Golf GT Sport 2.0 TDI DSG - Testbericht

Faszinierende Symbiose

Wir wissen zwar nicht, welchen Golf GT Sport Matt Damon im "Bourne Ultimatum" über die Leinwand steuert, eins ist aber sicher: Er muss jede Menge Spaß gehabt haben. Fünf Benzin- und drei Dieselmotoren stehen für den sportlichen Golf zur Wahl. Äußerlich nur an wenigen Attributen zu identifizieren, besticht der GT Sport durch Understatement und Potenz. Der Sportler aus Wolfsburg ist dezent verpackt und überzeugt vor allem durch innere Qualitäten . Dazu zählen im Fall des von uns gefahrenen Topmodells 2.0 TDI DSG vor allem der kraftvolle Motor und das beeindruckende Doppelkupplungsgetriebe (DSG).

Wie schon der Urahn aller sportlichen Wolfsburger, der GTI der ersten Golf-Generation, ist auch die aktuelle Sportversion ein Wolf im Schafspelz . Dicke Backen machen andere, der klassenlose Kompaktbestseller hält sich zurück. Hinten links verraten lediglich die beiden aus der Heckschürze ragenden Endrohre, dass es sich hier um keinen gewöhnlichen Golf handelt. Die mit Nebelscheinwerfern bestückte Frontschürze ist ein wenig tiefer heruntergezogen als üblich, aber auch hier weist bis auf den kleinen GT-Sport-Schriftzug im schwarzen Kühlergrill nichts auf das unter der Haube schlummernde Überholprestige.

Innen geht es ebenfalls fast so dezent zu, wie man es vom Bestseller aus Wolfsburg gewohnt ist. Das dreispeichige Lederlenkrad und die Sportsitze sind die auffälligsten Merkmale des GT Sport. Die Sitze geben guten Seitenhalt, wir haben aber schon in deutlich enger anliegenden Polstern gesessen. VW hat mehr den Komfort im Auge behalten. Ohnehin scheinen es die Wolfsburger mit dem GT Sport auf eine möglichst breite Klientel abgesehen zu haben. Das lässt auch die relativ weiche Abstimmung der Bremsen vermuten. Beispielhaft konstruiert ist die bequeme Armlehne in der Mittelkonsole. Sie ist vielfach horizontal und vertikal auf die individuellen Bedürfnisse einstellbar.

Mit Muskeln protzen andere Fahrzeuge, beim GT Sport mit dem Zweiliter-Turbodiesel liegt die Kraft in der Ruhe und Souveränität, mit der er seine 125 kW / 170 PS auf die Straße bringt. Der Vierzylinder zeigt keinerlei Anfahrschwäche und reagiert sehr sensibel auf die Gasbefehle. Wird der Druck auf das Pedal zurückgenommen, schaltet das Getriebe rasch in verbrauchsschonende höhere Stufen.

Umgekehrt funktioniert es genauso gut. Wer mit dem Fuß andeutet, dass er jetzt beschleunigen möchte, wird unverzüglich ein, zwei Gänge tiefer eingestuft. Beherzte Tritte quittiert die Automatik mit Hochschnellen der Drehzahl bis unmittelbar vor den roten Bereich. Mit mächtigem Druck aus dem Drehzahlkeller stürmt der GT nach vorne.

Die Schaltvorgänge sind so gut wie nicht spürbar. Grund ist das Doppelkupplungsgetriebe , das fast ohne Zugkraftunterbrechung die Gänge in drei bis vier Hundertstelsekunden wechselt. Damit erreicht Volkswagen beinahe den Komfort einer stufenlosen Automatik. Der Fahrer kann sich ganz und gar auf die Straße konzentrieren und dem Beschleunigungsvergnügen hingeben. Selbst Menschen, die sonst nur auf Schaltautos schwören, müssen sich hier eines besseren belehren lassen: Automatik und Sportlichkeit gehen im GT Sport eine faszinierende Symbiose ein.

Wem die überzeugenden Beschleunigungswerte im D-Modus immer noch nicht reichen, der kann den Wahlhebel auch auf S für noch mehr Sportlichkeit stellen. Damit wird das minimale Drehzahlniveau vor dem nächsten Gangwechsel angehoben. So steht die dritte Getriebestufe zum Beispiel dann erst ab etwa 45 km/h zur Verfügung, wenn im normalen Fahrmodus bei vorsichtiger Fahrweise bereits der vierte Gang eingelegt wird.

Die Federung des Sportfahrwerks ist der Leistung entsprechend straff abgestimmt , ohne dass der Komfort allzu sehr leidet. Von forsch angegangenen Kurven zeigt sich der GT Sport nur selten beeindruckt. Das ESP greift eher ein, wenn die Traktion der Vorderräder beim Beschleunigen auf nicht so griffigem Untergrund etwas nachlässt. Von der Bremse hätten wir uns persönlich etwas mehr Biss gewünscht, aber VW legt hier offensichtlich mehr Wert auf geringe Pedalkräfte und komfortables Ansprechverhalten.

Volkswagen gibt für die Automatikversion einen Verbrauch von 6,4 Litern Diesel je 100 Kilometer nach NEF-Zyklus an, bei der günstigeren Schaltversion ist es ein halber Liter weniger . Bei ambitioniert sportlicher Fahrweise kam der Golf in unserem Test mit 7,95 Litern auf 100 Kilometer aus. Für einen Diesel der Kompaktklasse ist das zwar relativ viel, für einen Sportler aber erfreulich wenig.

Zur Serienausstattung aller GT-Modelle gehören u.a. abgedunkelte hintere Scheiben, Zwei-Zonen-Klimaanlage, ABS, ASR,  ESP,  Front- und Seitenairbag für Fahrer und Beifahrer, Kopfairbags vorne und hinten, Sportfahrwerk, Sportlenkrad und Sportsitze. Das Topmodell 2.0 TDI DSG steht um 30.445 Euro in der Liste, das Einstiegsmodell mit 1.4 TSI mit 90 kW / 122 PS gibts ab 24.041 Euro.

auto-reporter

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