Facelift für das Diesel-Motorrad Neander

Nach nur vier verkauften Exemplaren eines Motorrades erfolgt selten ein Facelift: Der Turbodiesel-Cruiser wurde optisch aufgefrischt.

Der Grund für die Frischzellenkur am Cruiser ist nicht die geringe Verkaufszahl, denn bei einem solchen Motorrad gelten vier veräußerte Einheiten in weniger als drei Jahren als durchaus lohnend. Schließlich müssen für das Bike mit Turbodiesel-Antrieb mindestens 95.000 Euro hingelegt werden, dazu kommen die heimischen Abgaben. Die Neander ist weltweit das erste Turbodiesel-Motorrad in (wenn auch bescheidener) Serienproduktion. Angetrieben wird es von einem 1.340 ccm großen Reihen-Zweizylinder mit Doppelkurbelwelle, zwei obenliegenden Nockenwellen und vier Ventilen pro Zylinder - inklusive Rußpartikelfilter. Beatmet wird der Selbstzünder durch einen Garret Abgasturbolader mit Ladeluftkühlung.

Das Resultat des hohen technischen Aufwandes sind 82 kW / 112 PS, die bereits bei 4.200 U/min zur Verfügung stehen. Noch beeindruckender ist das Diesel-typische, aber Motorrad-untypische Drehmoment: Üppige 214 Nm bei nur 2.600 Touren. Bei der Neander sind die Einlass- und Auslassventile nicht paarweise, sondern gegenüberliegend angeordnet. Dazu gibt es einen Kurbeltrieb, der die Verbrennungskraft nicht auf ein, sondern auf jeweils zwei Pleuel pro Kolben verteilt. Zwei verzahnte und damit gegenläufige Kurbelwellen werden dabei in Rotation versetzt. Und die vier Pleuel des Zweizylinders sind fliegend auf den Hubzapfen gelagert. Außerdem verfügt die Neander über eine Doppelgabel mit getrennt einstellbarer Druck- und Zugstufe und eine Brembo-Bremsanlage mit schwimmend gelagerten Bremsscheiben, die den rund 300 Kilogramm schweren Dampfer sicher zum Stehen bringen sollen.

Goodies sind die beheizte Sitzfläche, Räder aus gefrästem Alu, eine aus dem Vollen gefräste Alu-Fußrastenanlage sowie eine aus 32 Einzelteilen zusammengeschweißte Aluschwinge. Die Optik der wuchtigen Cruiser hat sich durch das Facelift im Vergleich zur Erstauflage von 2007 etwas verändert: Heute findet sich statt des recht voluminösen, etwas kantigen Heckbürzels ein sanft gerundetes Heck, das frei in der Luft zu schweben scheint. Die Blinker sind in den Sitzunterbau gewandert und optisch unauffällig in diese Heckpartie eingepasst. Verändert wurde auch der Verlauf der Auspuffanlage. Die einst etwas dünn aussehenden Rohre, die rechts und links zum Hinterrad geführt wurden, sind verschwunden. Ein schwarzes Endrohr hat auf der rechten Fahrzeugseite seinen optisch dominanten Auftritt.

Ebenfalls verschwunden sind die einst im Tank untergebrachten Instrumente. Die Serviceleuchten und für den Straßenbetrieb erforderlichen Anzeigen haben jetzt in den Spiegeln Platz gefunden. Das erlaubt den Wegfall des kompletten Instrumentenpanels und schafft Platz für das Wesentliche - und das ist bei der Neander unverändert ihr Motor.

Technische Daten Neander:
Cruiser-Motorrad mit 1,94 Meter Radstand und luft-/ölgekühltem Reihenzweizylinder-Turbodieselmotor mit Common Rail Direkteinspritzung und Abgasturbolader mit Ladeluftkühlung, vier Ventile pro Zylinder, 1.340 ccm Hubraum, 82 kW/112 PS Leistung bei 4.200 U/min, max. Drehmoment von 214 Nm bei 2.600 U/min, 0-100 km/h in 4,5 Sek., Höchstgeschwindigkeit ca. 220 km/h, Verbrauch ca. 4,5 Liter Diesel auf 100 km, Sechs-Gang-Kassettengetriebe, Sitzhöhe 65 cm, Gewicht 295 kg, Tankvolumen: 14 Liter (Reichweite ca. 300 km); Preis: 95.000 Euro zzgl. öst. Abgaben.

mid/gp

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