Testbericht: Toyota Proace Verso Medium Family 4x4

Urlaubsfahrten mit der gesamten Familie können zum Belastungstest nicht nur für die eigenen Nerven werden. Dass der Proace Verso hier viele Bedenken ausräumt, lesen Sie im folgenden Testbericht.

Für die Durchschnittsfamilie mit ein oder zwei Kindern findet man für gewöhnlich recht rasch einen geeigneten Begleiter für den Alltag. Besonders spannend wird es, wenn man sich dann doch noch für einen dritten oder vierten Spross entscheidet, oder gerne Freunde oder die Großeltern zum Ausflug mitnehmen möchte. Mit dem Toyota Proace Verso ist zu den traditionellen Familyvans ein vollwertiger Achtsitzer auf den Markt gekommen, der sich dem Nutzfahrzeugscharme entledigt hat und mit seiner Ausstattung mit jedem PKW gut mithalten kann.

Zu den wichtigsten Punkten für diese Kategorie gehört die Flexibilität. Es nützt das beste Raumkonzept nichts, wenn man an starre Sitzpositionen oder eine umständliche Demontage gebunden ist. An dieser Stelle zaubert uns der Japaner bereits das erste Lächeln ins Gesicht. Mittels Hebel bzw. Laschen können die hinteren beiden Reihen, die in jeweils eine Doppelbank und einen Einzelsitz geteilt wurden, verschoben oder für noch mehr Ladekapazität sogar entfernt werden.

Einziger Wermutstropfen bei unserem Allradmodell stellt das vollwertige Reserverad dar. Dieses wurde aufgrund des Vierradantriebs stehend hinter der dritten Reihe fix verschraubt mit der Bodenplatte montiert. Wirklich praktisch ist das nicht, wenn man jedes Mal vier Schrauben für mehr Platz entfernen muss. Weshalb man das Reserverad nicht auf ein Gestell montiert hat, das in den Schienen verschoben oder genauso rasch entfernt werden kann, entzieht sich unserer Kenntnis. Das serienmäßige Reparaturkit wäre die andere Alternative. Will man jedoch selbst diesen Raum nutzen, so kann man - wie an den Gebrauchsspuren bereits bemerkt werden konnte - hinter der Abdeckung Kleinmaterial wie Verbandskasten und dergleichen unterbringen.

Apropos unterbringen: Wir haben uns für unseren Toyota Proace Verso Family eine besondere Herausforderung ausgedacht. Es galt zwei Freundinnen mit ihren insgesamt vier Töchtern im Alter zwischen 8 und 14 Jahren nach Italien bzw. wieder retour zu bringen. Durch die geräumigen Sitze wären sogar drei Kindersitze nebeneinander möglich gewesen (ISOFIX-Vorbereitung inklusive), in unserem Fall war aber nur eine Sitzerhöhung nötig. Dafür wurde am Gepäck nicht gespart: Koffer, Badetaschen, Strandutensilien, Reiseapotheke (in der Größe einer echten), Getränke samt George Clooneys Muntermacher, Proviant und - nicht zu vergessen - pro Kind ein Rucksack voller persönlicher "Das muss unbedingt mit, oder ich sterbe"-Gegenstände. What else?

Eigentlich erstaunlich, dass alles samt Kindern problemlos in den Toyota hineingepasst hat. Problemlos heißt, genug Beinfreiheit in allen Reihen und nicht über die Fensterkante beladen. Ohne der zweiten/dritten Reihe sind bis zu 5.300 Liter Ladevolumen möglich. Dem Einsatz als Festivalbegleiter oder Camperersatz sind somit ebenfalls keine Grenzen gesetzt. Die abgedunkelten Scheiben seitlich wie hinten verbergen den Inhalt vor neugierigen Blicken. Praktischerweise kann auch nur das Heckfenster geöffnet werden. Suchaktionen bei Nacht unterstützt die integrierte Taschenlampe.

