Testbericht: VW Golf GTE

VW hat mit dem Golf GTE erstmals auch in der Kompaktklasse ein Plug-in-Hybrid-Modell im Programm. Wir haben den Praxistest gemacht.

Der VW Golf führt auch noch nach Jahrzehnten die Verkaufshitparade bei Autos in Österreich an. Die siebente Generation kann mit so vielen Antriebsmöglichkeiten wie nie zuvor begeistern. Die beste Kombination aus Fahrspaß und Effizienz verspricht dabei der Golf GTE zu sein. Er soll so viel Fahrspaß wie ein GTI bieten, dabei aber dank E-Reichweite von 50 Kilometern extrem sparsam sein.

Da verwundert es auch nicht, dass der Preis schon aus der Kompaktklasse hinaus gewandert ist und bei 39.380 Euro liegt. Um diesen Preis kann der Golf GTE aber auch mit einer überaus kompletten Ausstattung aufwarten und hat schon LED-Scheinwerfer, eine 2-Zonen-Klimaautomatik, 16"-Alufelgen, die Multifunktionsanzeige "Premium", elektrische Fensterheber, Tempomat und das Radio Composition Media mit an Bord.

Optional hatten wir noch die Tungsten Silver Metallic-Lackierung, das Komfort-Paket, 17"-Alufelgen, LED-Rückleuchten, abgedunkelte Scheiben ab der B-Säule und das Spiegelpaket dabei. Der Gesamtpreis liegt damit bei 41.640,80 Euro.

Auf den ersten Blick sieht der Innenraum wie bei jedem anderen Golf aus, lediglich die bequemen Sportsitze zeugen von der eher sportlichen Ausrichtung. Erst auf den zweiten Blick fallen dann Änderungen auf, die vor allem bei der Tachoeinheit zu finden sind. Statt dem Drehzahlmesser gibt es eine Energieanzeige und nur so klein wie die Tankuhr ist der Drehzahlmesser für die Motordrehzahl des Benziners. Das Composition Media Infotainmentsystem zeigt zusätzlich noch den Energiefluss an und verfügt auch über einen Annäherungssensor.

Man fühlt sich im Golf GTE damit ebenso auf Anhieb wohl wie in den anderen Golf-Modellen. Die Passagiere genießen den gleichen großzügigen Platz, lediglich beim Kofferraumvolumen muss man durch die darunter untergebrachte Hybrid-Technik mit Einbußen rechnen. Das Ladevolumen ist auf 272 bis 1.162 Liter geschrumpft. Nimmt man seine Ladekabel mit, schrumpft der Kofferraum noch etwas.

Dafür kann der Golf GTE mit den zwei Herzen alle Kunden, die auf Fahrspaß und geringen Verbrauch Wert legen, begeistern. Die Kombination aus 1,4 Liter TSI mit 150 PS und 102 PS starkem Elektromotor ergibt eine Systemleistung von 204 PS (150 kW). Bis zu 50 Kilometer sollen rein elektrisch möglich sein, in der Praxis haben wir rund 40 Kilometer geschafft, ohne dass sich der Benzinmotor dazu geschalten hat. Selbst 130 km/h Autobahntempo sind im E-Modus erreichbar.

Damit ist der Golf GTE die ideale Motorisierung für Pendler, die bis zu 40 Kilometer in die Arbeit fahren und dort den Golf wieder an die Ladebuchse anschließen können. Zwar werden die Batterien durch Rekuperation und via Benzinmotor während der Fahrt geladen, aber um wieder 100% Leistung zu haben, ist die Steckdose notwendig. Der Ladevorgang benötigt zwischen 2 1/4 und 3 3/4 Stunden.

Auch bei der Leistung kann der Golf GTE schon im E-Modus voll überzeugen. Vor allem in der Stadt ist der E-Antrieb ein Segen. Man gleitet lautlos von Ampel zu Ampel und das lästige Brummen des Motors fällt komplett weg. Die Geräuschdämmung im Golf GTE ist aber so gut, dass man es kaum merkt, wenn sich der Benzinmotor zum E-Motor dazu gesellt bzw. die Arbeit komplett übernimmt, wenn die Batterien leer sind.

Hat man noch Saft in den Batterien, kann der Golf GTE mit vorzüglichen Fahrleistungen überzeugen. Man muss dabei aufpassen, dass man nicht bei jeder Ampel unfreiwillig einen Kavaliersstart hinlegt. Es reicht vollkommen aus, das Gaspedal zu streicheln, um flott weg zu kommen. Tritt man nur etwas beherzter aufs Gaspedal, hat die Elektronik schon alle Hände voll zu tun, ein Durchdrehen der Räder zu verhindern. Bei voller Beschleunigung sprintet der Golf GTE in 7,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h, noch beeindruckender ist aber die Fahrleistung bis zu 60 km/h, wo er schon nach 4,9 Sekunden angelangt ist.

Hier merkt man sehr deutlich die zusätzliche Schubkraft des E-Motors. Das Systemdrehmoment liegt immerhin bei 350 Nm, der Benzinmotor liefert davon 250 Nm zwischen 1.600 und 3.500 U/Min. Die Schaltung übernimmt ein 6-Gang-DSG-Getriebe, welches mit besonders sanften und schnellen Schaltvorgängen überzeugen kann. Durch den noch niedrigeren Schwerpunkt ist die Straßenlage des Golf GTE wesentlich besser als bei den anderen Golf-Modellen. Den Golf GTE kann man nur sehr schwer aus der Ruhe bringen, auch wenn Fahrwerk und Federung durchaus viel Komfort bieten.

Beim Verbrauch verspricht VW 1,5 Liter für die ersten 100 Kilometer, in der Praxis ein Wert, der nur bei Fahrten in der Stadt durchaus realisierbar ist. Wer Stadt, Landstraße und Autobahn die ersten 100 Kilometer nutzt, sollte mit 4,5 Liter rechnen. Aber auch wer längere Fahrten unternimmt, wird mit dem Plug-in-Hybrid sparsamer als mit einem reinen TSI-Aggregat sein. Wir sind über den ganzen Testzeitraum ohne Aufladen der Batterien im Schnitt auf 5,5 Liter gekommen.

Der Golf GTE ist auf jeden Fall eine sehr interessante Alternative für GTI-Fans. Er bietet fast die gleichen Fahrleistungen, ist aber wesentlich sparsamer zu bewegen. Vor allem für jene, die täglich zur Arbeit pendeln und so unter der Woche mit einem rein elektrischen Antrieb das Auslangen finden. Im Vergleich zum rein elektrisch betriebenen E-Golf ist der Golf GTE auch voll alltagstauglich, und man kann mit ihm Reichweiten erzielen, die sich hinter den Golf-Modellen mit Verbrennungsmotor nicht verstecken müssen.

Was uns gefällt:

der Fahrspaß, die Kombination aus E- und Benzin-Motor, der Fahrkomfort, die Leistung

Was uns nicht gefällt:

der Preis, der etwas kleine Kofferraum

Testzeugnis:

Ausstattung Sicherheit: 1
Ausstattung Komfort: 1
Verbrauch: 1
Fahrleistung: 1
Fahrverhalten: 1
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 1
Kofferraum: 3-
Ablagen: 1
Übersichtlichkeit: 1-

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