Urlaub mit dem Motorrad(Bildquelle: iStockPhoto.com / JackJelly)

Urlaub mit dem Motorrad: Richtig packen und auf geändertes Fahrverhalten einstellen

Mehr Gewicht heißt längerer Bremsweg, falsche Beladung verändert Fahrverhalten

Wer mit dem Motorrad auf Urlaub fährt, muss mit wenig Stauraum auskommen. "Beim Motorradfahren ist Weniger mehr. Zusätzliches Gepäck hat nämlich auch Auswirkungen auf das Handling des Bikes - durch das höhere Gewicht verlängert sich der Bremsweg", erklärt Georg Scheiblauer, Motorrad-Chefinstruktor der ÖAMTC Fahrtechnik. Wichtig ist auch, wo man das Gepäck unterbringt. Grundsätzlich sollte der Schwerpunkt möglichst weit vorne und möglichst weit unten bleiben. "Je weiter hinten und je höher der Schwerpunkt liegt, desto problematischer ist der Einfluss auf das Fahrverhalten - der Lenker beginnt zu flattern, das Bike neigt zum Pendeln oder schaukelt sich über Bodenwellen auf", so Scheiblauer

Tipps des ÖAMTC Fahrtechnik-Experten, wie man sein Motorrad richtig bepackt

Tankrucksack
Die schwersten Gepäckstücke sollten in den Tankrucksack, damit die Beladung zwischen den Rädern und in der Nähe des Maschinenschwerpunkts liegt. Auch für sensible Gepäckstücke wie die Fotoausrüstung ist der Tankrucksack der beste Aufbewahrungsort. Ebenfalls dorthin gehört alles, was schnell griffbereit sein muss, z. B. Landkarten, Warnweste, Dokumente. "Insgesamt muss man aber darauf achten, dass der Tankrucksack nicht zu voll wird, sonst kann er den Lenkereinschlag und die Sicht auf Instrumente und Kontrollleuchten beeinträchtigen", warnt der Motorrad-Chefinstruktor.

Seitenkoffer, Top Case, Taschen
Die beiden Seitenkoffer sollten links und rechts gleichmäßig beladen werden. Auch hier gilt: Schweres nach unten. Die leichtesten Sachen kommen ins Top Case, denn das liegt am höchsten. Taschen und andere Gepäcksstücke müssen mit Zurrgurten gut befestigt werden. Das gesamte Gepäck muss so angebracht sein, dass die Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt ist.

Regenschutz
Das Gepäck sollte vor Regen und Nässe geschützt und wasserdicht eingepackt werden. Koffer gelten als wasserdicht, für Softgepäck gibt es Regenhauben. Der Motorradexperte empfiehlt, sensibles Gepäck wie Handys oder Fotoapparat zusätzlich vor Wasser zu schützen.

Navi und Karte
Navigationsgerät und eine Karte in einer wasserdichten Kartentasche auf dem Tankrucksack helfen bei der Orientierung. Das Kartenmaterial sollte aktuell sein. Navi-Updates gibt es bei den Herstellern im Internet. "Sowohl die Karte als auch das Navi sollten im unmittelbaren Sichtfeld des Fahrers platziert sein, sodass möglichst keine ablenkenden Kopfbewegungen notwendig sind - denn die beeinflussen die Fahrlinie", erklärt Scheiblauer. Der Motorrad-Chefinstruktor rät, die Tagestouren jeweils am Vortag zu planen und beim Fahren den Blick hauptsächlich auf der Straße zu lassen. Die Ablenkgefahr durch die Dauerberieselung darf nicht unterschätzt werden.

Für eine sichere Urlaubsfahrt mit dem Motorrad ist die richtige Einstellung notwendig - und zwar von Fahrer und Maschine. "Am Motorrad muss die Federbeineinstellung auf die höhere Belastung eingestellt und der Reifendruck an das höhere Gewicht angepasst werden", erklärt der Motorrad-Profi des ÖAMTC. Außerdem darf das höchstzulässige Gesamtgewicht nicht überschritten werden - nachzulesen im Zulassungsschein. Das Gewicht von Fahrer und Mitfahrer in voller Montur zählen da genauso dazu wie Benzin und Gepäck.

Die wichtigste Änderung muss aber im Kopf des Fahrers stattfinden: "Die Fahrweise muss an das veränderte Fahrverhalten angepasst werden", betont Scheiblauer. Vor Reiseantritt sollte man mit voller Beladung eine Proberunde drehen. Noch besser ist es, das Handling mit dem Motorrad - auch voll bepackt - bei einem Fahrtechnik-Training zu perfektionieren. In den ÖAMTC Fahrtechnik Zentren werden das Handling bei höheren Geschwindigkeiten, Bremsmanöver sowie rasches und richtiges Reagieren in kritischen Situationen geübt. Nach einem Fahrtechniktraining ist man für die große Motorrad-Urlaubsfahrt mit Sicherheit gut vorbereitet. Infos zu den Motorrad-Trainings gibt's unter www.oeamtc.at/fahrtechnik .

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