VW Caddy Maxi TGI - Testbericht

Der Caddy ist Volkswagens Allroundtalent bei den Nutzfahrzeugen. Daher musste er einen besonderen Test bestehen: Sechs Frauen, etwa 1.200 km Reisestrecke

Werden wir etwas konkreter: Zwei beste Freundinnen planen mit ihren insgesamt vier Kids einen Trip nach Italien. So etwas soll vorkommen. Daher fiel die Wahl auf den Caddy Maxi, der 47 cm länger ist und damit 340 l mehr Stauraum bietet als der "kurze" Caddy. Außerdem versuchten wir es einmal mit einem bis dato stiefmütterlich behandelten Alternativtreibstoff, nämlich Erdgas. Den Erdgas-Caddy Maxi in der Comfortline-Ausstattung stellt VW bereits um 29.650 Euro in Ihre Garage, was uns ob der gebotenen Features wirklich erstaunt. Immerhin sprechen wir von deutscher Qualität, die bekanntlich auch kostet.

Äußerlich erkennt man ihn an den in Wagenfarbe lackierten Stoßfängern, Schiebetürabdeckungen, Türgriffen sowie Seitenschutzleisten. Besonders fesch unterscheidet er sich von den anderen Caddys durch das lackierte Kühlerschutzgitter mit den drei Chromzierleisten. Selbstverständlich besitzt er eine zweite Schiebetür links, die das Laden bzw. das Ein- und Aussteigen sehr erleichtert. Serienmäßig gibt es bei dieser Ausstattung unter anderem abgedunkelte Scheiben ab der B-Säule, einen Berganfahrassistent, manuelle Klimaanlage sowie eine Geschwindigkeitsregelanlage und ein Umfeldbeobachtungssystem, das sogar kleine Tiere oder Gegenstände ortet.

Will man den Caddy jedoch als Reisegefährten, freut man sich über Extras, die den Fahrkomfort noch mehr erhöhen. Gerade bei langen Autobahnfahrten hat die automatische Distanzregelung, die mit dem Tempomat gekoppelt ist, ihre absolute Berechtigung. Ein Müdigkeitsassistent sorgt für entsprechende Pausen auf langen Fahrten. Wer jedoch Kinder mitfahren lässt, erspart sich diesen ohnehin. Optimale Sicht bei Nacht ermöglicht der Fernlichtassistent. Lendenwirbelstützen vorne leisten ihren Beitrag zu einem angenehmen Sitzkomfort. So fühlt man sich auf langen Strecken nicht wie gerädert.

Das Xenon/Led-Tagfahrlicht macht nicht nur die Frontansicht hübscher, sondern den Caddy sichtbarer. Obwohl der Caddy Maxi trotz "Kastenbauweise" dank der großzügigen Fensterflächen recht übersichtlich ist, gibt es zusätzlich einen Parkassistenten, der den Großen auf Wunsch sogar in kleine Lücken manövriert. Radio-Navigationssystem, Multifunktionslederlenkrad und Lederschaltknauf runden die aufpreispflichtigen Ausstattungselemente ab. Insgesamt kommt der hier getestete Caddy Maxi in seiner Mehrausstattung auf 34.706 Euro.

Kurz gesagt bietet der Caddy Maxi Comfortline derart ausgerüstet alles, was man für eine Reise mit der Familie benötigt. Also die Taschen gepackt und los geht´s mit dem Beladen des Raumwunders. Normalerweise sind siebensitzige PKW´s - außer die großen Vans - ein Kompromiss: Ladegut oder Personentransport. Wir wollen/brauchen beides. Daher war die Überraschung groß, als wir in der dritten Reihe statt üblicher Einzelsitze eine Doppelsitzbank erblickten.

Die Skepsis gegenüber den dadurch entstehenden Stauraumeinbußen machte der Gedanke an den Erdgas-Tank auch nicht geringer. Doch es wäre kein Maxi, würde er uns nicht beim Öffnen der Heckklappe eines Besseren belehren, denn VW gelang es, die Tanks so zu verbauen, dass die Ladevolumen völlig gleich blieben. 530 Liter fasst der Caddy Maxi im 7-Sitzer-Betrieb. Als 5-Sitzer sind es noch 1.350, und 3.880 Liter fasst der Maxi, wenn er nur mit zwei Sitzen benutzt wird.

Unkompliziert einfach lassen sich alle Sitze umklappen und hochstellen. Für die Urlaubsreise entschieden wir uns für eine 2-2-2 Sitzer-Lösung und ließen den Einzelsitz der 2. Reihe einfach zuhause. Somit entstand eine breite Lücke seitlich, die nicht nur das Ein- und Aussteigen erleichterte, sondern auch die Rucksäcke der Kinder sowie die Kühltasche für die Fahrt problemlos schluckte ohne die Beinfreiheit in den Reihen einzuschränken. Der Caddy Maxi hat auch zwei versteckte Bodenfächer, die Tablets und Co. vor neugierigen Blicken schützen. Die beiden 12 V-Steckdosen speisten die beiden mitgebrachten DVD-Player, damit für ausreichend Unterhaltung im Fond gesorgt ist.

