Roller-Testbericht: Yamaha Xenter

Ein Japaner, der ein Italiener ist, kokettiert mit weiblicher Kundschaft. Auch Herren machen auf dem City-Scooter gute Figur, egal ob er ein 125er oder ein 150er ist.

Die erste große Motorradmesse dieses Jahres - die Intermot in Köln - hat es gezeigt: Der Roller-Trend hält an. Das Hubraum-Spektrum reicht mittlerweile von 50 bis 850 ccm. Die Grenzen zwischen Motorrad und Scooter (zer)fließen.

Besonders gefragt sind aber kleine, leichte Eisen, die dem unerfahrenen Einspur-Fahrer keine Betriebs-Rätsel aufgeben, im Sinne des City-Commutings. Die Kosten für die individuelle Mobilität werden nicht weniger. Im Gegenteil. Das betrifft nicht nur steigende Treibstoffpreise. Wien zum Beispiel beweist das gerade mit der Ausweitung des Parkpickerls. Stadt-Verkehrskonzepte der (nahen) Zukunft werden um das Thema Einspurige nicht herumkommen. Der Roller mutiert ohnehin jetzt schon zum Zweit-Auto.

Übersteigt ein einspuriges Eisen einen Hubraum von 125 ccm und eine Leistung von 15 PS nicht, darf er mit B111-Eintrag im Führerschein auch von Inhabern der Führerscheinklasse B gefahren werden. Bedingungen sind fünf Jahre B-Schein und ein sechsstündiger Fahrkurs. Mit Inkrafttreten der neuen EU-A-Führerscheinrichtline (2013) können auch 16jährige ins Achtelliter-Dasein einsteigen, allerdings nach entsprechender Ausbildung und Prüfung für den Einstiegs-A-Schein. So bleibt es auch nach dem Inkrafttreten der neuen Führerschein-Regelung ab 2013. Neu ist allerdings, dass ab da bereits 16jährige Zugang zu 125ern haben - nach Absolvieren einer kompletten Fahrausbildung, genauso wie beim "großen" A-Schein.
Diesen Entwicklungen tragen die Zweirad-Hersteller - und nicht nur die italienischen Klassiker, längst auch - fast - alle japanischen Marken - Rechnung. Mit einer steigenden Vielfalt an Modellen.

Dieser fügte Yamaha heuer eine weitere Variante hinzu, und die heißt Xenter. Das ist eine Wortschöpfung, die mehrere Aspekte zusammenfassen soll: Das X steht für Scooter, das enter für Einstieg oder auch Einsteiger, und alles zusammen soll hohe City-Tauglichkeit in sich vereinen. Das wollen zwar alle, der Xenter aber in einem besonders hohen Maß. Vermutlich auch deshalb stammt der kleine Japaner eigentlich aus Italien. Denn dort, und zwar im Yamaha R & D-Center Mailand - nicht umsonst gilt die lombardische Metropole als eine der Roller-Hauptstädte Europas -, wurde er entwickelt. Nebenbei ist er der erste Großrad-Roller, der mit dem Logo der gekreuzten Stimmgabeln auf den Markt fährt, sämtliche anderen Scooter des Hauses, von Aerox bis T-Max, rollen auf kleiner dimensionierten Rädern.

Klein beräderte Fahrzeuge sind zwar wendiger als solche mit großen Rädern, dafür weniger spurstabil. Deshalb rollt der Xenter auf 16-Zöllern, vorne wie hinten. In punkto Fahr-Stabilität hat er zudem eine bei Rollern gemeinhin unübliche Hinterrad-Aufhängung: statt Stereofederbeinen ein Zentralfederbein, das nahe am Schwerpunkt montiert ist. Ein weiterer, praktischer Effekt: Der Xenter ist besonders schmal - und damit hoch durchschlüpftauglich. Dabei spart er mit Gewicht, es beträgt - fahrfertig - 142 Kilogramm. Es gibt ihn in zwei Hubraum- und Leistungs-Varianten: mit - siehe oben - B111-zulässigen 125 ccm und 12,5 PS sowie mit A-Schein-pflichtigen 150 ccm und 16 PS.

Der Leichtigkeit des Rollerfahr-Daseins entgegen kommt auch die niedrige Sitzhöhe von 785 Millimetern - sowie ein völlig freier Durchstieg. Das erleichtert das Aufsteigen und macht es möglich, größere Lasten im Fußraum zu transportieren (ein Gepäckhaken zum Fixieren fehlt nicht): Laut Angaben der Chef-Entwicklerin, Giovanna Camisa, geht das bis zu einem Sixpack. Mineralwasser.
Stichwort Transport: Der große Durchstieg und die Hinterradaufhängung engen den Stauraum unter der Sitzbank auf die Kleinheit einer Jausendose ein. Ein praktisches, aber für echte Einkäufe weniger nützliches Staufach unterhalb des LCD-Kombi-Instruments im Cockpit macht dieses konstruktionsbedingte Manko auch nicht wett. Dafür offeriert Yamaha Austria als Originalzubehör ein maßgeschneidertes 39-Liter-Top Case, zu montieren auf dem serienmäßigen integrierten Gepäckträger.

Weitere Highlights des Xenter sind ein komplett neuer, auf Vibrationsarmut getrimmter Motor und ein Kombi-Bremssystem. Der 125er ist ein höchst munterer Begleiter, auch auf scharfen Steigungen, der 150 geht ab wie die sprichwörtliche Post. Die Anker sind für Neueinsteiger keinesfalls zu scharf, sie sind gut konsumier- und dosierbar.
Der 125er-Xenter kostet 3.299 Euro. Der 150er kommt auf 3.399 Euro. Bei beiden Versionen ist das Topcase serienmäßig inklusive. Die Farben: weiß, schwarz und helllblau. In Anbetracht des nahenden Winters offeriert Yamaha im Zubehörkatalog allerlei Extra-Zubehör, wie höheres Windschild, Knieschutz und auch eine Griff-Heizung kann man montieren. Winterreifen gibt’s auch.

www.yamaha-motor.at

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