VW Golf GTD - Testbericht

Der Golf GTD ist flott, sparsam und vermittelt jede Menge Fahrspaß. Ob er am Ende gar der bessere GTI ist? Der Dieselsportler im Test.

Volkswagen besinnt sich alter Werte. Nachdem beim Golf V der GTI wieder in einer ernsthaften Form ein Comeback erfuhr, wagt man sich nun auch an eine Neuauflage des GTD. Dabei lag die schon länger auf der Hand. Schließlich hat Volkswagen ja selbst dazu beigetragen, dem Diesel nicht nur einen sparsamen, sondern auch durchaus einen sportiven Ruf mit auf den Weg zu geben. Die Geschichte des Golf GTD ist beinahe so alt wie jene des GTI, in den 80er Jahren brachte VW noch im 1er-Golf eine sportlich angehauchte Dieselversion - damals mit 70 PS bei nur etwas mehr als 750 kg und bereits mit Turbo aufgeladen. Heute bringt es der rund doppelt so schwere VW Golf VI GTD auf satte 170 PS und ein maximales Drehmoment von 350 Nm. Damit ist er in der Kompaktklasse zwar nicht das leistungsstärkste Selbstzünder-Angebot - der BMW 123d leistet immerhin 204 PS aus ebenfalls zwei Litern Hubraum - verstecken muss sich der Wolfsburger aber nicht. Auch nicht im Vergleich zum 210 PS starken GTI: Zwar hat der Urvater aller "Hot Hatches" die Nase bei der Beschleunigung und beim Sound vorne; im alltäglichen Gebrauch gibt sich der GTD aber nicht nur deutlich sparsamer, sondern auch entspannter.

Egal für welche Variante man sich letztlich entscheidet, ein Kreuzerl auf der nicht unerheblich langen Aufpreisliste ist bei beiden Modellen Pflicht: das DSG- Doppelkupplungs-getriebe. Man kann es gar nicht oft genug erwähnen: Das blitzschnell schaltende Getriebe perfektioniert den Fahrspaß und wirkt sich zudem positiv auf den Verbrauch aus. Denn wer zum Beispiel in der Stadt dahinrollt, tut das zumeist im höchsten Gang bei niedriger Drehzahl und das spart Sprit. Wer dem GTD die Sporen gibt, der freut sich über die Schaltwippen am Lenkrad und das knackige, aber nicht übertrieben harte Fahrwerk des sportiven Golf. Tempo 100 km/h ist nach 8,1 Sekunden erreicht, erst bei - hierzulande theoretischen - 220 km/h ist Schluss. Erfreulich ist der Wechsel von Pumpe-Düse auf Common-Rail; so schafft der Wolfsburger nicht nur die Euro V Schadstoffklasse, sondern ist zudem leiser als sein Vorgänger. Apropos leise: Naturgemäß kann der GTD nicht mit der Soundkulisse des GTI aufwarten, dennoch haben es die Sounddesigner geschafft, den sportiven Auftritt auch akustisch zu untermalen. Überraschend drehfreudig zeigt sich der Zweiliter-Selbstzünder, wer flott vorankommen will, darf nicht zu untertourig dahingondeln.

Und beim Handling ist der VW Golf GTD sowieso über alle Zweifel erhaben, Kurvenradien jeglicher Krümmung meistert er ebenso wie Highspeed-Etappen auf der deutschen Autobahn. Einzig im Grenzbereich muss er sich konzeptbedingt durch den Frontantrieb seinem aus München stammenden Konkurrenten geschlagen geben, dafür hat er im Winter die besseren Karten. Die Preisliste des VW Golf GTD startet beim Zweitürer mit manueller Schaltung bei 28.600 Euro, der Grundpreis unseres viertürigen und mit DSG ausgestatteten Testautos beläuft sich auf 31.390 Euro. Die Ausstattung des potentesten Diesel-Golfs ist dennoch eher mager, Dinge wie Tempomat, Mittelarmlehne, Parkpilot oder CD-Radio lässt man sich extra bezahlen, die Xenon-Scheinwerfer samt Kurvenlicht reißen mit knapp 1.400 Euro allein ein kleines Loch ins Geldbörsel. Unterm Strich kam unser Testwagen auf Extras im Wert von rund 4.000 Euro. Noch ohne Lederausstattung oder Navigations-System, wohlgemerkt..

Nichts zu meckern gibt’s in Sachen Ergonomie, hier zeigt sich der GTD perfekt wie seine zivilen Brüder, die serienmäßigen Sportsitze zeigen zudem in flotten Kurven ihre Wirkung. Ob der GTD letztlich der bessere GTI ist, bleibt Geschmackssache. Sparsamer ist er in jedem Fall, sowohl im Unterhalt als auch beim Verbrauch. Über neun Liter waren es bei unserem Test des GTI - der GTD lässt sich mit zwei bis drei Litern weniger immer noch flott bewegen.

Testurteil:

Plus: großer Fahrspaß; niedriger Verbrauch; Top-Verarbeitung

Minus: hoher Grundpreis; magere Ausstattung; teils teure Extras

Unser Eindruck:
Verarbeitung: 1
Ausstattung: 3
Bedienung: 1
Komfort: 2
Verbrauch: 2
Fahrleistung: 1-2
Sicherheitsausstattung: 1-2

Resümee: Sofern man beim Kauf eines Golf mit den Buchstaben GT im Beinamen überhaupt von Vernunft reden kann, der GTD ist mit Sicherheit die beste Mischung aus Fahrspaß und Vernunft. Und wer auf die sportlichen Accessoires innen und außen verzichten kann, der ist mit einem günstigeren und nicht viel langsameren 140 PS TDI samt DSG im "normalen" Golf auch gut beraten.

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