Kawasaki ZX-6R Ninja - Testbericht

Die kleine Ninja hat gegenüber der Vorgängerin gleich zehn Kilogramm Gewicht eingebüßt - das sorgt für spürbar besseres Handling.

Seit 25 Jahren sorgt Kawasaki jetzt mit der Ninja-Baureihe für Rennstrecken-feeling, die grünen Supersportler haben nicht nur bei eingeschworenen Fans Kultstatus.

Gleichzeitig jedoch welkt - Stillstand ist Rückschritt - nichts so schnell wie der Lorbeer eines Sportmotorrades. Deshalb wurde die ZX-6R einer grundlegenden Überarbeitung unterzogen, was sich beispielsweise in einer dezent modifizierten Verkleidung niederschlägt, die die Ninja nun aggressiver wirken lässt. Echte Athletinnen wie die ZX-6R von Kawasaki schauen auf ihr Gewicht - doch bei dem jüngst weiterentwickelten supersportlichen Motorrad der Japaner wurde abgespeckt wie nie zuvor. Magersucht? Motor und Fahrwerk wurden gründlich überarbeitet und auf Möglichkeiten zur Gewichtsreduzierung abgesucht, was sich unter dem Strich auf besagte zehn Kilo summiert - ein in Sportlerkreisen fast schon unverschämter Wert. Exakt 191 Kilogramm sind es jetzt, mit denen der 94 kW / 128 PS starke Motor leichtes Spiel hat. Erreicht wird die maximale Leistung bei 14.000 U/min. Wird jedoch noch der Ram-Air-Effekt hinzugerechnet, bei dem der Staudruck des Fahrtwindes dem Reihenvierzylinder wie ein kleiner Turbolader auf die Sprünge hilft, wächst die Leistung auf rund 99 kW / 134 PS.

Beachtliche Werte, die aber wenig aussagen über die bärige Kraft von einem maximalen Drehmoment von 67 Nm bei 11.800 U/min, mit dem der Sechzehnventiler seiner Arbeit nachgeht. Die erledigt die Ninja souverän; so kann man auch durch 30er-Zonen im sechsten Gang rollen, ohne dass sich der Motor dabei verschlucken würde. Und selbst Landstraßentempo schüttelt die Kawasaki mit 6.000 Touren aus dem Ärmel - das sorgt für stressfreie Fahrt selbst unterhalb des "grünen Bereichs". Der wiederum beginnt auf dem Drehzahlmesser bei 8.000 und endet erst bei 16.500 Umdrehungen.

Genau hier erschließt sich das wahre Potential der ebenso kernigen wie gierigen Japanerin, was vorzugsweise auf einer abgesperrten Rennstrecke geschehen sollte. Dort muss natürlich mit einem erhöhten Verbrauch gerechnet werden, der sich im Alltagsbetrieb selbst mit gelegentlichen Spurteinlagen kaum über sechs Liter treiben lässt. Der 17 Liter fassende Stahltank reicht folglich für 280-Kilometer-Etappen. Am meisten beeindruckt bei der kleinen Ninja das deutlich verbesserte Handling. Dies wurde erreicht, indem unter anderem der kurze Auspuff wieder an seinen angestammten Platz an der Seite wanderte, was die Massen zentralisiert, während der nun steiler stehende Motor quasi um die Ausgangswelle gedreht und vorn angehoben wurde.

Damit liegt der Schwerpunkt des Aggregats um 16 Millimeter und das Lenkkopfrohr um 10 Millimeter höher. Resultat: leichteres Einlenkverhalten und verbessertes Durcheilen von Kurven. Zudem wurde der Kawa ein serienmäßiger, einstellbarer Lenkungsdämpfer spendiert sowie - erstmals bei einem Serienmotorrad - eine BPF-Gabel. Hinter der Abkürzung verbirgt sich eine Vorderradgabel mit besonders großem Dämpferkolben, die zu Anfang des Einfedervorgangs bessere Kontrolle verspricht. Auch schlechter Asphalt verliert somit einen Gutteil seines Schreckens. Wirklich Spaß macht die ZX-6R aber auf gutem Untergrund und im Solobetrieb ohne Gepäck, das sich sowieso nur schwer verstauen lässt. So puristisch beladen kann sie ihre Talente perfekt ausspielen, sorgt ihr präzises Handling für Rennstreckenfeeling, während der potente Motor durch den grünen Bereich eilt. Wohlgemerkt nur, falls FahrerIn dies möchte.

mid/wa

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