Harley vrscf v rod muscle 1(Bildquelle: mid/wa)
Harley vrscf v rod muscle 2(Bildquelle: mid/wa)
Harley vrscf v rod muscle 3(Bildquelle: mid/wa)

Harley-Davidson

Harley-Davidson V-Rod Muscle im Test

Kocht mit Wasser, liefert viel Dampf, aber keine heiße Luft

Motorräder von Harley-Davidson mit Wasserkühlung waren lange Zeit undenkbar, sind aber inzwischen etabliert. Anfangs noch skeptisch beäugt, sind die VRSC-Modelle zur wichtigen Stütze der amerikanischen Traditionsmarke geworden.

Jetzt bereichert die kraftvoll geschnittene VRSCF V-Rod Muscle die Palette. Mit weit geöffneten Lufteinlässen, großvolumigem Doppelrohrauspuff und einem 240 Millimeter breiten Hinterrad zum Preis von 21.895 Euro. Der Hersteller hat dem Bike eine martialische Linie angedeihen lassen. Die breit-kantige Airbox-Abdeckung und das gechoppte Heck verleihen der V-Rod Muscle eine ebenso klare wie wuchtige Ausstrahlung. Besonders von hinten betrachtet besticht die VRSCF mit ihrem breiten Kotschützer, unter dem ein nicht minder breiter Reifen rotiert. Die Front wird von der Upside-Down-Gabel sowie von den in die Ausleger der Rückspiegel integrierten LED-Blinkern dominiert.

Klar und unmissverständlich begegnet einem die Muscle auch bei der Sitzprobe : Die Stiefel ruhen auf weit nach vorn gerückten Rasten, während sowohl der Sattel als auch der Lenker angenehmen Halt vermitteln. Das ist auch nötig, wird nämlich der wassergekühlte V2-Motor zum Leben erweckt.

Harley vrscf v rod muscle 2(Bildquelle: mid/wa)

Das auch optisch sehr gelungene Triebwerk schöpft seine 89 kW / 121 PS (bei 8.250 U/min.) aus 1.247 Kubikmeter Hubraum, wobei ein maximales Drehmoment von 115 Newtonmetern (bei 6.500 Touren) bereit steht. Das stellt die Drehfreude des Vierventilers unter Beweis und vermittelt eine Vorahnung vom fulminanten Beschleunigungsvermögen der Muscle. Sobald die Nadel des Drehzahlmessers die 2.000er-Marke passiert hat, drückt die Gravitation den Menschen hinter dem Lenker nachhaltig in den Sattel.

Ganz gleich, ob beim Anfahren oder beim Zwischenspurt auf der Autobahn, der Motor ist Herz und Seele der Muscle. Um die Kraftübertragung zum breiten Hinterrad kümmern sich ein sauber zu schaltendes Fünfganggetriebe sowie der wartungsfreundliche Zahnriemenantrieb. Die Höchstgeschwindigkeit der Muscle liegt - wo erlaubt - bei beachtlichen 230 km/h , der Verbrauch bei nicht ganz unerheblichen 6,9 Litern Super auf 100 Kilometern . Dies macht in Verbindung mit dem 18,9 Liter fassenden Tank, der sich unter dem Fahrersitz verbirgt, Etappen von rund 270 Kilometern möglich. Die Motorleistung will also spätestens an der Zapfsäule bezahlt sein. Der regelmäßige Besuch beim Tankwart bietet jedoch den unbestreitbaren Vorteil, das Prunkstück immer wieder in Szene setzen zu können. Indes sollte man sich des Umgangs mit der leer bereits 307 Kilogramm wiegenden Harley entsprechend sicher sein.

Harley vrscf v rod muscle 3(Bildquelle: mid/wa)

Angesichts eines Radstands von 1,70 Metern, der flach gestellten Gabel und des breiten Hinterreifens will Rangieren auf engem Raum gut geübt sein . Auch auf der Landstraße machen sich die Dragster-Gene der US-Amerikanerin bemerkbar, die lieber vehement auf der Geraden entlang stürmt, als filigran um Kurven zu biegen. Auch gilt es, bei höheren Tempi sicheren Halt zu suchen, kann doch auf einer fiesen Bodenwelle durchaus auch der Stiefel aus der Raste geschlagen werden. Den sehr satten Gesamteindruck der Harley trübt dies kaum. Trotz kleiner Schwächen wie dem fehlenden Gepäckhaken, dem nicht abschließbaren Tankdeckel oder dem marginalen Windschutz besticht die Muscle mit ihrem ehrlichen Charakter und dem kräftigen Zweizylinder.

mid/wa

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