Kawasaki Versys im Test

Kawasaki hat seiner Versys eine Überarbeitung angedeihen lassen, die dem japanischen Funbike neuen Look und mehr Komfort beschert.

Das Einordnen der Versys in eine Kategorie fällt schwer. Der Name ist eine Kombination aus "versatile" - vielseitig, wendig - und "system". Er mag ein Kunstwort sein, dem Entwicklungsziel wird das Motorrad von Kawasaki aber dennoch gerecht.

Seit ihrem Debüt in der Saison 2007 ist die Versys dem Ruf eines preiswerten Motorrades für alle Lebenslagen durchaus gerecht geworden. Das zum Modelljahr 2010 überarbeitete Motorrad mit dem kernigen Zweizylindermotor startet bei 8.799 Euro ohne ABS. Vor allem in der Frontansicht hebt sich die neue Versys von ihrer Vorgängerin ab: Mit dem auffälligen Scheinwerferdesign und den übereinander angeordneten Leuchten wirkt die Kawasaki schlanker im Auftritt, was durch die neu gestaltete Front- und Seitenverkleidung noch unterstrichen wird. Unter der modischen Schale arbeitet ein alter Bekannter - und mit dem hat man es gerne zu tun. Zwar leistet der quirlige Reihenzweizylinder - seine 47 kW / 64 PS liefert er unverändert bei 8.000 Touren ab - acht Pferdestärken weniger als in der verwandten Er-6n, dafür jedoch überzeugt der 649 ccm große Twin mit dem kernigeren Antritt. Das maximale Drehmoment von 61 Nm wird bei 6.800 U/min erreicht, doch packt die Versys schon weit früher kräftig zu.

Bereits im mittleren Bereich unterhalb 6.000 Umdrehungen liefert das kompakte Triebwerk erfreulichen Schub, und das bei einem sehr moderaten Verbrauch von 5,2 Litern selbst bei forcierter Gangart. Mit dem 19 Liter fassenden Tank sind Reichweiten von über 350 Kilometern möglich. Dank der nicht geringen Sitzhöhe von 84 cm und der entspannten Sitzposition geht das Fahrerlebnis in Richtung der Reiseenduros. Gleichwohl sollte man sie eher als "Funduro" bezeichnen, wirkt sie doch verspielter als manches Fernreisebike. Und sie ist wendiger, denn der recht hoch montierte Lenker, die ordentliche Upside-down-Gabel und das Leergewicht von flotten 209 Kilo bescheren der auf einem Gitterrohrrahmen aufbauenden Japanerin ein wirklich feines Handling, während veränderte Motoraufhängungen und Fußrasten die Vibrationen besser im Zaum halten.

Ambitioniert bewegt fährt die Versys auf engen Straßen manchem potenteren Motorrad um die Nase; die langen Federwege vertragen sich mit einer straffen Abstimmung. In Österreich wird die Versys auch mit ABS angeboten, was angesichts des verbesserten Soziuskomforts keine schlechte Idee darstellt, auch wenn es für die ganz große Reise sicherlich bessere Fahrzeuge gibt. Wer jedoch einfach nur ein wendiges und zudem erschwingliches Alltagsbike sein Eigen nennen möchte, der ist mit der "Vielseitigen" bestens beraten.

mid/wa

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