Harley-Davidson Electra Glide Classic und Softail Deluxe im Test

Mit der Electra Glide Classic und der Softail Deluxe kehren zwei Klassiker ins Programm der US-Kultmarke zurück.

Auf die Electra Glide Classic und die Softail Deluxe mussten Freunde der US-amerikanischen Kultbikes einige Jahre verzichten. Die Abwesenheit hat den beiden "Amis" jedoch gut getan: So verfügt die ab 27.995 Euro erhältliche E-Glide Classic jetzt serienmäßig über einen 1.690 ccm großen Motor, während die Softail generell mit ABS antritt und bei 23.495 Euro startet. Die Softail Deluxe setzt ganz auf den klassischen Auftritt. Nostalgisches Flair, Weißwandreifen auf Chromspeichenrädern oder Tankembleme wecken Erinnerungen an jene Zeiten, in denen der vordere Kotflügel sich seinen Namen zwischen den Pferdefuhrwerken noch verdienen musste.

Harley egc 2(Bildquelle: Werk)

Kombiniert ist das klassische Ensemble mit moderner Technik. Unter dem 67 Zentimeter tiefen Sitz - damit ist sie die niedrigste Softail im aktuellen Programm - wird die Deluxe vom bekannten Twin Cam 96B Motor angeschoben. Der 1.584 ccm große Zweitopf leistet 56 kW / 76 PS und wartet mit Ausgleichswellen sowie einem aktiven Ansaug- und Auspuffsystem auf. Ungeachtet des modernen Innenlebens ist der Sound des Einspritzers jedoch sehr respektabel geblieben. Und weil der Twin zudem starr im Rahmen verschraubt ist, spürt man im Sattel genügend vom kernigen Charakter des Aggregats, das seine Kraft via Sechsganggetriebe und Zahnriemen ans Hinterrad liefert. Um die Verzögerung kümmert sich inzwischen ein zeitgemäßes ABS, das durchaus eine Hilfe sein kann, wenn es gilt, die immerhin 330 Kilogramm schwere Harley an die Kandare zu nehmen.

Über eine serienmäßige "Stotterbremse" verfügt auch die Electra Glide Classic. Der Milwaukee-Reisedampfer war 2005 letztmals im europäischen Angebot, jetzt rollt das Fernweh-Bike mit größerem Motor in die neue Saison, was angesichts eines Leergewichts von 413 Kilogramm keine schlechte Idee ist. Der Twin schöpft 62 kW / 84 PS aus 1.690 ccm, während das maximale Drehmoment von 134 Nm bei recht lässigen 3.500 Touren anliegt. Ein Ölkühler hält das Triebwerk im gesunden Thermikbereich, während sich das Sechsganggetriebe mit dem langen letzten Gang und der Zahnriemen zum Hinterrad um den Antrieb kümmern.

Harley egc 3(Bildquelle: Werk)

Im Gegensatz zu anderen Modellen bemüht sich Harley-Davidson jedoch, die Kunden auf der E-Glide vor allzu heftigen Vibrationen zu schützen: die Schwingungsentkoppelung des Motors hält die Lebensäußerungen des Motors im Zaum. Dennoch gilt: Ambitionierte Rennfahrer auf zwei Rädern sollten sich eher bei anderen Herstellern umsehen. Wer jedoch seinen Trip unter das Motto "Reisen mit gelassener Kraft" stellen möchte, der sitzt auf der Harley richtig. Das "Cruise Control" genannte elektronische Geschwindigkeitsregelsystem ist ebenso mit an Bord wie ein ordentliches Audio-System mit zweimal 20 Watt Ausgangsleistung. Apropos sitzen: Hinter der gabelfesten Verkleidung thront es sich auf beiden Plätzen recht entspannt, während Seitenkoffer und Topcase ausreichend Stauraum bieten. Die Lackierung sorgt für jene opulente Optik, welche die Fans des "American Way of Drive" von einer "echten" Harley erwarten. Auf der wieder ins Modellprogramm gehievten Electra Glide Classic jedenfalls werden die Freunde gelassener Gangarten nicht enttäuscht.

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