Dachboxen im Test

Teure Produkte schneiden bei der Produktgestaltung im Schnitt etwas besser ab - an der Sicherung der Ladung hapert es aber generell.

Wenn der Kofferraum zu klein wird, sind Dachboxen als Erweiterung sehr gefragt. Benutzerfreundlichkeit, intelligentes Design und Sicherheit in allen Lagen zählen bei einer Dachbox als Kriterien.

Rechtzeitig vor Beginn der Schisaison hat der ÖAMTC Dachboxen getestet - das Fazit: "Es gibt weder ein Produkt, vor dem dringend abzuraten ist, noch einen herausragenden Sieger", sagt ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl. Bei der Gestaltung der Boxen zeigt sich aber, dass Qualität ihren Preis hat. Höherpreisige Produkte sind besser verarbeitet und punkten mit durchdachten Detaillösungen: "Das lässt aber nicht den Schluss zu, dass teure Produkte automatisch und unhinterfragt sehr gut sind", merkt Kerbl an. Für den Test ausgewählt wurden acht Modelle der Preisklasse 165 bis 360 Euro. Das Fassungsvermögen beträgt zwischen 300 und 520 Liter. Die Länge der ausgewählten Boxen ermöglicht den Transport von vier bis fünf Paar Schiern. Ergebnis: "Sehr gut" gab es keines, vier Boxen wurden mit der Gesamtgute "Gut" beurteilt.

Im Detail

"Alle Boxen wurden in dem Zustand getestet, in dem sie im Handel gekauft wurden. Es wurden keine ergänzenden Zubehörteile verwendet", sagt der ÖAMTC-Techniker. Getestet wurde in extremen Fahrsituationen bei voller Beladung. Außerdem wurden Dichtheit bei Regen, Verarbeitung und Handling in Einzeltests auf die Probe gestellt. Thule Pacific 600 punktet durch gute Verarbeitung und Handhabung sowie geringes Gewicht. Kamei Delphin 340 K ist in jeder Fahrsituation stabil, allerdings erfordert sie viel Schraubarbeit bei der Montage. Atera Carver II 440 ist sehr gut verarbeitet und beidseitig beladbar, sie schwächelt aber beim Halt am Dach. ATU Jetbag 450 Allround mit einem guten Ergebnis bei den Fahrdynamikprüfungen, aber aufwändiger Montage. Die Note "Befriedigend" gab es für die Neumann Whale 520, bei der die schwache Zurrgurtbefestigung hervorsticht, weiters für Thule Ranger 500 wegen fehlender Wasserdichte und Hapro Roady 450, die Schwächen bei der Handhabung zeigt. Lediglich ein "genügend" erreicht die MontBlanc Vista 380, vor allem wegen der schlechten Crashsicherheit.

