Kawasaki VN 1700 Voyager - Testbericht

Als Motorrad für Genießer, als waschechter Fulldresser verspricht Kawasakis VN 1700 Voyager das große Reisevergnügen.

Üppig ausgestattet verwöhnt das bislang größte VN 1700 Modell mit zweirädrigem Reiseluxus. Zudem wurde jüngst das serienmäßige ABS der Kawasaki verbessert. Zugegeben - knapp 23.500 Euro sind kein Schnäppchen. Andererseits wird dem Kunden auch eine Menge Motorrad geboten für sein Geld, macht doch alleine die großzügig geschnittene Verkleidung Eindruck. Zudem bietet sie einen mehr als ordentlichen Wind- und Wetterschutz. Auch an nassen Tagen kann die Regenkombi meist im Gepäck bleiben - irgendwo im 50 Liter großen Topcase oder in einem der je 38 Liter fassenden Seitenkoffer findet sich immer Raum. In eines der beiden abschließbaren Handschuhfächer wird die Kombi hingegen nicht passen: Die sind für die Brieftasche, das Telefon oder die Digitalkamera reserviert. Und zu fotografieren gibt es sicherlich genügend, lädt doch das bequeme Gestühl geradezu zu langen Strecken ein. Dass dabei per Audiosystem für Unterhaltung gesorgt wird oder ein Tempomat stressfreies Reisen ermöglicht, versteht sich beinahe von selbst. Allerdings sollte man bei Ausflügen auf kleinere, verwinkelte Seitenstraßen Übung im Umgang mit der leer schon über 400 Kilo wiegenden Kawasaki haben, die sich zum Glück via kräftiger Bremsen und ABS gut im Zaum halten lässt.

Das Antiblockiersystem kommt inzwischen in seiner zweiten Generation mit einem weiterentwickelten elektronischen Steuergerät zum Einsatz: Die höhere Rechenleistung ermöglicht ein ausbalancierteres Bremsen. Denn beim Betätigen der Vorder- und/oder Hinterradbremse wirkt die Bremsflüssigkeit wie in einem normalen Bremssystem auf die Bremssattelkolben. Drucksensoren - einer kümmert sich um die vordere, einer um die hintere Bremse - registrieren zusätzlich die dabei eingesetzte Bremsenergie, während das Steuergerät hieraus die optimale Kraft für die maximale Bremswirkung errechnet und die ABS-Pumpe je nach Bedarf den Druck auf die Vorder- und/oder Hinterradbremse erhöht. Viel Aufwand zwar, der jedoch spätestens dann lohnt, wenn sich das Eigengewicht der VN in einer brenzligen Situation unangenehm bemerkbar macht. Die Kawa bekommt 2011 übrigens eine Schwester im "Bagger-Style". Hinter dem Begriff verbergen sich niedrig bauende Bikes mit fließenden Linien von der Front bis zum Heck und jeder Menge schwarz eingefärbten Teilen. So wird dann auch die eigenständig gezeichnete VN 1700 Voyager Custom mit einer schwungvollen Optik in die Saison 2011 rollen, während der VN 1700-Motor einen weiteren Arbeitsplatz bekommt.

Der flüssigkeitsgekühlte Vierventil-V2 leistet 54 kW / 73 PS bei 5 000 U/min sowie ein maximales Drehmoment von 136 Nm, das bereits bei 2 750 Touren anliegt. Trotzdem legt man den sechsten, sinnigerweise als "Overdrive" titulierten Gang meist erst jenseits des Ortschilds ein. Das geschieht stilecht per Schaltwippe, bevor am Tempomat mittels zweier Knöpfchen die Reisegeschwindigkeit eingestellt wird. Diese dürfte indes trotz des Windschilds kaum über 150 km/h liegen. Zum einen steht Hektik der VN ohnehin nicht gut zu Gesicht, und zum anderen klettert dann der Verbrauch schon mal über sieben Liter, während er im Schnitt bei 6,3 Litern auf 100 Kilometern liegt. Angesichts des mit 20 Litern nicht zu groß ausfallenden Tanks sind somit Reichweiten von rund 300 Kilometern möglich. Einmal unterwegs, erzieht einen der japanische Reisedampfer schon nach wenigen Metern zu einer gelasseneren Gangart. Ohnedies ist die Voyager - nicht nur wegen des Anschaffungspreises - ein Motorrad für das eher gesetztere Klientel, das das Dirigieren einer rund halben Tonne Lebendgewicht nicht als Prüfung ansieht, sondern als ein besonders entspannendes Fahrvergnügen. Massiver Rock wird denn aus der potenten Stereoanlage eher ertönen als Techno oder HipHop - während die Kilometer unter dem ersten japanischen Full-Dresser mit V2 hindurchgleiten. Ein echtes Motorrad fürs Gemüt also.

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