Moto Guzzi Bellagio Aquila Nera - Testbericht

Das Allround-Modell der Marke aus Mandello präsentiert sich in dieser überarbeiteten, limitierten Version in mattes Nachtschwarz getaucht.

Schon die Namensgebung bezeugt Traditions-bewusstsein - die Bellagio ist nach einem mondänen Badeort am Zipfel der Halbinsel im Comer See benannt, in Sichtweite zum Guzzi Werk am gegenüberliegenden Seeufer.

Auch die Antriebsquelle ist quasi gelebte Geschichte: 1967 debütierte im Modell V7 der V-Motor, der mittlerweile so markentypisch für Moto Guzzi geworden ist, dass man sich für die Motorräder aus Mandello keine andere Antriebsquelle mehr vorstellen kann. Die traditionellen Konstruktionsmerkmale: Längs eingebauter, luft-/ölgekühlter V2-Motor im 90-Grad-Winkel mit zwei Ventilen, die über Stößel und Stoßstangen von einer unten liegenden Nockenwelle angetrieben werden. Das ist zwar etwas antiquierte Motorentechnik, gilt aber für einige Biker auch als echt und unverfälscht. Diese Art der Motorentradition findet sich nur mehr beim derzeit wieder einmal umfochtenen US-Hersteller Harley-Davidson - und eben bei Moto Guzzi.

Moto guzzi bellagio test 2(Bildquelle: mid/kosi)

Doch die Bellagio zeigt, dass Motorradfahren auch ohne High-Tech einen Riesenspaß machen kann: Mit Doppelzündung, Weber-Marelli-Einspritzanlage und dem stilprägenden Edelstahl-Dämpferdoppel auf der linken Seite bringt sie es auf respektable 55 kW / 75 PS und 78 Nm maximales Drehmoment. Nach dem Anlassen spürt man, dass dieser 936 ccm große V-Motor förmlich lebt: Er schüttelt sich, brabbelt in niedrigen Frequenzen aus den Auspufftöpfen und schickt wohltuende Massage-Vibrationen. Lastwechselreaktionen, an sich ein lästiges Phänomen des Kardanantriebes, sind fast nicht mehr vorhanden. Etwas Kraft in der Hand verlangt die Kupplung beim Einlegen des ersten der sechs Gänge, aber dann geht der Motor geschmeidig zur Sache. Flott und gleichmäßig marschiert die Bellagio vorwärts. Der Vortrieb fällt akzeptabel, aber nicht umwerfend aus. Unauffällig, aber durchaus wirksam arbeiten die nicht wie bei vielen anderen Guzzis als Integralbremse ausgeführten, sondern separaten Brembo-Stopper. ABS gibt es keines, mit diesem Wunsch nerven den Hersteller angeblich nur unsere Nachbarn aus Deutschland.

Moto guzzi bellagio test 3(Bildquelle: mid/kosi)

Die Bellagio ist ein Allroundbike im klassischen Sinn. Das fällt schon beim Platznehmen auf der 76 Zentimeter niedrigen Sitzbank auf. Trotz der martialisch gedrungenen Aufmachung mit dickem Tropfentank, gerader Bullbar-Lenkstange und finsterer Lackierung in "Nero Carbone" heißt es beim Aufsitzen: "Passt." Den Oberkörper hält man am besten leicht vorgebeugt und dennoch stets entspannt, dann finden die Füße auf den leicht vorgelagerten Rasten guten Halt. So untergebracht kann FahrerIn die Maschine auch auf kniffligen Abschnitten verschlungener Gasserln gut kontrollieren. Ungeachtet der 237 Kilo Gewicht geht die Guzzi flott ums Eck, lässt sich ohne Mühe abwinkeln und hält die vorgegebene Linie recht stabil ein. Schnelle Wechselkurven und enge Kehren stellen kein Problem, sondern ein Vergnügen dar. Die Bellagio vermittelt auf Anhieb unkomplizierte und aktive Fahrfreude.

Moto guzzi bellagio test 4(Bildquelle: mid/kosi)

Selbst auf einem "Fleckerlteppich" überzeugt das komfortable Fahrwerk. Für flotteres Fahren lässt sich die 45er Telegabel in Zug- wie Druckstufendämpfung variieren, das Federbein verfügt über eine hydraulische Federbasisverstellung per Handrad, die Zugstufendämpfung ist ebenfalls justierbar. Einziges Manko: Der unnötig breite 180er-Schlapfen sorgt gemeinsam mit dem ungewöhnlich großen 18-Zoll-Rad vorne dafür, dass die Guzzi in Schräglage sich immer etwas weiter umlegt als gewollt - doch das ist in der Praxis weniger dramatisch als es klingt. Zur unproblematischen Agilität gesellt sich eine gute Ausstattung mit übersichtlichem Kombiinstrument und einstellbaren Hebeleien sowie einem akzeptablen Preis von 12.999 Euro. Die Bellagio ist also nicht nur etwas für eingefleischte Guzzi-Fans.

mid/kosi

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