Die einzelnen Anforderungen

  • Um die Dichtheit der Boxen zu überprüfen, wurden die unbeladenen Boxen am Dachträger montiert und auf der Innenseite mit Löschpapier ausgelegt. Bei einer Windgeschwindigkeit von 70 km/h (Gebläse) wurden die Boxen mit 150 Liter Wasser beregnet. Kamei, Atera und die Thule Pacific bestanden mit Bravour. Enttäuscht haben Mont Blanc Vista 380 und Neumann Whale 520 mit Wassereintritt. Am schlechtesten schnitt die Ranger von Thule ab, bei der das in den Erweiterungstaschen angesammelte Wasser durch die Nähte in den Innenraum sickerte. "Für den Transport von Kleidung und feuchtigkeitsempfindlichen Gegenständen absolut ungeeignet", urteilt der ÖAMTC-Experte.
  • Diebstahlsicher ? Die Boxen von Neumann, Hapro und MontBlanc verfügen über recht robuste Metallverschlüsse, die anderen getesteten Modelle sind nur mäßig durch Kunststoffverschlüsse gesichert. Die faltbare Thule Ranger hat überhaupt nur ein kleines Vorhängeschloss, das sehr leicht zu knacken ist.
  • Was das Handling betritt, sind die teureren gleichzeitig auch die besseren Produkte. Besonders positiv fiel die Thule Pacific-Dachbox auf. Sie besteht aus nur wenigen Bauteilen und ist auch schnell montiert. Schlecht schnitten im Vergleich die Boxen ab, die mit dem Dachträger verschraubt werden müssen, besonders die MontBlanc, die sogar noch mittels Spanngurt fixiert werden muss. Als absolut benutzerunfreundlich stellt sich die Hapro Roady dar, für deren erste Montage mithilfe einer Bohrmaschine Löcher zu bohren sind. "Das ist für den Verbraucher eine Zumutung", sagt der ÖAMTC-Techniker.
  • Die Gebrauchsanweisungen sind bei Kamei, Atera, ATU und Thule sehr anschaulich. So sind bei den Produkten von Thule, Atera und Kamei die Anbauhinweise sehr gut ausgeführt. "Für die Boxen von Thule gibt es sogar eine spezielle Anleitung mit Sicherheitshinweisen", lobt Kerbl. Bei den restlichen Boxen herrscht großer Nachbesserungsbedarf. Bei Neumann Whale stimmte die kopierte Anleitung nicht mit den Bauteilen überein, bei MontBlanc sind die Abbildungen ungenau. "Das kann für einen Ärger beim Zusammenbauen sorgen", sagt Kerbl.
  • Befüllen der Box : Je höher die Ladekante einer Box ist, desto schwieriger wird es mit der Beladung. Die MontBlanc schneidet im Test am besten ab, weil ihr Ladeboden flach ist und keine störenden Befestigungsschrauben herausragen. Die flexible Thule Ranger kann bei diesem Test am wenigsten von allen Testmodellen punkten. "Für den Transport von Schiern ist sie geeignet, jede weitere Beladung und das Verschließen gestalten sich eher mühsam", sagt der ÖAMTC-Techniker.

Achillesferse Ladungssicherung

Das Thema Ladungssicherung ist die Schwachstelle bei allen getesteten Dachboxen. Reicht es für den normalen Fahrzustand aus, so kann es bei harter Belastung wie Vollbremsungen oder Ausweichmanövern zu bösen Überraschungen kommen. Nur die Whale von Neumann fällt hier im Extremtest positiv auf, da sehr hochwertige Gurte mit Metallschloss mitgeliefert werden. Allerdings - und hier gibt es schon wieder etwas zu bemängeln - sind die Kunststoffösen der Box bei höheren Belastungen überfordert und reißen aus. Diese Schwäche zeigt sich - bis auf die Atera mit ihren vernieteten Metallösen - bei allen getesteten Modellen. Bei der Mont Blank durchtrennt die scharfe Kante der Befestigung beim Crashversuch sogar den Gurt. Die Kamei Delphin 340 K, die eigentlich ein gutes Gesamterscheinungsbild liefert, versagt im Crashtest mit ihren billig wirkenden Spanngurten und Kunststoffschlössern. Und Hapro Roady hat keine Spanngurte in der Serienausstattung - das bedeutet die rote Laterne beim Ladungsicherungstest. Der ÖAMTC-Experte warnt: "Ohne stabile Spanngurte zur Fixierung des Inhalts der Dachbox kann das Ladegut in einer kritischen Fahrsituation zur Gefahr werden." Deshalb empfiehlt es sich, die Grundausstattung einer Box eventuell durch hochwertige Gurte eines anderen Herstellers zu ergänzen.

Tips des Experten

  • Vor dem Kauf der Box sollte man testen, ob das Modell den persönlichen Ansprüchen gerecht wird, z. B. bei den Verschlüssen, beim Öffnen, bei der Größe.
  • Beim Einfahren in Garagen sollte man nicht vergessen, dass das Auto mit Box höher ist.
  • Beim Fahren mit Dachbox muss man sich über das geänderte Fahrverhalten bewusst sein. Durch die größere Bauhöhe ist das Fahrzeug bei Seitenwind empfindlicher. "Besonders nach Waldstücken und auf Brücken droht Gefahr durch plötzlich auftretende Windböen", warnt der ÖAMTC-Experte.
  • Die größere Windangriffsfläche führt zu einem größeren Spritverbrauch. "Daher ist vor Leerfahrten mit der Box im Interesse von Umwelt und Geldtasche abzuraten", so der ÖAMTC-Techniker abschließend

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