16 Elektrofahrräder im Test - 9 fallen durch

Rahmen- und Lenkerbruch, schlechte Bremsen uvm.

2011 wurde der bislang letzte große ÖAMTC-Test von Pedelecs (Pedal Electric Cycle) durchgeführt. Damals waren die Ergebnisse großteils zufrieden stellend, es gab nur ein "nicht genügend". "Nicht so beim aktuellen Test: Von 16 Modellen fallen neun durch", berichtet ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl. "Und auch beim Rest gibt es Verbesserungsbedarf. Zwei 'genügend' und drei 'befriedigend' zeigen, dass die Hersteller noch viel Luft nach oben haben." Lediglich zwei Elektrofahrräder wurden von den Testern mit "gut" bewertet, ein "sehr gut" gab es - wie schon 2011 - nicht.

Die Gründe für das katastrophale Abschneiden sind unterschiedlich. Fünf Pedelecs wurden wegen mangelnder Haltbarkeit mit "nicht genügend" bewertet. "Besonders gefährlich: Bei den getesteten Modellen von Kreidler (2011 immerhin noch Testsieger), Sinus und KTM haben sich eklatante Schwächen bei der Haltbarkeit des Lenkers gezeigt. Ein Bruch des Lenkers führt zwangsläufig zum Sturz, schwere Verletzungen können die Folge sein", erklärt der ÖAMTC-Experte. Ärgerlich kann auch ein Bruch der Ausfallenden (Befestigung der Hinterachse) sein, wie er beim ansonsten eigentlich guten Modell von Flyer aufgetreten ist. Ein solcher Defekt bedeutet üblicherweise einen wirtschaftlichen Totalschaden. Beim preiswerten Leviatec hielt hingegen der Rahmen den Haltbarkeitstests des ÖAMTC nicht stand.

"Die Mehrheit der getesteten Pedelecs ist mit vollhydraulischen Bremsen ausgestattet, die sehr gut funktionieren. Die Modelle von TopVelo, Fischer und Victoria verfügen hingegen über Seilzugbremsen, die für Gewicht und Geschwindigkeit nicht ausreichen und mussten daher mit 'nicht genügend' bewertet werden", so der ÖAMTC-Techniker. Ein ähnliches Schicksal erleidet das ohnehin schon wegen eines Rahmenbruchs abgewertete Leviatec, das in Bezug auf die Bremsen allerdings noch ein "genügend" schafft.

Ein weiteres Manko, das im ÖAMTC-Test bei mehreren Elektrofahrrad-Modellen aufgefallen ist: "Die elektromagnetischen Störwellen, die der Elektroantrieb aussendet, übersteigen die Grenzwerte", erklärt Kerbl. Bei den Modellen von Raleigh und Fischer sind die vom Antrieb ausgesendeten Störungen sogar so stark, dass sie Funkfrequenzen von Feuerwehr, Polizei und Rettung massiv beeinflussen können.

An der Spitze stehen beim ÖAMTC-Pedelec-Test zwei Modelle mit der Note "gut". Das Stevens E-Courier SX überzeugt als sportliches Pedelec mit guten Laufeigenschaften und sehr kurzer Ladedauer. "Die Reichweite liegt mit durchschnittlich 55 Kilometer dennoch im oberen Bereich. Größter Wermutstropfen: Die Schaltung hat sich als verbesserungswürdig erwiesen, bei Motorunterstützung ist Schalten kaum möglich", so der ÖAMTC-Techniker. Das Kettler OBRA RT 13,2 ist ebenfalls ein sehr ausgewogenes Rad, das sich durch die Lenkerposition und den komfortablen Sattel eher zum gemächlichen Fahren eignet. Leider verfügt das Modell über keinen Tacho, Zusatzinfos wie die verbleibende Reichweite sind schwierig abzurufen. Drei Pedelecs, das Giant Twist Elegance C1, das Winora 2C AGT und das Hercules Tourer 8 Pro erreichten immerhin ein "befriedigend".

Die Spanne der beim ÖAMTC-Test erzielten Reichweiten ist groß: Fahrten von 25 bis 75 Kilometer waren mit den unterschiedlichen Modellen möglich. Am weitesten kann man mit den Modellen von Kalkhoff und Raleigh fahren, beide Pedelecs schaffen rund 75 Kilometer. Leider mussten beide wegen der ausgesendeten Störwellen ihres Antriebes abgewertet werden. "Am anderen Ende der Skala findet man das Fischer E-Bike City Pedelec, mit dem man trotz Einsatz beider Akkupacks nur 25 Kilometer weit kommt - für einen vernünftigen Einsatz viel zu wenig", kritisiert Kerbl. Negativer Höhepunkt in Bezug auf den Akku war aber das Pedelec von Leviatec: Bei allen Testmodellen war der Akku defekt, die Funktion des Elektroantriebes konnte also überhaupt nicht getestet werden.

ÖAMTC-Expertentipps für Pedelec-Interessierte:

Vor dem Kauf eines Elektrofahrrades sollte man sich Gedanken über den Einsatzzweck machen. Es macht einen Unterschied, ob man das Rad vorwiegend für Familienausflüge, auf denen eventuell auch Gepäck transportiert werden soll, oder für die tägliche Fahrt in die Arbeit nutzt.

Weder Preis noch Name des Herstellers oder das Abschneiden in vergangenen Tests garantieren gute Qualität. Nur die aktuellsten Tests informieren umfassend über die neuesten Produkte.

Vor Ort hilft die Beratung des Fachhändlers bei der Auswahl. Es gilt, verschiedene Antriebskonzepte, Rahmengeometrien und andere Feinheiten zu beachten.

Unverzichtbar ist eine Probefahrt. Dabei können beispielsweise die Anpassung der Sitz- und Lenkerhöhe, die Ablesbarkeit der Anzeigen, die Bedienung von Bremsen und Schaltung u. ä. überprüft werden.

Eine Helmpflicht für Elektrofahrräder gibt es nicht, dennoch empfiehlt es sich, gleich einen passenden Helm mitzukaufen. Allein die im Vergleich zu herkömmlichen Fahrrädern höhere Geschwindigkeit kann bei Unfällen schwere Verletzungen zur Folge haben.

Wer vorhat, sein Pedelec mit dem Auto zu transportieren, muss einen entsprechend stabilen Fahrradträger installieren. Es muss auch geprüft werden, ob die Stützlast des Pkw überhaupt für das Gewicht eines Pedelecs ausreicht. Der Akku sollte beim Transport abgenommen und im Wageninneren verstaut werden.

Alle Infos zum Test finden Sie unter www.oeamtc.at/tests

Quelle: ÖAMTC

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