Doch auch vorne fühlt man sich rasch wie zu Hause. Eine ansprechende Optik, ausgezeichnete Verarbeitung und gerade die richtige Balance zwischen pflegeleichten Materialien, wie man sie bei "Arbeitstieren" braucht, und hochwertigen Applikationen. Wer gern seine eigene Musik am USB-Stick mitführt, profitiert im Caddy von zwei Anschlüssen. Einen vorne neben einer kleinen Ablage, der zweite unterhalb der Mittelarmlehne. Das Ablagesystem wurde beim Caddy derart gut durchdacht, dass es zu keinerlei Platzeinschränkung für die Fahrgäste kommt. In den Seitenwangen im Fond sind Becherhalter integriert, selbst in den Schiebetüren wurden großzügige Taschen verbaut. Kleine Tischchen in den Rückenlehnen der Vordersitze freuen besonders die Kleinen. Über den Köpfen der Fahrer gibt es eine große Ablage, die sogar das Reifenkit beherbergt.

Ebenso begeisterte uns der Erdgas-Antrieb. 110 PS liefert der 1.4 Liter Motor, 37 kg Erdgastank und 13 Liter Benzinreserve mit etwa 100 km Reichweite lassen jederzeit den Weg zu einer geeigneten Tankstelle finden. In Österreich ist das CNG-Netz schon gut ausgebaut. In Italien ist es noch im Werden, doch dank Internet lässt sich grenznahe das Gas auffüllen. Man muss nur darauf achten, dass es CNG und nicht LPG ist. Dann klettert aber die Reichweite wieder auf über 800 km laut Bordcomputer. Die Treibstoffanzeigen im Caddy sind überdies zweigeteilt. Links unterhalb des Drehzahlmessers findet man die Erdgasanzeige, rechts den Benzintank.

Laut Werk liegt der Durchschnittsverbrauch bei etwa 4,3 kg CNG. Da wir einen Großteil unserer Testzeit auf Autobahnen verbracht haben und unter Berücksichtigung der Zuladung lagen wir in einem Bereich zwischen 4,6 und 5,3 kg. Bei einem derzeitigen Preis von etwa 1,04 Euro pro kg waren wir damit mehr als zufrieden.

Der Motor zeichnet sich durch eine hervorragende Laufruhe aus. Selbst bei hohem Tempo nimmt man ihn kaum wahr. 174 km/h sind seine Höchstgrenze. Die 110 Pferde reichen trotz eines Eigengewichts von etwa 1.800 kg für den Alltagsbetrieb aus. In der hier getesteten "Vollbeladung" agiert der Caddy immer noch gut. Überholmanöver bei 130 km/h sind kein Problem, solange man nicht durch den nachfolgenden Verkehr vor dem Spurwechsel zum Abbremsen auf 80 km/h gezwungen wird. Dann kämpft der Caddy mit dem Gewicht, und der Überholvorgang erfordert ein beherztes Zurückschalten, um wieder Schwung zu bekommen. Aufgrund seiner Bauweise zeigt sich der VW windanfälliger, jedoch dringen Fahrgeräusche kaum in den Innenraum vor.

Den Sprint auf 100 km/h schafft der VW Caddy Maxi in 13,7 Sekunden. Hier hilft ihm das max. Drehmoment von 200 Nm, das bereits bei 1.500 Umdrehungen vorhanden ist. Im Fahrbetrieb zeigen sich Lenkung wie auch Fahrwerk gut ausgewogen und besonders auf Komfort ausgelegt. Ein wenig kritisch im Vergleich mit anderen sehen wir die Bremswirkung. Hier hätte man unserer Ansicht nach ruhig ein wenig größer dimensionieren dürfen, ansonsten steigt man einfach etwas fester auf das Pedal. Kein Problem.

Uns hat der Caddy Maxi als vollwertiges Familienfahrzeug überzeugen können. Alles, was man für den Alltag braucht, findet sich hier einschließlich vollwertigem Platz für sieben Personen. Ein Erdgas-Antrieb sei all jenen ans Herz gelegt, die viele Kilometer mit wenig Geld bewältigen wollen. Raunzen aufgrund zu weniger Tankstellen gilt nicht: Wo ein Wille ist, findet man eine CNG-Zapfsäule. 100 km könnte man sogar mit Benzin danach suchen. 35.000 Euro sind für diesen VW vielleicht kein Schnäppchen, aber man bekommt dafür auch viel geboten. Somit ein klares "Gefällt uns"!

Was uns gefällt:

Innenraumkonzept mit variablen Sitzlösungen, CNG-Antrieb, Stauraum

Was uns nicht gefällt:

Doppelbanklösung in der dritten Reihe, Bremswirkung könnte noch besser sein

Testzeugnis: 

Ausstattung Sicherheit: 1
Ausstattung Komfort: 1
Verbrauch: 1
Fahrleistung: 1-
Fahrverhalten: 2
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 1 , 3. Reihe: 2
Kofferraum: 1
Ablagen: 1
Übersichtlichkeit: 1-

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