Geräuschkulisse für Elektroautos gefordert

Blinde und stark sehbehinderte Menschen können Elektroautos im Stadtverkehr fast nicht wahrnehmen.

Anfang der Woche demonstrierten ÖAMTC und ÖBSV-Dachorganisation beim Ernst Happel Stadion, wie schwierig es für blinde und sehbehinderte Menschen ist, ein Elektroauto akustisch wahrzunehmen. Den anwesenden JournalistInnen und Fachleuten wurden Dunkelbrillen aufgesetzt, das E-Fahrzeug näherte sich mit max. 20 bis 30 km/h.

"Für uns ist es bei durchschnittlichem Straßenlärm nahezu unmöglich, Elektro- oder Hybridautos ohne eingebaute Geräuschkulisse wahrzunehmen und entsprechend darauf zu reagieren", stellt Mag. Gerhard Höllerer, Präsident des Österreichischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (ÖBSV), selbst blind, fest. "Besonders beim Ein- und Ausparken, Anfahren und Abbremsen, beim Fahren auf einer Schneefahrbahn oder bei lauten Nebengeräuschen wie zum Beispiel stark frequentierten Verkehrsflächen oder bei Baustellen kann es zu lebensgefährlichen Situationen kommen. Vor allem bei Straßenübergängen, Verkehrskreuzungen und Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel."

Gerade blinde und sehbehinderte Menschen können sich im Verkehr fast ausschließlich nur nach dem Gehör orientieren. "Das fehlende Motorgeräusch von Elektrofahrzeugen bei niedrigen Geschwindigkeiten kann daher als potenzielle Gefahr angesehen werden", sagt ÖAMTC-Cheftechniker Max Lang. "Ein minimales Geräusch das von Elektro- oder Hybridfahrzeugen erzeugt wird, kann daher wesentlich zur Verkehrssicherheit beitragen. Denn einzig ein solches 'Vorwarngeräusch' ermöglicht eine rechtzeitige Reaktion in einer Gefahrensituation."

ÖAMTC und ÖBSV fordern daher anlässlich des "Tages des Weißen Stockes" am 15. Oktober, dass Elektro- bzw. Hybridfahrzeuge möglichst rasch mit einer Geräuschkulisse versehen sein müssen, um eine Zulassung zu erhalten. In Deutschland hat sich bereits eine UN-Arbeitsgruppe mit diesem Thema befasst und sich schon im März dieses Jahres darauf geeinigt, dass Elektrofahrzeuge ab dem Sommer 2011 (!) mit künstlichen Fahrgeräuschen ausgestattet werden sollen, um andere Verkehrsteilnehmer zu schützen. Die Geräusche dürfen nicht lauter sein als die von anderen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren bei einer Geschwindigkeit bis 20 km/h.

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