoch positionierte kleine Schaltknauf auch bestens platziert und liegt gut in der Hand.

Man ist mit dem Van auf jeden Fall deutlich flotter unterwegs, als man es einem Fahrzeug dieser Kategorie zutrauen würde. In 11,7 Sekunden sprintet man von 0 auf 100 km/h, und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 170 km/h. Was uns total überrascht hat, ist, wie leise es im Innenraum bleibt. Egal ob volle Beschleunigung oder Autobahntempo, es dringen kaum Motor- oder sonstige Störgeräusche in den gut gedämmten Innenraum vor. Auch in diesem Punkt zeigt der Toyota Pkw-Feeling. Wir hatten sogar schon Premium-Pkw-Modelle im Test, die deutlich lauter waren.

Der Toyota Proace Verso empfiehlt sich damit auch als ideales Reisefahrzeug. Die bequemen Sitze und die sehr komfortable Federung ermöglichen weite Etappen, ohne dass man ermüdet. Durch die hohe Sitzposition und die gute Rundumsicht ist der fast 5 Meter lange Van aber auch in der Stadt noch erstaunlich handlich zu bewegen. Eine Rückfahrkamera erleichtert das Einparken zusätzlich. Die direkte und leichtgängige Lenkung hat uns dabei ebenso gefallen wie der im Verhältnis kleine Wendekreis.

Mit dem Allradantrieb ist man bei jeder Witterung sicher unterwegs und kommt auch in abgelegenen Regionen noch ans Ziel. Der Allradantrieb stammt vom französischen Allradspezialisten Dangel, auf den schon viele Hersteller setzen. Via Wahlrad neben dem Lenkrad kann der Fahrer verschiedene Allradmodi wählen.

Ebenfalls von einer positiven Seite zeigt sich der Toyota Proace Verso beim Thema Wirtschaftlichkeit. Zwar sind wir nicht an die vom Werk versprochenen 5,6 Liter pro 100 Kilometer heran gekommen, dafür dass unser Testfahrzeug aber noch Allradantrieb an Bord hatte, sind wir mit den von uns erreichten 7,4 Litern mehr als zufrieden. Vor allem weil es uns nicht an Fahrspaß gemangelt hat, der Proace Verso geht mit dieser Motorisierung nicht nur sehr gut, er liegt für einen 8-sitzigen Van auch perfekt auf der Straße.

Eine solide Sicherheitsausstattung rundet den positiven Gesamteindruck weiter ab und macht den Proace Verso 4x4 zu einer wirklich interessanten Alternative zum Platzhirsch von VW. Dank dem Allradantrieb ist der Toyota nicht mehr nur für Familien eine interessante Option, sondern zum Beispiel auch als Shuttle in Wintersportgebieten. Er verbindet ein modernes Design mit einer sehr wohnlichen Ausstattung und bietet dabei noch viel Fahrspaß bei akzeptablem Verbrauch.

Was uns gefällt:

die gute Ausstattung, der Fahrkomfort, der Allradantrieb, der Motor, das Platzangebot

Was uns nicht gefällt:

dass beim optionalen Reserverad kaum noch Platz im Kofferraum bleibt

Testzeugnis:

Ausstattung Sicherheit: 1-
Ausstattung Komfort: 1
Verbrauch: 2
Fahrleistung: 1-
Fahrverhalten: 1-
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 1
Kofferraum: 3
Ablagen: 1
Übersichtlichkeit: 1-

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