BMW S 1000 RR - Testbericht

Wieder einmal alles perfekt bei BMW: Die S 1000 RR soll ein bestes Motorrad der Welt sein - und tauglich für den Alltag auf der Straße?

BMW jagt KTM: So möchte man mit der S 1000 RR das potenteste Großserien- motorrad im Angebot haben - und das ohne jahrzehntelange Erfahrung im Bau von straßenzugelassenen Rennmaschinen mit Nummernschild. Ein mutiges Unterfangen, das den Käufer mindestens 17.650 Euro kostet.

BMW S 1000 RR(Bildquelle: mid/ww, jg)

Mut ist bei diesem Motorrad angebracht: 142 kW / 193 PS Spitzenleistung und eine Maximalgeschwindigkeit von 299 km/h gibt BMW an. Das macht auf dem Papier Eindruck, obwohl die S 1000 RR eigentlich gar nicht so brachial aussieht. Vom Vierzylindermotor ist unter der kantigen Verkleidung wenig zu sehen, und nach dem Starten zunächst auch ziemlich wenig zu hören. Das Anfahren geht genauso simpel wie bei jedem anderen Motorrad. Von dem Vulkan, der unter dem Gesäß des Fahrers schlummern soll, ist nichts ist zu merken. Und auch wenn die spartanische Temperaturanzeige nach wenigen Kilometern Betriebsbereitschaft signalisiert, gibt’s beim Drehen des Gasgriffes erst einmal keine Feuerwerke. Nur die rote Nadel des dominanten Drehzahlmessers wandert bis in den fünfstelligen Bereich - und die BMW zieht und zieht. Kurz vor der roten Markierung bei 14.200 U/min mahnt der Schaltblitz zum Gangwechsel. Als Option ist für das deutsche Zweirad ein Schaltassistent verfügbar, der das Hinaufschalten ohne Kupplung unter Last ermöglicht. Damit stürmt die BMW schneller voran, und die Drehzahlen steigen vehement. Der Fahrer muss am Lenker jedoch hochkonzentriert zu Werke gehen - wer keinen kühlen Kopf bewahrt, riskiert seine Gesundheit.

BMW S 1000 RR(Bildquelle: mid/ww, jg)

Bei gelassener Fahrweise erlebt man, dass das gerade mal 204 Kilogramm schwere Bike ohne Mühe exakt die anvisierte Linie trifft - und hält. Die Bremsen und das ebenfalls aufpreispflichtige, in Verbindung mit einer Traktionskontrolle gar über 1.400 Euro teure ABS funktionieren, was man um diesen Preis erwarten darf, tadellos. Als bevorzugtes Einsatzgebiet entpuppen sich kurvige Straßen, wo die S 1000 RR mehr ihr fahrwerkliches Können als ihr motorisches Potenzial ausspielen kann. Auch wenn das unendlich erscheinende Beschleunigungsvermögen auf der (deutschen) Autobahn auszuloten ist, wird das reine "Fräsen" schnell fad. Denn erstens ist es bei uns sowieso verboten, und zweitens schreckt man andere Verkehrsteilnehmer.

Mit gewissem Komfort-Manko wegen der knochenharten Federung, dem Minimal-Rückspiegel und dem kaum gepolsterten Sitz lässt sich die BMW auch im Alltag einsetzen. Größere Fahrer klagen auf der Maschine bald über schmerzende Handgelenke und einen steifen Nacken. Zur optimalen Anpassung in den entsprechenden Fahrsituationen tragen auch die drei Fahrprogramme "Rain", "Sport" und "Race" bei, die Motor- und Bremsleistung deutlich spürbar reduzieren bzw. freigeben. Vor allem bei nasser Fahrbahn sorgt die Wahl des entsprechenden Modus für ein Sicherheitsplus.

BMW S 1000 RR(Bildquelle: mid/ww, jg)

Dass dies kein Sparmotorrad ist, beweist bereits der Preis: 17.650 Euro kostet die S 1000 RR bereits in der Basisversion, doch wer fährt eine(n) Basis-BMW? Die Diebstahlwarnung kostet 239,99 Euro; der Schaltassistent 422 Euro; das Sport-ABS 1.071 Euro; und ABS samt Traktionskontrolle wird mit den bereits erwähnten 1.428 Euro honoriert. Auch an der Zapfsäule muss man fleißig "brennen", dank eines Durchschnittsverbrauches von 7,0 Litern Super auf 100 Kilometer. Selbst routinierte und waghalsige FahrerInnen können das Potenzial des Motorrades auf regulären Straßen nicht annähernd ausreizen. Wer den nötigen Mut dazu hat, sollte dies auf abgesperrten Rennstrecken tun.

mid/ww, jg