VW New Beetle Cabrio - Fahrbericht

Ein Auto für's Herz

Retro ist in. Das Volkswagen Beetle Cabriolet ist so Retro, dass die Wolfsburger Mitte 2005 ein Facelift für nötig hielten. Seitdem kommt das Spaßmobil ein wenig bulliger daher, ist aber immer noch ein echter Sympathieträger. Die Blumenvase am Armaturenbrett blieb zum Glück erhalten. In Österreich wird das New Beetle Cabrio mit serienmäßiger Lederausstattung angeboten, was das Innenraum-Ambiente sehr positiv beeinflusst. Auch andere Verkehrsteilnehmer haben an diesem Auto ihre Freude: Offen fahren mit dem Beetle heißt in lächelnde Gesichter schauen. Der Alltagswert hält sich in Grenzen, doch ist dem scheinbar grinsenden Auto leicht verziehen.

Wie beim Original liegt das Dach wie eine Kapuze auf dem Heck. Das sieht gut aus, schränkt aber die Sicht nach hinten stark ein . Die Verriegelung des Daches mit einem Drehgriff bedarf eines gewissen Trainings, weshalb eine Kollegin fast unfreiwillig im Regen offen gefahren wäre. Die Persenning zu montieren ist eine echte Aufgabe - also einfach weglassen. Beim Testwagen fuhr das Verdeck nach der Entriegelung auf Knopfdruck zurück. Handgestoppte zwölf Sekunden dauert das Prozedere. Das Windschott ist leicht zu montieren und eine Investition wert, denn bereits ab Tempo 60 ist ansonsten eine Sturmhaube gefragt. Mit dem Windschott lässt sich auch das doppelte Tempo entspannt genießen. Wer die schnellere Gangart bevorzugt, sollte seiner langhaarigen Beifahrerin eine Mütze gönnen, sonst wird das Kämmen hinterher zur Tortur.

Vorn ist das Raumgefühl gut , die Scheibe weit weg. Gefühlt sitzen die Passagiere genau in der Mitte des Autos. Dazu trägt auch der weit ausladende Armaturenträger bei, der VW-typisch übersichtlich gestaltet ist. Das Gestühl ist relativ weich, aber trotzdem langstreckentauglich. Die hinteren Plätze sollten nur Kindern länger zugemutet werden. Der Kofferraum mit seiner winzigen Luke verdient seinen Namen nicht . 201 Liter Fassungsvermögen gibt VW an, aber die Form lässt eine sinnvolle Nutzung kaum zu. Eine Wasserkiste zu verstauen ist bereits eine echte Übung. Praktisch ist die Durchreiche, groß genug für manchen Baumarkt-Kram oder Skier. Hinter den Rücksitzen schießen im Ernstfall in 0,25 Sekunden Überrollbügel hoch.
 
Der Qualitätseindruck des Testwagens war sehr gut. Für ein offenes Auto ist der New Beetle ausgesprochen verwindungssteif, da knarrt und knistert nichts. Die Abstimmung lässt erkennen, dass der Beetle ein Neffe vom Golf IV ist: Komfortabel und sicher rollt er selbst über schlechte Straßen.

Der bekannte TDI mit 105 PS passt gut zum Beetle. Neuerdings ist ein Partikelfilter Serie. 240 Newtonmeter reichen auch für den schnellen Zwischenspurt, 179 km/h Spitze für die linke Spur. Dazu gibt es ein gut abgestimmtes Fünfgang-Getriebe. Der Verbrauch lag bei knapp sieben Litern Diesel , was in Verbindung mit dem 55-Liter-Tank auch lange Etappen ohne Zwischenstopp erlaubt. Bei offenem Dach klingt das Dieselscharren manchmal etwas rau, geschlossen ist dank guter Geräuschdämmung kaum etwas vom Motor zu hören. Generell sind die Windgeräusche sehr erträglich.

Fazit: Das Beetle Cabriolet bietet eingeschränkten Nutzwert zu nicht unbedingt günstigen Preisen. 23.426 Euro kostet das Beetle Cabrio 1.4 mit 75 PS, unser Testwagen, der TDI mit 105 PS kommt auf 28.322 Euro. Dafür ist es ein Auto für´s Herz, das wirklich Spaß macht. Dazu kommen eine gute Verarbeitung und erträgliche Folgekosten.

auto-reporter

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