Hybridautos verbrauch(Bildquelle: Pixabay.com / GoranH)

Hybridautos verbrauchen deutlich mehr Sprit als angenommen

Herstellerangaben und Straßenwerte klaffen weit auseinander

Der Verbraucherschutzverein (VSV) bemängelt, dass bei Hybrid-Autos die offiziellen Herstellerangaben über den Spritverbrauch besonders weit von den echten Werten auf der Straße abweichen. Dies zeigen Studien des International Council on Clean Transportation (ICCT) und der Arbeiterkammer. Demnach beträgt die Differenz zwischen Herstellerangabe und Realbedingungen bei Hybridautos stolze 48 %, im Vergleich zum Durchschnitt aller Neuwagen mit 39 % Abweichung. "Bei uns werden diese Hybrid-Autos, die einen extrem niedrigen CO2 Verbrauch nur vorgaukeln, auch noch extra gefördert. Das ist der Gipfel des Unverstands", kritisiert Peter Kolba vom VSV.

Hybrid bedeutet, dass in diesen Autos zusätzlich zum herkömmlichen Antrieb (Benzin, Diesel) auch noch eine elektrische Batterie eingebaut ist. Der Verbrennungsmotor lädt mit seiner überschüssigen Energie die Akkus auf. Die Steuerung des Autos entscheidet selbst, wann die Batterie und wann der herkömmliche Antrieb zugeschaltet wird. Bei niedrigen Geschwindigkeiten in der Stadt ist der elektrische Antrieb viel effizienter als der benzingetriebene, bei langen Fahrten hingegen Diesel oder Benzin.

Bei den sogenannten Voll-Hybriden (HEV) gibt es einen kleineren elektrischen Akku, der ausschließlich vom (Benzin, Diesel) Verbrennungsmotor aufgeladen wird. Somit kann das Autos beim langsamen Fahren in der Stadt, wenn der Benzinantrieb besonders ineffizient ist, batteriegetrieben fahren und bei Langstrecken auf den Verbrennungsmotor umschalten, der bei solchen Strecken effizienter ist. Beim Plug-in-Hybrid (PHEV) ist diese Batterie viel größer. Man kann von außen mit einem Stecker aufladen, sodass solche Fahrzeuge imstande sind, längere Strecken elektrisch - und damit umweltfreundlicher - zu fahren. So ist die Annahme entstanden, dass diese Fahrzeuge viel weniger Sprit verbrauchen und somit umweltfreundlicher sind.

Die aktuellen Studien zeigen, dass dies aber nicht zutrifft. Die Effizienz eines Plug-in-Hybrid hängt komplett davon ab, wo man fährt. Bei Langstrecken greift der Akku kaum (nur beim Beschleunigen), bei Fahrten in der Stadt hingegen öfters. Das Problem: bei der Typisierung von Plug-in-Hybriden im Labor wird das Fahrzeug zweimal getestet, einmal nur mit Batterie, einmal nur mit herkömmlichem Antrieb. Beide Ergebnisse werden zusammen gezählt und durch die insgesamt gefahrenen Kilometer dividiert. Der Clou: die mit Batterie gefahrenen 11 Kilometer ergeben für CO2 eine glatte Null, weil kein CO2 anfällt. Die mit dem herkömmlichen Antrieb gefahrene Strecke von 25 km (das ist die Zeit, in der sich die Batterie wieder aufladen soll) werden mit dem jeweiligen CO2 Ausstoß multipliziert. Der so errechnete Wert wird nicht durch 25 km dividiert, sondern durch die gesamten 36 km - so kommt ein viel niedriger Wert heraus.

"Diese Berechnungsformel ist vorgeschrieben und daher keineswegs illegal", sagt Peter Kolba. Aber sie führt dazu, dass der tatsächliche Spritverbrauch auf der Straße deutlich unterschätzt wird und den Käufern vorgegaukelt wird, sie seien sehr CO2 schonend unterwegs.