Faehrentest(Bildquelle: ÖAMTC)

Autofähren im Test - Der ÖAMTC Fährentest 2004

34 Fähren in ganz Europa auf dem Prüfstand

Brände in Fähren kommen äußerst selten vor, können jedoch sehr leicht zur Katastrophe werden. Einen Brand, ausgelöst durch einen Gaskocher in einem Lkw, hat es heuer schon auf der griechischen Fähre "Blue Horizon" bei der Fahrt von Italien nach Griechenland gegeben. Nachdem diese Fähre aber ein Schiff mit moderner Sicherheitsausstattung ist, konnte der Brand rasch entdeckt und gelöscht werden.

Beim ÖAMTC-Fährentest 2004 haben die Tester einige Schiffe entdeckt, auf denen so ein Brand in ein Inferno geführt hätte. Häufigste Mängel waren fehlende Brandmelder, defekte Sprinkleranlagen und löchrige Feuerwehrschläuche. Hinzu kamen noch zu wenige Schwimmwesten, fehlende Rettungsinseln und verstellte Fluchtwege. "Glücklicherweise sind 'Seelenverkäufer' mit diesen Sicherheitsmankos allerdings eher die Ausnahme als die Regel", so das Resümee von Willy Matzke, Testleiter des ÖAMTC-Fährentests.

Bei diesem ÖAMTC-Mobilitätstest wurden 34 Fähren geprüft, die in der Nord- und Ostsee, im Ärmelkanal, in der Irischen See sowie im westlichen und östlichen Mittelmeer fahren. Das erfreuliche Ergebnis : Die Tester vergaben 9 Mal ein "sehr gut", 17 Mal ein "gut", 6 Mal ein "ausreichend" und 2 Mal ein "mangelhaft". Die schlechteste Note "sehr mangelhaft" musste überhaupt nicht vergeben werden. "Diese positive Bilanz des Fährentests 2004 ist auch ein Verdienst der konsequenten Arbeit des ÖAMTC mit dem ADAC und ihren Schwesterclubs in der Eurotest-Organisation. Die Veröffentlichung der Fährentests in den vergangenen Jahren haben Missstände aufgedeckt, verantwortungslose Reedereien an den Pranger gestellt und Verbraucher sensibilisiert", sagt Matzke.

Tester vor Ort waren international anerkannte, unabhängige nautische Sachverständige. Die Experten gingen zunächst als Touristen an Bord der Schiffe und prüften anhand einer Checkliste den Zustand des Schiffes sowie alle für Passagiere zugänglichen Sicherheitseinrichtungen. Nach diesem ersten Inkognito-Test gab sich das Team beim Kapitän der Fähre zu erkennen, ließ sich die Schiffspapiere zeigen, verifizierte Prüfergebnisse, testete Punkte, die inkognito nur schwer zu prüfen waren, klärte offene Fragen und diskutierte Mängel.

Sieger des ÖAMTC-Fährentest ist die italienische Fähre Excelsior, die von Palermo nach Genua unterwegs ist. Auf Platz zwei landete die Sorolla, die zwischen Barcelona und Mallorca (Spanien) unterwegs ist. Nur knapp dahinter auf Platz drei folgt die Superfast VI, die zwischen Patras (Griechenland) und Ancona (Italien) verkehrt. Testverlierer Flaminia kreuzt auf der Strecke von Olbia auf Sardinien nach Civitavecchia bei Rom (Italien). Auf diesem Großschiff für 2.000 Passagiere gibt es zwar ein modernes Navigationssystem, auf die Sicherheit der Reisenden wird allerdings nicht viel Wert gelegt. "Eine Evakuierung im Notfall über Rutschen und Rettungsinseln ist nicht möglich. Rettungsringe fehlten oder ihre Beleuchtung war defekt", kritisiert Matzke. Als die Tester auf der Flaminia die Schiffsoffiziere auf die Mängel hinwiesen, wurden sie sofort vom Schiff verbannt.

Vorletzte im Test wurde die Rodanthi für 1.525 Passagiere, die zwischen Piräus und der Insel Paros (Griechenland) fährt. Vor der Benutzung dieser Fähre warnte sogar die Hafenpolizei in Piräus. Schon öfter waren Schiffe der betreibenden Reederei GA Ferries wegen grober Sicherheitsmängel am Auslaufen gehindert worden. Das Resümee des ÖAMTC-Testleiters Matzke für die Fahrt nach Griechenland mit der Fähre: "Die Groß-Schiffe im Fernverkehr sind allesamt in einem Top-Zustand. Größte Vorsicht ist aber beim Lokalverkehr zwischen den griechischen Inseln angebracht."

Ein ganz anderes Bild herrscht in Nordeuropa : Alle 13 getesteten Fähren schneiden mit "sehr gut" und "gut" ab. "Die Reedereien, die mit ihren Schiffen auf der Ostsee, Nordsee, Irischen See oder dem Ärmelkanal unterwegs sind, haben sehr hohe Sicherheitsstandards und setzten diese auch erfolgreich an Bord um", sagt Matzke.

Die detaillierten Ergebnisse des großen ÖAMTC-Fährentest 2004 und alle bisherigen Fährentests können Sie hier auf der ÖAMTC-Webseite nachlesen ...

Tipps für die Sicherheit als Passagier und zum richtigen Verhalten im Notfall finden Sie auf der folgenden Seite ...

Strengere Sicherheitsvorschriften ab 1. Juli 2004

Ab 1. Juli 2004 gelten für Fähren auf internationalen Strecken strenge Sicherheitsvorschriften. Es tritt der ISPS (International Ship and Port Facility) Code in Kraft. Er soll für mehr Schutz vor der wachsenden Terrorgefahr sorgen. Passagiere von Fähren müssen schon im Hafengelände mit weiträumigen Absperrungen und Überwachungskameras, auf den Schiffen mit Gepäck- und Fahrzeugkontrollen sowie mit Überprüfung per Metalldetektor rechnen. Das bedeutet längere Wartezeiten beim Einchecken. Daher sollte man eine Stunde früher als notwendig im Hafen erscheinen.

Tipps für das Buchen von Fähren

Die einfachste Möglichkeit, sich über das passende Fährenangebot zu informieren, bietet der ÖAMTC auf seiner Webseite . Hier gibt es auch die Möglichkeit, direkt per E-Mail eine Buchungsanfrage abzusenden. Auskünfte und Reservierungen sind aber auch unter der Telefonnummer (01) 711 99-1415, per E-Mail unter faehren@oeamtc.at sowie in allen Filialen des ÖAMTC-Reisebüros möglich. Damit die Buchung reibungslos abläuft, sollte man neben gewünschter Route, Reisedatum und Personenzahl auch Marke, Type, Kennzeichen sowie Länge und Höhe des Fahrzeuges laut Typenschein parat haben. Bei Buchung verlangen viele Reedereien auch Angaben über Alter und Nationalität der Passagiere.

Quelle: ÖAMTC