Nachdem das Gepäck gut geschlichtet wurde, ging es ans "Einrichten". Familienväter wie Mütter kennen das. Einfach losfahren geht nicht. Alles muss an seinen Platz, damit es während der Fahrt rasch verfügbar ist. Daher wurden die Sitze so zueinander verschoben, dass genug Beinfreiheit für die Großen vorhanden war. Danach wurden die Steckdosen gesichtet, denn bei langen Autofahrten kann leicht der Handyakku oder das Tablet schlapp machen. Vorbei die Zeit, als noch der mobile DVD-Player mitfuhr. Jetzt unterhalten die Jugend Konsole und Co., die gerne auch am Bordnetz mitnaschen. Dafür hat unser Testfahrzeug drei 12 V-Anschlüsse (120 W). Der Sitzkomfort wurde auf allen Plätzen optimal für die Langstrecke ausgelegt. Sogar der Neigungswinkel der Rückenlehne kann verstellt werden. Sechs Ausströmer für die Klimaanlage im Dachhimmel sorgen für eine optimale Belüftung im Fond, da ja die Fenster nicht geöffnet werden können. Außerdem kann die Steuerung manuell von der 2. Reihe oder vom Fahrersitz aus gut erreicht und angepasst werden.

Herrscht hinten Wohlbefinden, so kann die Reise losgehen. Unsere Strecke lässt sich auf dem 7-Zoll-Display unserer Multimediaanlage mit Navi problemlos ablesen. Alle Bedienelemente sind bequem erreichbar, und auch die Sitzposition hinter dem Volant stimmt uns mehr als zufrieden. Die Armlehnen an den Fahrersitzen sind höhenverstellbar, im Winter können beide Sitze auch beheizt werden. Positiv hervorzuheben ist der kleine Schalthebel unterhalb der Klimasteuerung, der durch die leichte Bedienung seinen Beitrag zum angenehmen Fahrgefühl leistet.

Unser 150 PS-Diesel hat einen Hubraum von 1.997 Kubik, der für unseren Einsatz die ideale Motorisierung darstellt. Auf der Autobahn fährt der Proace Verso derart locker flockig vor sich hin, dass wir ein paar Mal von der gefahrenen Geschwindigkeit überrascht waren und uns dann doch lieber auf den Tempomat verlassen haben. Ein Grund dafür ist die hervorragende Geräuschdämmung, die auch bei hohem Tempo kaum Motor- oder Windgeräusche in den Innenraum vordringen lässt. Die maximale Höchstgeschwindigkeit gibt Toyota mit 170 km/h an, ein Wert, den wir in keinster Weise anzweifeln. Nach 11,7 Sekunden erreicht unser Familyvan die 100 km/h. Spurhalteassistent sowie ein Müdigkeitswarner passen auf uns auf der gesamten Strecke auf.

Selbst in der Stadt zeigt sich der Toyota Proace Verso mit seinen knapp 5 m Gesamtlänge erstaunlich wendig. Dank 180 Grad-Kamera mit Parksensoren rundum ist er wirklich alltagstauglich. Lenkung wie Fahrwerk wurden gut auf das Konzept abgestimmt und auf maximalen Komfort ausgelegt. Doch irgendwann geht die schönste Fahrt zu Ende, und aus unserem Toyota springen vier gut gelaunte junge Damen plus deren Mütter, die ebenfalls keine Zeichen von Ermüdung oder erhöhtem Nervenverlust zeigen. Ein Faktum, das in erster Linie unserem Reisebegleiter geschuldet ist. Am Ziel der Fahrt eine weitere positive Überraschung: Trotz Klimaanlage, voller Beladung und Stromverbrauch eines Kleinkraftwerks zeigt der Bordcomputer 7,8 Liter Verbrauch an. Der Preis unseres Testautos beläuft sich auf 55.945 Euro, was zwar für Großfamilien nicht gerade ein Schnäppchen ist, doch dafür erhält man wirklich einen großartigen Alltagsbegleiter mit Wohlfühlgarantie.

Was uns gefällt:

absolute Familien- und Langstreckentauglichkeit, Ausstattung, Flexibilität

Was uns nicht gefällt:

Reserverad nicht verschiebbar auf der Spurleiste

Testzeugnis:

Ausstattung Sicherheit: 1-
Ausstattung Komfort: 1
Verbrauch: 2
Fahrleistung: 1-
Fahrverhalten: 1-
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 1
Kofferraum: 2
Ablagen: 1
Übersichtlichkeit: 1-