Autofahrer im PISA Test : Österreicher sind Testsieger

Aber : Selbsteinschätzung steht in grassem Widerspruch zum Wissen

Wie müssen Kinder unter drei Jahren im Auto gesichert sein? 91,5 Prozent aller österreichischen Autofahrer können diese Frage korrekt beantworten. Das ist nicht selbstverständlich: Nur 15,5 Prozent der slowenischen Lenker wissen die eindeutig richtige Antwort. Der ÖAMTC hat mit seinen Schwesterclubs in zwölf europäischen Ländern den "PISA"-Test für Autofahrer durchgeführt. Bei der internationalen Stichproben-Erhebung wurden rund 2.800 Autofahrer aus ganz Europa zu Verkehrsregeln, Fahrzeugtechnik und Fahrverhalten befragt. " Kein Einziger konnte alle Fragen fehlerfrei beantworten ", zieht ÖAMTC-Verkehrspsychologin Dora Donosa Bilanz. Lediglich drei der rund 2.800 Autofahrer lieferten als bestes Ergebnis nur eine falsche Antwort: Eine 25-jährige VW-Golf-Fahrerin und ein 30-jähriger Mazda-Fahrer aus Österreich sowie ein 36-jähriger VW-Polo-Fahrer aus Deutschland. Das Gesamtergebnis ist besorgniserregend, auch wenn die Länderwertung für Österreich erfreulich ausfällt: Die heimischen Lenker holten sich den Testsieg.

In Österreich beantworteten Autofahrer zu 64,4 Prozent Fragen richtig. Dahinter folgten Deutschland (61,5 Prozent) und Portugal (58,9 Prozent). Im Mittelfeld - mit Werten über 50 Prozent - platzierten sich Kroatien, die Schweiz, die Niederlande, Italien, Frankreich und Norwegen. Auf den letzten Rängen im internationalen Vergleich landeten die Briten (49,2 Prozent), Spanier (47,2 Prozent) und Slowenen (43,4 Prozent). Der europäische Durchschnitt lag bei 53,9 Prozent.

Mit dem "PISA"-Test für Autofahrer wurden erstmals Wissenstest-Ergebnisse nicht nur isoliert auf nationaler Ebene betrachtet, sondern im direkten Vergleich mit europäischen Nachbarländern. Beim theoretischen Teil der Erhebung zeigten sich die größten Defizite:

  • Für wen gilt die Anschnallpflicht im Pkw? 93,3 Prozent der befragten Europäer wussten, dass diese für alle Insassen gilt. Österreich liegt mit 96,1 Prozent zwar über dem europäischen Durchschnitt, acht Länder hatten aber noch bessere Ergebnisse.
  • Darf man während der Autofahrt telefonieren? Nur 73 Prozent der europäischen Lenker wissen, dass sie das nur mit Freisprecheinrichtung dürfen, aber 92,2 Prozent der österreichischen Lenker kennen diese gesetzliche Regelung. Nur Deutschland hatte hier ein noch besseres Ergebnis (94,1 Prozent).
  • Wie man umweltfreundlich und benzinsparend unterwegs ist, wissen 22,3 Prozent aller Befragten, Österreich liegt hier mit 20,3 Prozent etwas unter dem europäischen Durchschnitt.
  • Was muss man laut Gesetz für den Notfall im Wagen mitführen? Nur 22,1 Prozent aller Befragten wissen, welche Utensilien mit an Bord sein müssen. 35,9 Prozent der österreichischen Lenker kennen alle ihre Mitführpflichten. Auch bei dieser Frage liegt Österreich europaweit auf Platz zwei.
  • Was bewirkt das Antiblockiersystem ABS? 52,4 Prozent aller Befragten in Europa und 56,2 Prozent aller Befragten österreichweit kennen die korrekte Antwort.

Im praktischen Teil der Erhebung, bei der es um den Umgang mit der Fahrzeug-Ausstattung ging, schnitten die Lenker besser ab als im theoretischen Teil. 98,5 Prozent aller europaweit befragten Autofahrer fanden auf Anhieb die Warnblinkanlage. 90,4 Prozent wussten, wo sich das Pannendreieck befindet, aber nur 81,2 Prozent konnten es auch richtig aufstellen. Das Finden der Reifendruckangabe war für einige Befragte eine kniffelige Aufgabe: 75,9 Prozent der Befragten waren bei der "Suche" erfolgreich. Die Österreicher wussten es besser: 84,8 Prozent entdeckten den Aufkleber im Fahrzeug auf Anhieb oder wussten die vom Hersteller empfohlenen Werte.

Selbsteinschätzung steht in krassem Widerspruch zum Wissen

"Interessant ist, dass sich die Lenker selbst deutlich überschätzen", weiß ÖAMTC-Verkehrspsychologin Donosa. 94 Prozent der europäischen Befragten halten sich selbst für gute oder sehr gute Autofahrer. In Österreich, Italien und der Schweiz gaben sich sogar 98 Prozent die beiden Bestnoten. Auffällig ist, dass sich auch jeweils über 90 Prozent der spanischen und slowenischen Lenker - Schlusslichter der Umfrage - als gute oder sogar sehr gute Autofahrer einschätzen. Weniger als sechs Prozent aller europaweit Befragten beurteilten ihr eigenes Fahrkönnen eher kritisch.

"Unfälle durch menschliches Fehlverhalten passieren auch in Folge von ungenügendem Wissen über Verkehrsregeln, oder aufgrund von mangelndem technischen Verständnis für das eigene Fahrzeug", sagt Donosa. Vor allem bei den Ausnahmesituationen im Autofahreralltag zeigten sich (auch in den österreichischen Ergebnissen) die größten Schwierigkeiten , etwa bei der richtigen Absicherung im Pannenfall, der mitzuführenden Notfallausrüstung oder dem richtigen Verhalten bei Aquaplaning. Lebenslanges Lernen muss daher auch im Straßenverkehr gelten: "Das Auffrischen von Wissen und auch die praktische Umsetzung zum Beispiel in Rahmen eines Fahrsicherheitstrainings sind wesentliche Voraussetzungen, um sicher unterwegs zu sein. Das liegt in der Selbstverantwortung jedes Lenkers", appelliert Donosa. "Wenn der Wagen erst kürzlich angeschafft wurde oder die Fahrpraxis gering ist, muss man sich einfach mit dem Auto und dessen Ausstattung vertraut machen." Es zeigt sich, dass das Wissen der Befragten bei einheitlichen internationalen Regeln größer ist, wie z.B. Handyverbot oder Anschnallpflicht. "Eine weitere Harmonisierung der Gesetzgebung in Europa wäre daher wünschenswert", fordert die ÖAMTC-Expertin. Genau das ist auch das Ziel von EuroTest: Einheitliche Richtlinien für Straßentunnel und Fährschiffe wurden bereits europaweit durchgesetzt.

"Hätten Sie's gewusst?" - Unter diesem Motto kann jeder User auf der Webseite des ÖAMTC beim "PISA"-Test für Autofahrer sein Wissen selbst testen.

Quelle: ÖAMTC