Der neue VW Passat CC im Test

Starker Auftritt im Segment der viertürigen Coupés

Der Passat CC kann niemanden überraschen. Die Marktnische war erkennbar, seit Mercedes-Benz den Beau CLS ins Rennen schickte. Der Passat CC wäre sogar zweiter gewesen, wenn sein Auftritt nicht noch einmal verzögert worden wäre. So muss er sich bei den viertürigen sportlich-eleganten Coupés nun mit dem dritten Platz nach dem Jaguar XF bescheiden. Doch könnte sich Wolfsburg für den Passat CC ein ehrenvolleres Wettbewerbsumfeld vorstellen?

Es wird auch niemanden überraschen, wenn man dem Passat CC einen erfolgreichen Auftritt im neuen Marktsegment der viertürigen Coupés voraussagt. Erreicht werden soll dies mit gut gestalteten Preisen. Der billigste Benziner ist ab 33.240 Euro zu haben, der TDI ab 34.540 Euro .

Das eigentliche Kampfangebot stellt aber der Passat V6 "4Motion" dar. Der Basispreis für den Sechszylinder mit 220 kW / 300 PS , Allradantrieb , Sechs-Gang-DSG-Getriebe , adaptivem Fahrwerk und vielem zusätzlichen Zubehör liegt bei 48.580 Euro . Auch wenn es dieses Modell in Österreich vermutlich nicht zum Bestseller bringen wird, so stellt es doch eine sehr selbstbewusste Kampfansage an die beiden Nischen-Nachbarn dar.

Ein Volkswagen misst sich mit einem Daimler und einem Jaguar? Sehen die Fahrer von Fahrzeugen mit Premium-Marken am Bug einen "Volks"-wagen bei ihrer nächsten Kaufentscheidung tatsächlich als Alternative. Auf diese Fragen gibt es zwei Antworten - eine mit Bezug auf die Marke und eine andere mit Bezug auf die Technik und deren Leistungsvermögen. Die Frage zum Marketing ist rasch beantwortet. Volkswagen stellte seinen Edel-Passat in einem Luxushotel am Tegernsee vor, vor dem sich die dicken Limousinen und SUV nur so ballen.

Zu Design und Technik zunächst auch einmal eine kurze Antwort: Beides gelang den Wolfsburgern tadellos. Beginnen wir mit dem Aussehen, das in dieser Fahrzeugnische ja wohl zu den entscheidenden Kriterien zählt. Obwohl er auf der Passat-Plattform daherkommt und mit 4,80 Metern Länge nur 31 Millimeter mehr misst, erkennt man auf den ersten Blick zwar den Volkswagen, aber nicht unbedingt den Passat. Eher kommt beim Betrachter, angesichts des runden Bugs ein Hauch von Phaeton auf.

Der Passat CC steht gut da, was sicher auch seiner um 36 Millimeter vergrößerten Breite und seiner größeren Spur (vorn plus elf Millimeter, hinten plus 16 Millimeter) zuzurechnen ist. Dafür misst der CC in der Höhe 50 Millimeter weniger als seine Geschwister Passat Limousine oder Variant. Die sehr früh und sehr flach ansteigende Frontscheibe und die noch flacher in einen sehr kurzen Kofferraum auslaufende Heckscheibe, die Pausbacken für die 235er Räder im 17-Zoll-Format , die nicht übertrieben kräftigen Schultern, die flachen Seitenfenster, die Sicken und Wölbungen sowie die Keilform entsprechen dem, was man von einem sportlich-eleganten Coupé erwartet.

Die Scheinwerfer und die Einsätze unter den Stoßfängern, in denen Blinker, Nebellampen und Bremsenlüftung untergebracht wurden, sind so weit in die Seite hineingezogen, dass sie die Länge des Bugs optisch ausgleichen. Dies und die geringere Höhe in Verbindung mit dem sanft geschwungenen Coupé-Dach nimmt dem CC sogar einen der gestalterischen Nachteile des Passat-Fahrzeugkonzepts: Denn trotz des großen vorderen Überhangs des CC aber gleichem Radstand, wirkt der Vorderwagen beim CC viel weniger überragend als beim normalen Passat.

Unter dem kurzen Heck des leer zwischen 1.430 kg (TSI) und 1.632 kg (4Motion) schweren Passat CC liegt ein flacher und trotz der kleinen Heckklappe noch recht gut zugänglicher Kofferraum von rund 530 Litern . Eine Durchladeeinrichtung wird angeboten. Die Zuladung entspricht mit Werten knapp unter 500 kg gerade den Erwartungen an einen Viersitzer dieser Klasse.

Auch die hinteren Türen und die beiden sehr guten Sport-Einzelsitze können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich beim CC um ein Coupé handelt. Der flache Verlauf eines Coupédachs geht nun einmal zu Lasten der Kopffreiheit. Großgewachsenen Fahrgästen fällt zudem das Einfädeln durch die recht kleinen, hinteren Türen nicht leicht. Wem der CC passt, der findet aber auch hinten eine luxuriöse Umgebung vor.

Die Passagiere auf den Vordersitzen dagegen haben sich nicht zu beklagen. Die Sportsitze sind hervorragend, und das Ambiente zeigt den Wunsch, Fahrer und Beifahrer zu verwöhnen. Die Armaturentafel erinnert in ihrer Grundstruktur an die des Passats, verbreitet aber einen weiteren Hauch von Phaeton oder Tourareg . Von denen haben die Designer die chromgefassten, klassisch gezeichneten Rundinstrumente übernommen.

Der Rest birgt keine Überraschungen. Das neue Multifunktionslenkrad gefällt, die serienmäßige Sechs-Gang-Schaltung sitzt genau richtig und lässt sich mühelos von Gang zu Gang bewegen, und auch der Wählhebel des Sechs-Gang-DSG-Automaten sieht so aus wie gewohnt.

Neu bei der Bedienung ist der Taster, mit dem man bei der neuen adaptiven Fahrwerksregelung (DCC) die drei Kennfelder "Normal", "Comfort" und "Sport" vorgeben kann. Ebenfalls neu für VW in dieser Wagenklasse ist der Spurhaltassistent "Lane Assist" , der leicht gegensteuert, wenn man die Spur verlässt, ohne den Blinker zu setzen. Das soll jene 15 Prozent der Unfälle verhindern helfen, bei denen Fahrzeuge ohne erkennbaren Grund von der Straße abkommen.

Den Passat CC bietet Volkswagen zunächst nur mit dem kleineren der beiden Vierzylinder-Diesel des Hauses an. Den Spurt auf 100 km/h schafft der Drei-Liter-Sechszylinder in 8,6 Sekunden und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 222 km/h . Der Durchschnittsverbrauch (nach Norm) liegt bei 7,6 Litern Super , entsprechend 180 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer .

Leider wird diese Motorversion noch nicht mit dem DSG-Getriebe geliefert. Allein diese Tatsache wiegt schwer und spricht zusammen mit dem Allradantrieb für den Passat CC , der bis 100 km/h nur 5,6 Sekunden braucht, bei 250 km/h abgeregelt wird, dafür aber im Schnitt 10,1 Liter Superplus verlangt.

Schön ist er, der CC, luxuriös ebenso, die Motoren und die Fahrleistungen passen, und das Fahrverhalten lässt keine Wünsche offen. Der Preis passt auch. Nichts spricht dagegen, dass Volkswagen auch mit dem Passat CC wieder ein Erfolg gelingt wie bei den Nachzüglern Touran und Tiguan.

auto-reporter

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