VW Passat BlueMotion im Test

5,1 Liter Durchschnittsverbrauch nach NEF-Zyklus

Mit dem sparsamen Polo Blue Motion hat Volkswagen im Jahr 2006 einen Trend ausgelöst. Mittlerweile haben auch andere Hersteller verbrauchsoptimierte Ausgaben ihrer wichtigsten Modelle im Programm oder angekündigt. VW weitet derweil sein Spritspar-Konzept auf immer mehr Baureihen aus. 5,1 Liter Durchschnittsverbrauch nach NEF-Zyklus verspricht Volkswagen beispielsweise für den Passat 1.9 TDI BlueMotion .

Um es gleich vorwegzunehmen: Der Bordcomputer gab während unserer Testfahrt einen Durchschnittsverbrauch von 5,4 Liter an. Grund zum Nachtanken hatten wir nicht, denn die Reichweite lag deutlich über 1.000 Kilometer. 1.200 Kilometer sind in der Praxis bei zurückhaltender Fahrweise und ohne Schleichfahrt durchaus zu realisieren. VW selbst gibt sogar noch 170 Kilometer mehr an. Bei einer durchschnittlichen jährlichen Fahrleistung von 15.000 Kilometer müsste der Fahrer rein rechnerisch nur elfmal eine Zapfsäule ansteuern.

Basis für den BlueMotion ist der Passat 1.9 TDI Trendline mit 77 kW / 105 PS . Verschiedene Maßnahmen senken den Durchschnittsverbrauch gegenüber der Normalausführung um 0,6 Liter. So wurden einige Parameter des Motors geändert und zum Beispiel durch eine Softwareanpassung die Leerlaufdrehzahl um 100 Umdrehungen in der Minute auf 730 U/min gesenkt. Abgesenkt wurde auch das Fahrwerk. Vorne um 15 Millimeter und hinten um acht Millimeter. Aerodynamisch optimiert wurden außerdem die Gestaltung des Kühlergrills und der Unterboden, wo die Ingenieure die Kanäle der Bremsleitungen abgedeckt und vor der Hinterachse spezielle Bodenverkleidungen montiert haben. Eine weitere wichtige Rolle für die höhere Kraftstoffeffizienz sind die verwendeten Leichtlaufreifen von Continental mit einem um 0,4 bar erhöhten Druck. Am Ende stehen ein verbesserter cW-Wert und das fast schon Paradoxon, dass der BlueMotion nicht nur sparsamer , sondern auch noch fünf km/h schneller ist als die Normalausführung - besser kann man ein verbrauchsoptimiertes Auto wohl nicht verkaufen.

Gespart wird zwar am Verbrauch, nicht aber am Komfort. Auch mit den Leichtlaufreifen und dem tiefergelegten Fahrwerk ist der Federungskomfort des Passat BlueMotion weiterhin tadellos. Die Mittelklasselimousine bügelt auch in der Sparversion Unebenheiten souverän aus. An die längere Übersetzung der Gänge drei, vier und fünf hat man sich rasch gewöhnt. Sie bieten letztendlich immer noch ausreichend Durchzug.

Am Innenraumambiente gab es schon bisher nichts auszusetzen. Man fühlt sich auf Anhieb im Passat wohl. Alles ist solide verarbeitet und bietet einen hochwertigen Eindruck . Auch hier zeigt sich, warum der Passat Europas erfolgreichstes Mittelklassemodell ist. Im Alltag stört nur die etwas knapp geschnittene Kofferraumluke der Limousine.

Eine Geschwindigkeitsregelanlage und eine Gangschaltanzeige für die möglichst optimale Ausnutzung des Sparpotenzials helfen bei der Senkung des Kraftstoffverbrauchs ebenso wie der Bordcomputer. Auf eine Start-Stopp-Automatik und einen sechsten Gang verzichtet VW hingegen. Wer auf der Autobahn Vollgas gibt, der kann im Display miterleben, wie binnen zwei, drei Minuten die Restreichweite rasch um 100 Kilometer sinkt, aber auch schnell wieder nach oben klettert, wenn der Fuß wieder etwas zurückgenommen wird. Das größte Einsparpotenzial hat, allem technischen Fortschritt zum Trotz, eben immer noch der Mensch selbst in der Hand.

Dennoch fragt man sich, warum nicht zum Beispiel noch die hinteren Radkästen beim BlueMotion halb abgedeckt wurden, wie man es etwa von Reisebussen kennt. Da würde sich sicher auch noch der eine oder andere Tropfen Diesel sparen lassen. Doch die Angst, die Kunden durch solche äußerlich sichtbaren Maßnahmen zu verschrecken, scheint nicht nur bei VW tief zu sitzen. Daher gilt auch für den Passat BlueMotion wie für alle verbrauchsoptimierten Massenmodelle: Bloß nicht auffallen. Es ist wohl noch ein langer Weg, bis Autofahrer sich selbstbewusst zum Spritsparmodell bekennen und dies gerne auch nach außen zeigen. So fiel dem Nachbarn letztendlich nur die Aufschrift BlueMotion am Heck auf, die zu der Frage führte, was denn das bedeute.

auto-reporter

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