Elektro-Motorrad, made in Austria, bei der Tourist Trophy 2012

Beim 105-Jahr-Jubiläum der Tourist Trophy auf der Isle of Man steht ein österreichisches E-Motorrad am Start der TT-Zero. Es ist eine Eigenentwicklung des TGM Wien.

Am 6. Juni dieses Jahres soll es soweit sein: Ein seit Jahren von Professoren, Schülern und Experten der TGM (Technisches Gewerbemuseum) genannten Höheren Technischen Lehranstalt in Wien-Brigittenau entwickeltes Elektromotorrad ist startklar - für seine Premiere auf der Isle of Man.
Im Rahmen der Tourist Trophy wird seit 2009 die Klasse TT-Zero gefahren. Das im Rahmen des ältesten und härtesten Straßenmotorrad-Rennens der Welt, das für alle Motorräder eine Herausforderung ist, besonders aber für Elektromotorräder

Jenes österreichische Motorrad, das zu seinem Renn-Debut auf der kleinen Insel in der Irischen See antreten soll, wurde vom TGM komplett in Eigenregie entwickelt. Es erzielt eine Spitzengeschwindigkeit von 235 km/h und wiegt mit 220 kg rund ein Drittel mehr als Benzin-Motorräder. Peter Herzog, Projektleiter und Chef des TGM Racing-Teams: "Die Herausforderung beim TT-Rennen besteht darin, die Strecke möglichst schnell zu schaffen, ohne dabei wegen Motorschadens oder Energiemangels auszufallen." Außerdem: Dem ersten, der die Tempo-Durchschnitts-Schallmauer von 100 Meilen pro Stunde - 160,9 km/h – durchbricht, dem winkt ein Sonderpreis von 10.000 Pfund. Als Fahrer konnte der Sieger des E-Rennens von 2009, Rob "Bullet" Barber, gewonnen werden.
Die TT-Zero wird über eine Runde gefahren, auf der gleichen Strecke wie für die konventionell angetriebenen Motorräder, auf dem Mountain Course (37 ¾ Meilen, rund 60 Kilometer), mit Start- und Zielpunkt beim Grand Stand in der Hauptstadt Douglas. Hier spielt sich laut Herzog "heute das ab, was vor hundert Jahren rund um Benzin-Motorräder ablief: Pioniertaten, Forschung, Erfindergeist."

Denn das Elektromotorrad stellt technisches Neuland dar: Der Akku-Antrieb erfordert eine komplett andere Bauweise. Lehrer, Schüler und Experten der Versuchsanstalt arbeiteten gemeinsam an der Konstruktion. "Bis auf die Räder sind sämtliche Teile selbst entwickelt und in Handarbeit erzeugt", verdeutlicht Peter Herzog: "Manche versuchen, ein konventionelles Motorrad auf E-Antrieb umzubauen, aber das ist zum Scheitern verurteilt, denn das Elektro-Aggregat verlangt eine eigene Bauweise vom Chassis weg." Das TGM-E-Motorrad besteht aus Hightech-Komponeten und Sonderanfertigungen. Beispiel: Die Kabel sind mit Kevlar ummantelt. Geeignete Akkus wurden anfangs in Großbritannien und Japan gesucht. Vergeblich. Sie wurden aber schließlich in der Heimat gefunden, quasi um die Ecke, beim Wiener Unternehmen Kjion. Die Getriebeteile stammen ebenfalls aus Österreich, von der burgenländischen Firma Zörkler, einem Spezialunternehmen für Stahlbearbeitung.
Ein Restrisiko bleibt bis knapp vor dem Rennen offen: Wie bei allen Nominierten muss die TT-Rennleitung noch bestätigen, dass das Austro-E-Motorrad sämtliche Vorgaben erfüllt.

Gemeldet sind für heuer mehr Teams denn je: zwanzig Teilnehmer aus acht Ländern, von den USA über Großbritannien, Schweden und Deutschland bis zu Indien und Japan. Die Maschinen stammen teils von Herstellern wie Agni, teils von Technik-Universitäten. Die Tourist Trophy 2012 findet heuer von 26. Mai bis 8. Juni statt. Info: www.iomtt.com

Das TGM - Die Schule der Technik ist Österreichs älteste HTL und mit rund 2.400 Schülern und 310 Lehrern die größte in Wien. Die Versuchsanstalt des TGM übernimmt Forschungsprojekte und Prüfaufgaben im Auftrag der Wirtschaft und arbeitet an innovativen Entwicklungen mit. Die Ausbildungen umfassen Elektronik, Elektrotechnik, IT, Maschinenbau, Wirtschaftsingenieur und Kunststofftechnik sowie - seit 2010 - die neue Richtung Gesundheitstechnik. Absolventen sind im Verband der Technologen weltweit vernetzt. Info: www.tgm.ac.at


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