Analyse: 900 Motorrad- und Mofa-Unfälle

Von 2004 bis 2013 sank die Zahl der Getöteten bei Pkw-Unfällen um 60 Prozent, bei motorisierten Zweiradfahrern aber nur um 28 Prozent.

Um Verbesserungspotenzial für Biker auszumachen, hat die ÖAMTC-Unfallforschung Unfälle mit Personenschaden untersucht, an denen motorisierte Zweiräder beteiligt waren und von denen Bilder von Unfallstelle, Unfallfahrzeug und Schutzausrüstung zur Verfügung standen. "Die Analyse zeigt, dass drei Viertel der Fahrer und Mitfahrer keine vollwertige Schutzbekleidung trugen außer dem gesetzlich vorgeschriebenen Helm", stellt ÖAMTC-Verkehrsexperte David Nosé fest.

Schwächen zeigen sich auch bei der Infrastruktur: Die ÖAMTC-Unfallforschung analysierte Unfälle an potenziellen Gefahrenstellen, bei denen eine Leitschiene zum Schutz sinnvoll gewesen wäre. Bei 67 Prozent dieser Unfälle war eine einfache Leitschiene ohne Unterfahrschutz verbaut. In 15 Prozent war ein Unterfahrschutz vorhanden. Keines der Schutzsysteme wies eine Aufprallschutzvorrichtung auf. In 18 Prozent der Fälle gab es gar keine Schutzeinrichtung, obwohl Gefahr von Bewuchs oder Bebauung am Straßenrand ausging. "Das Risiko, schwere bis tödliche Verletzungen zu erleiden, kann durch den Einsatz von Unterfahrschutzsystemen deutlich gesenkt werden. Durch die zusätzliche Installation von so genannten Auffallsystemen ist eine weitere Senkung der Verletzungsschwere möglich", fordert Nosé Investitionen in diesem Bereich.

Großes Verbesserungspotenzial ortet der ÖAMTC-Experte beim Fahrer selbst. Die Analyse zeigt nämlich: Nur 17 Prozent der verunglückten Personen waren mit einem Vollschutz ausgerüstet, also mit Schutzhelm, -jacke, -hose (oder Schutzkombi), Handschuhen und Stiefel. Fünf Prozent trugen Helm, Motorradjacke und Handschuhe. "Das heißt, dass drei Viertel aller Kraftradfahrer nur den gesetzlich vorgeschriebenen Helm getragen haben und sonst Alltagskleidung", erklärt der ÖAMTC-Verkehrsexperte. Dabei ist zu bedenken, dass die Schutzkleidung die einzige Möglichkeit der passiven Sicherheit darstellt.

Ohne Helm war nur ein Prozent unterwegs. Weitere drei Prozent - vor allem auf schwächer motorisierten Zweirädern wie Roller und Mofa - verloren den Helm beim Unfall. Hier warnt der ÖAMTC-Experte: "Selbst wenn ein Motorrad- oder Mofafahrer bei einem Unfall ohne Schutzhelm nicht getötet wird, ist die Gefahr von bleibenden Schäden hoch." Wer mit Motorrad und Mofa unterwegs ist, sollte daher unbedingt Schutzkleidung tragen. Signalfarben erhöhen die Erkennbarkeit.

Ein regelmäßiges Training verbessert die Fahrfertigkeiten jedes Bikers. Die ÖAMTC Fahrtechnik bietet in ihren österreichweit neun Zentren unterschiedliche Motorrad-Trainings, bei denen jeder Fahrer den Umgang mit dem eigenen Fahrzeug perfektionieren kann. "Besonders zu Beginn jeder Motorradsaison und beim Erwerb einer neuen Maschine sollte man die Möglichkeit nützen, abseits vom Straßenverkehr bei einem Training mit Fahrtechnik-Profis ein Gefühl für Schräglage und Geschwindigkeit zu bekommen", rät Nosé.

Ein Aufruf für mehr Achtsamkeit im Straßenverkehr ist auch die ÖAMTC- Kampagne "Kopf drehen andere sehen". Mit der Initiative appelliert der Club an die Eigenverantwortung aller Verkehrsteilnehmer, sich mit einem Blick nach links und rechts zu versichern, dass sie niemanden übersehen. Gegenseitige Rücksichtnahme und gesteigerte Aufmerksamkeit - egal, ob man mit Auto, Motorrad, Fahrrad oder zu Fuß unterwegs ist - erhöhen die Verkehrssicherheit.

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