Yamaha YZF-R6 : Testbericht

Klein, stark und ungemein flink: Die Yamaha YZF-R6 bietet genau die richtige Mixtur, um größere Boliden auf der Landstraße zu ärgern.

Das modifizierte 2010er-Modell kommt in den Genuss eines neu programmierten Motor-managements. Zu den Modifikationen gehört auch ein neuer Schalldämpfer. Alles zusammen soll für eine bessere Kraftentfaltung über den gesamten Drehzahlbereich sorgen. Die Preisliste startet bei 13.999 Euro.

Es gibt kaum ein radikaleres Sportgerät von der Stange als eine R6. Ihr Lenkeinschlag ist gewohnt knapp, die Sitzhöhe mit 850 Millimetern nicht prädestiniert für einen Ausflug. Spätestens nach dem ersten Tankstop zweifelt auch die verliebteste Sozia an den Tourer-Qualitäten des Supersportlers. Für Sightseeing-Ausfahrten gibt es de facto bessere Motorräder.

Wer allerdings auch nur ein einzelnes Rennsport-Gen in sich hat, wird die Vorzüge eines der faszinierendsten Sportbikes schätzen lernen. Der 91 kW / 124 PS starke und 65,7 Nm kräftige Reihenvierzylinder hängt unglaublich spontan am Gas und brennt auf Wunsch ein beeindruckendes Feuerwerk ab, dass sich nicht nur sehen, sondern auch hören lassen kann.

Yamaha yzf r6 2(Bildquelle: mid/uho)

Im Vergleich zum Vorgänger fordert das aktuelle Modell aber das Verständnis der Nachbarschaft zum Glück nicht mehr allzu sehr heraus. Überhaupt gestaltet sich der Umgang mit dem fahrfertig 189 Kilogramm leichten Extremsportler nach der Überarbeitung spürbar einfacher als früher. Obwohl die R6 nur in einigen Details verändert wurde, ist der kräftigere Schub im unteren und mittleren Drehzahlbereich sofort spürbar. Es genügt für zügige Überholvorgänge durchaus, nur einen Gang - statt wie früher zwei - im fein zu bedienenden Sechsganggetriebe herunterzuschalten. Dennoch lässt die Nenndrehzahl von 14.500 U/min keinen Zweifel daran, dass die R6 für kompromisslose Sportfahrer gedacht ist. Unter diesem Gesichtspunkt macht die serienmäßige Anti-Hopping-Kupplung Sinn, die auch derbes Herunterschalten vor dem Kurveneingang willig verzeiht. Hat sich der Pilot erst einmal mit der fahraktiven, frontlastigen Sitzposition arrangiert, beginnt man die Yamaha mehr und mehr zu genießen. Wie ein frisch geschliffenes Messer schneidet sie durch Kurven jeder Art, lässt sich durch nichts und niemanden beirren und gibt dem Fahrer erstklassige Infos darüber, was unter ihm los ist.

Yamaha yzf r6 3(Bildquelle: mid/uho)

Die in jede Richtung verstellbaren Federelemente lassen sich auf unterschiedlichste Fahrertypen individuell einstellen. Ebenso perfekt geben sich die beiden Vierkolben-Radial-Stopper im Vorderrad: Druckpunkt und Dosierbarkeit sind vorbildlich. Auf ein ABS verzichtet der Hersteller ganz bewusst. Zu den Zuckerln zählen zweifellos der stabile Delta Box-Brückenrahmen aus Aluminium und die aufwändig geformte Hinterradschwinge aus Magnesium. Wohin der Blick auch schweift, findet der Betrachter feinste Materialien in hochwertiger Machart. Das Thema Kraftstoffverbrauch hängt stark vom Verhalten des Fahrers ab. Im Mittel konsumiert die R6 6,5 Liter Superkraftstoff je 100 Kilometer - angesichts der gebotenen Fahrleistungen nicht zu viel. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 265 km/h bewegt sie sich in Big Bike-Sphären. Besonders erfreulich ist, dass die Vorteile des 2010er-Modell Land- als auch Rennstreckenfahrern zugute kommen.

In keiner der bisherigen Generationen war die Yamaha YZF-R6 je einfacher und bekömmlicher zu genießen. Der ehemalige Giftzwerg ist umgänglicher geworden. Glücklicherweise hat das Bike aber nichts von seinem sympathischen Charme verloren. Dass es schon immer etwas teurer war, einen besonderen Geschmack zu haben, ist nicht dramatisch; denn so oder so ist die R6 jeden Euro wert. Es kommt nur auf den Standpunkt an!

mid/uho

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