BMW G 650 GS - Testbericht

Die bayerische Einzylinderin mit dem österreichischen Herzen ist zurück: Ein preisgünstiges Einsteiger-Modell, das auch Fortgeschrittenen gut zu Gesicht steht..

Ein Single eroberte die Welt. Auf alle Fälle die der Motorradabteilung der Bayerischen Motorenwerke: Es handelte - und handelt - sich um die "kleine" GS, die motorisiert mit einem Mono-Zylinder des österreichischen Herstellers Rotax, ganz große Figur gemacht hat. 1993 als F 650 mit relativ hoher Sitzposition und verlängerten Federwegen als Allround-Bike für on- und auch offroad angelegt, mauserte sie sich schnell zu einem der beliebtesten Einsteiger-Eisen. 1997 kam die F 650 ST als straßenorientierte Version hinzu. Drei Jahre später folgte mit der F 650 GS eine starke enduristisch ausgeprägte Variante und damit eine Einbindung in die GS-Familie. Darauf folgt eine F 650 GS Dakar. Und eine via Zahnriemen sekundär-angetriebene Version namens F 650 CS - Scarver - war zwischen 2001 und 2005 nur eine Nebenerscheinung.

Trotz kontinuierlicher Updates in punkto Optik, Technik und Leistung (mehr als 50 PS kamen dabei nicht heraus) setzte die F 650 im Laufe der Zeit stark Staub an. Bis sie 2008 eingestellt wurde. Die von 2007 bis 2009 produzierte G-Serie von BMW mit den drei 650er-Modellen Xmoto, Xcountry und Xchallenge konnte an die Ur-F nicht anschließen. Und damit war vorerst Schluss mit den bayerischen Eintöpfen. Auch wenn sich eine schwer modifizierte Rallye-650er (RR) im Jahr 1999, geführt von Richard Sainct, mit einem Paris-Dakar-Siegerkranz krönen hatte können.

Anlässlich des 30-Jahr-Jubiläums der BMW GS im Jahr 2010 kündigte BMW Motorrad-Boss Hendrick von Kuenheim die Rückkehr der Einzylinder-GS an, mit dem Eingeständnis, dass es "ein Fehler gewesen war, sie vom Markt zu nehmen". Die Nachfolgerin der einstigen Einsteigerin, trotz der Modellbezeichnung F 650 GS ja eine Zweizylinder mit 800 ccm, trifft offenbar nicht so ganz die Ansprüche von Neu- und Wiedereinsteigern, die sich ein preisgünstiges (und unkompliziertes) Bike wünschen.

Und damit ist sie wieder da, die Einzylinder-GS, die schon ab 2009 in Manaus, Brasilien, für den lokalen Markt (weiter) produziert worden war. Ihr Styling ist vielleicht nicht aufregend, jedoch keineswegs ungefällig - auf jeden Fall ist sie als BMW und als Mitglied der GS-Familie identifizierbar. Bis auf die Sitzhöhe, die ist mit 780 Millimetern noch moderater als bei der F 650 GS (die misst 790 mm). Dem kann man mit verschiedenen Sätteln noch weiter sowohl ab-, aber auch aufhelfen, in der Bandbreite zwischen 750 und 820 Millimetern. Superleicht ist sie mit ihren 192 Kilo nicht, doch auch nicht wirklich schwergewichtig. Der Radstand liegt mit 1.477 Millimeter gerade in der Mitte zwischen Agilitäts- und Stabilitäts-Anspruch. Der wieder aufgelegte Single gibt keine Rätsel auf, er ist watscheneinfach zu fahren und ist hoch stimmig auch für Leute, die stärkere Eisen gewohnt sind. Wo die Leistung für den Anschluss an stärkere Eisen fehlt, muss man halt mehr Schwung mitnehmen.

Wohl heißt die neue kleine GS nicht mehr F, sondern G, doch ist ihr Herz im Prinzip dasselbe geblieben. Bloß, dass der 652 ccm-Mono-Zylinder nach gründlicher Bearbeitung zwar nicht mehr Leistung als vorher produziert, die anliegenden 48 PS aber mit neuer Geschmeidigkeit und Kultur produziert. Die Übersetzung und Abstufung des Fünfgang-Getriebes sind gerade richtig. Die Bremsen sind frei von Bissigkeit, mit ABS unterstützt, als "Sonderausstattung ab Werk". So ausgestattet kostet das wiedergekehrte Single-Paket ab 7.900 Euro. Für die kleine und große Fahrt kann sie mittels eines reichhaltigen Optionen-Angebots mit Koffern und Taschen etc. reise-fit gemacht werden.

Infos: www.bmw-motorrad.at

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