Ducati hypermotard 1100 test 1(Bildquelle: mid/rkm)
Ducati hypermotard 1100 test 2(Bildquelle: mid/rkm)

Ducati

Ducati Hypermotard 1100 - Testbericht

Hyperdrive 2010

Für 2010 hat Ducati seine Hypermotard 1100 verfeinert: einerseits als Evo-Modell, andererseits als eigenständige Variante Evo SP. Der italienische Hersteller stellt mit der Hypermotard 1100 Evo SP ein völlig eigenständiges Modell mit individuellem Fahrverhalten auf die langen Beine. Zwei Jahre nach dem ersten Hypermotard-Serienstart legen die zwei Neuheiten an Leistung zu und legen Gewicht ab. Eine Gewichtsreduktion um stolze sieben Kilogramm und fünf PS über der bisherigen Leistung kommen beiden 1100ern zugute. So spart allein der überarbeitete 90-Grad-V-Motor durch kompaktere Dimensionen, einen Magnesium-Lichtmaschinendeckel und ein Vakuum-Gussverfahren stattliche 5,2 Kilogramm ein. Ein neuer Zylinderkopf mit geänderten Nockenwellen, Luftführungen und optimierten Motorinnereien sorgt für die Mehrleistung des luft-/ölgekühlten Motors, der mit desmodromisch gesteuerter Zweiventiltechnik und 1.078 ccm Hubraum 70 kW / 95 PS bei 7.500 U/min leistet.

Die Unterschiede

Bislang verfolgte Ducati bei allen Baureihen die gleiche Modellstrategie: Neben dem Standardmodell gab es eine S-Version, die sich durch hochwertigere Federelemente, eine edlere Ausstattung und eine spürbare Gewichtseinsparung auszeichnete. Von dieser Politik weicht Ducati bei den beiden neuen Modellen Hypermotard 1100 Evo und Hypermotard 1100 Evo SP ab. Aus gutem Grund, denn die SP ist viel mehr als nur eine aufgewertete Basisversion. Hier handelt es sich um ein absolut eigenständiges Modell, das sich auch ganz anders fährt als die bisherigen Modelle. Sofort fallen auch die Unterschiede auf: Die SP wirkt deutlich langbeiniger, die Silhouette ist luftiger als die bisherige Hypermotard-Versionen. Das liegt unter anderem an den anderen, deutlich längeren Federelementen, die mehr Federweg und daraus resultierend drei Zentimeter mehr Bodenfreiheit bieten. Weitere Unterschiede sind die schwarze USD-Gabel mit reibungsarmer DLC-Beschichtung, leichtgewichtige Schmiederäder von Marchesini sowie brachiale Brembo-Monobloc-Radialbremszangen. Optisch signalisiert die SP mit weißen Zierstreifen und einem "Ducati Corse"-Logo ihre Ausnahmestellung.

Lebendige Studie

Ducati hypermotard 1100 test 2(Bildquelle: mid/rkm)

Zudem entsprechen die beiden 1100er Modelle der atemberaubenden Ducati Konzeptstudie der EICMA 2005, die als Testlauf für die Publikumsreaktionen diente. Die beiden Bikes sind daher mit all den feinen Spielereien ausgestattet, von denen niemand glaubte, dass sie den Serienanlauf erleben würden: Mit witzigen Klappspiegeln, Handprotektoren mit integrierten LED-Blinkern, futuristischem Cockpit und der äußerst schmalen, filigranen Gesamterscheinung. Beim Aufsitzen auf die SP thront man in anmutigen 87,5 Zentimetern Höhe, der hohe Lenker sorgt für eine harmonische, wenngleich deutlich vorderradorientierte Haltung. Über die breite Lenkstange lassen sich Fahrbefehle sehr gut einleiten. Die SP folgt dem Fahrer willig in enge Kurven und hält die eingeschlagene Linie recht neutral bei. Von der bislang bekannten Kippeligkeit und Nervosität zeigt sich die SP jedenfalls deutlich kuriert. Als Quell der Freude entpuppt sich auch das modifizierte Triebwerk. Die erleichterte Schwungmasse aus dem Supersportler 848 lässt den V-Motor spontan auf Gasbefehle ansprechen und schnell bis in den Begrenzer hochdrehen, seine Stärke bleibt jedoch die druckvolle Mitte. Zwei Lambdasonden, je eine pro Zylinder, kümmern sich um die Abgasentgiftung und bescheren einen seidenweichen Motorlauf ohne die lästigen Lastwechsel im unteren Drehzahlbereich, die das Vergnügen bei den Vorgängermodellen noch einschränkten. Diese Auslegung mit viel Druck von unten heraus und in der Mitte fördert den Fahrspaß.

Wie hätten Sie’s gern?

In der 15.995 Euro teuren SP-Auslegung hat sich das Ducati Hypermotard-Konzept deutlich dem Supermoto-Einsatzzweck genähert, auch eine artgerechte Fahrweise mit ausgestelltem Bein und Hineindrücken in die Kurve ist nun dank der später aufsetzenden Bauteile möglich.

Weniger rennstreckentauglich ausgelegt, dafür mit mehr Alltagsqualitäten versehen steht die Basisversion Hypermotard 1100 Evo für 13.495 Euro da. Trotz der respektablen Sitzhöhe von 84,5 Zentimeter fühlt man sich recht bequem gebettet, doch längere Touren dürften kein Vergnügen sein - dafür ist der Polster zu schmal. In aufrechter Körperhaltung genießt der Pilot die Qualitäten des identischen Antriebs, die drehmomentorientierte Auslegung sorgt für ein souveränes Landstraßenfeeling mit viel Übersicht und Überholpotenzial. Bei Präzision und Leichtfüßigkeit erreicht sie indes nicht das Niveau der SP-Version, der niedrigere Schwerpunkt und die kompakteren Verhältnisse machen sie für reine Straßenfahrer dennoch zur besseren Wahl. Abseits der Rennstrecke macht die herkömmliche Bremsanlage mit ihrem entschärften Biss deutlich mehr Sinn, verlässlich und ordentlich dosierbar verringert sie zusammen mit den kürzeren Federwegen die Überbremsgefahr. Im kurvigen Asphaltgeschlängel bereitet diese Hypermotard einen unproblematischen Fahrspaß, vermutlich mehr als jedes andere Modell der italienischen Edelmarke. Auf abgesperrten Pisten finden versierte Supermoto-Drifter in der SP jedoch die bessere Partnerin. Vor dem Café ist die Wahl indes egal: Hier ziehen beide Italienerinnen mit ihrer scharfen Optik die Blicke der Passanten an.

mid/rkm

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