VW Golf Variant 1.4 TSI DSG - Testbericht

Mit dem 1,4 Liter Turbobenziner hat VW eine interessante TDI-Alternative im Programm. Wie sparsam der Golf damit tatsächlich ist, zeigt der  aktuelle Test.

VW Golf : Kein Auto wird hierzulande öfter verkauft als der kompakte Klassiker. Für die einen eine Ikone, für die anderen das langweiligste Auto der Welt - man kann ihn lieben oder hassen, aber man kommt nicht so einfach am Golf vorbei. Zugegeben, vor allem als Variant weckt er nicht gerade große Emotionen; dennoch haben wir den Kombi aus Wolfsburg während unseres Tests sehr zu schätzen gelernt. Es gab keine negativen Überraschungen, der Golf ist und bleibt einfach gut.

VW hat vor nicht allzu langer Zeit den Werbeslogan auf "Volkswagen - Das Auto" geändert. Und genau das ist der Golf, ein unaufgeregtes Auto ohne Schnörksel. Der ideale Begleiter von A nach B. Wer gewagtes Design oder schnittige Optik möchte, der muss sich bitteschön anderswo umsehen. Aber gerade diese Nüchternheit ist ein großer Pluspunkt des Golf. Alles ist dort, wo man es intuitiv vermuten würde. Das dicke Bordbuch könnte man sich genau genommen sparen. Wer hier etwas nicht versteht, dem ist wohl nicht zu helfen. Egal ob Sitzhöhenverstellung, Tempomat, Klimaanlage oder Radio, ein Golf gibt keine Rätsel auf. Und ganz nebenbei versprüht er noch diese solide Anmutung, die so manchem Mitbewerber in der Kompaktklasse leider fehlt.

Wer Golf kauft, der kauft automatisch Diesel, zumindest war das in der Vergangenheit so. Das Kürzel "TDI" übte magische Anziehungskraft auf abertausende Autokäufer aus. Dass sich diese Motorvariante für "Wenigfahrer" auch zu Zeiten des niedrigen Dieselpreises nicht gerechnet hat, steht auf einem anderen Blatt. Die Marketingabteilung hat ganze Arbeit geleistet. Mittlerweile liegen die Preise von Diesel und Benzin nahezu gleichauf. Die Autohersteller haben in den letzten Jahren viel Gehirnschmalz in die Weiterentwicklung von kleinen Benzinmotoren gesteckt. Das Rezept: Wenig Hubraum plus Turbo ist gleich gute Leistung und wenig Verbrauch.

Wir waren gespannt. Kann das 1,4 Liter Turbotriebwerk mit 122 PS einen bewährten Turbodiesel tatsächlich herausfordern? Um Fahrspaß und dem Spargedanken gleichzeitig Rechnung zu tragen, wurde der Testwagen mit dem Doppelkupplungsgetriebe DSG bestückt. Die Trendline-Ausstattung umfasst die wichtigsten Features wie Klimaanlage, Mittelarmlehne, Komfortsitze, Dachreling, vier elektrische Fensterheber und einiges mehr. Dazu kamen optionale Dinge wie Metallic-Lack, Multifunktionslenkrad mit DSG-Schaltwippen, ein CD-Radio sowie das Komfort-Paket (Klimaautomatik, Parkpilot, beheizte Sitze und Scheibenwaschdüsen). Addiert man die Extras zum Basispreis des VW Golf Variant 1,4 TSI DSG von 25.920 Euro, kommt man auf einen Testwagenpreis von knapp 27.800 Euro. Das ist kein Sonderangebot, in Anbetracht des guten Werterhaltes aber dennoch ein interessantes Offert. Das Interieur entspricht nach dem Facelift jenem des Fünftürers, die Front wurde ebenfalls angepasst. Wie eingangs erwähnt sind Verarbeitungsqualität und Bedienung über jeden Zweifel erhaben, der Kofferraum überzeugt mit einem Volumen von 505 Litern, wer die Rücksitzlehnen umklappt erhält nicht nur eine fast ebene Ladefläche, sondern kann beachtliche 1.495 Liter verstauen. Das Fahrverhalten ist tadellos, Komfort wurde dem Golf Variant ins Lastenheft geschrieben ohne gleich eine Sänfte aus ihm zu machen. Im Fall der Fälle versucht das serienmäßige ESP den Wolfsburger auf Kurs zu halten.

Widmen wir uns der wesentlichsten Neuheit, dem Motor. Aus 1,4 Litern Hubraum schöpft der Vierzylinder 122 PS, dank Turboaufladung kommt das Drehmoment mit 200 Nm nicht zu kurz. Die Praxis beginnt zunächst sehr angenehm. Der Ottomotor übt sich akustisch in dezenter Zurückhaltung, ein eindeutiger Pluspunkt für den Benziner, wenngleich die TDI-Motoren seit der Umstellung auf Common-Rail-Technik ebenfalls deutlich an Ruppigkeit verloren haben. Der Durchzug des Triebwerks überrascht, so viel Spritzigkeit hätte man dem kleinen 1.400er gar nicht zugetraut. Das Aggregat fühlt sich subjektiv nach mehr als 122 PS an, der Fahrspaß ist jedenfalls nicht zu leugnen. Nach 9,9 Sekunden ist Tempo 100 km/h erreicht, 201 km/h Spitze können sich auch in Deutschland sehen lassen. Fairerweise soll nicht unerwähnt bleiben, dass die Spritzigkeit bei höherem Tempo merklich nachlässt, doch das wollen wir dem TSI-Motor nicht verübeln. Das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe macht einen perfekten Job und sorgt dafür, dass das Drehzahlniveau möglichst niedrig bleibt. Das spart Sprit und schont die Umwelt.

Apropos Spritsparen: Die Werksangabe von VW liegt bei sechs Litern auf 100 Kilometern. In der Praxis ist dieser Wert allerdings kaum zu erreichen, so man nicht zum Verkehrshindernis werden möchte. Sieben Liter sind realistisch, wer viel auf der Autobahn unterwegs ist, der muss noch etwas mehr einkalkulieren. Denn bei höherem Tempo offenbart sich der Nachteil im Vergleich zum Diesel, der kleine TSI-Benziner gönnt sich dabei überproportional viel Sprit. Dennoch, wer seinen Gasfuß einigermaßen im Zaum hält, der kann Verbrauchswerte realisieren, wie sie vor nicht allzu langer Zeit nur Dieselmotoren erreichen konnten. Und die Tatsache, dass sich im Vergleich zum 105 PS TDI immerhin rund 1.600 Euro sparen lassen, ist doch auch ein gutes Argument.

Testurteil:

Plus: perfekte Ergonomie; sehr gute Verarbeitung; gutes Platzangebot; kräftiger & sparsamer Motor

Minus: kein Sonderangebot; Verbrauch steigt bei höherem Tempo überproportional an

Unser Eindruck:
Verarbeitung: 1
Ausstattung: 2
Bedienung: 1
Komfort: 1-2
Verbrauch: 2-3
Fahrleistung: 2
Sicherheitsausstattung: 1-2

Resümee: Es muss nicht immer TDI sein: Der 1.400er Turbobenziner ist durchaus eine Alternative. Leiser, günstiger, durchaus kräftig und ebenfalls sparsam könnte er selbst eingefleischte TDI-Fans zum Umdenken bewegen.

Kommentare