ÖAMTC: Kindersitze Test 2016

Gute Ergebnisse brachte der ÖAMTC-Kindersitztest 2016: Von 23 getesteten Sitzen wurden nur fünf mit einer schlechteren Note als 'gut' bewertet.

"Erfreulicherweise war die Schadstoffbelastung, die bei den vergangenen Tests immer wieder für schlechte Bewertungen sorgte, diesmal kein Problem", berichtet ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl. Die Babyschale Kiddy Evo-Luna i-Size erreichte als einziger Testkandidat ein "sehr gut. Am schwächsten schnitten die Sitze Nania Revo und Chicco Seat-Up 012 (beide "genügend") ab. "Abgesehen von diesen beiden Sitzen haben alle Modelle die gesetzlichen Auflagen zum Teil deutlich übertroffen. Das zeigt, dass die Ergebnisse unserer strengen Tests tatsächlich von den Herstellern berücksichtigt werden", hält Kerbl fest.

Die zwei mit "genügend" beurteilten Modelle haben eines gemeinsam: Schwächen in der Bedienung. "Der Chicco Seat-Up 012 kann sehr lange eingesetzt werden - von der Geburt bis ca. 25 kg. Bei korrekter Montage ist zwar auch die Sicherheit befriedigend, allerdings machen fünf verschiedene Einbauvarianten die Handhabung vergleichsweise aufwändig und fehleranfällig", stellt Kerbl klar. Auch beim Nania Revo hatten die Tester mit dem aufwändigen Einbau zu kämpfen. Schwerer wiegt bei diesem Sitz lt. ÖAMTC aber das erhöhte Verletzungsrisiko bei einem Seitencrash.

Getestet hat der ÖAMTC wie immer Sitze aus allen Gewichtsklassen. Im aktuellen Test waren gleich acht Modelle mit "i-Size"-Zulassung vertreten. Steffan Kerbl erklärt: "Das ist Teil der EU-Norm ECE R129, die die Kindersicherheit im Auto weiter verbessern soll." Von der bisherigen Norm unterscheidet sich die "i-Size"-Zertifizierung im Wesentlichen in folgenden Punkten:

- Die Kindersitze müssen einen Seitenaufpralltest bestehen, um eine Zulassung zu erhalten.

- Für welches Kind ein Sitz passt, wird nicht mehr anhand des Gewichts festgelegt. Stattdessen wird der Größenbereich (z. B. von 40 bis 105 cm) angegeben, für den ein Kindersitz geeignet ist. Die (komplizierte) Klasseneinteilung entfällt.

- In "i-Size"-zertifizierten Sitzen müssen Kinder bis zum Alter von 15 Monaten gegen die Fahrtrichtung befördert werden.

- Die Unterstützung von Isofix ist für "i-Size"-Sitze Pflicht. Damit verringert sich das Risiko einer fehlerhaften Installation deutlich.

"Für Eltern, die bereits einen Kindersitz haben, ändert sich durch diese Norm übrigens nichts", gibt der ÖAMTC-Techniker Entwarnung. Bereits vorhandene Sitze dürfen weiterhin verwendet werden, ein Verbot ist derzeit nicht geplant. Wer einen neuen Sitz braucht, kann also ohne Bedenke zwischen alter und neuer Norm wählen. "Generell sollten sich Eltern vor dem Kauf über das Angebot informieren, dabei helfen die Ergebnisse des ÖAMTC-Kindersitztests", empfiehlt Kerbl.

Nicht jeder Kindersitz passt übrigens gleich gut in jedes Auto, weshalb man auf einen "Blindkauf" verzichten sollte. Besser ist es, das eigene Fahrzeug nebst Kind mitzunehmen und die in Frage kommenden Modelle gleich vor Ort auszuprobieren. Dabei ist zu beachten:

- Der Kindersitz muss stabil und standsicher im Fahrzeug eingebaut werden können. Bei älteren Fahrzeugen können z. B. lange Gurtschlossbefestigungen dazu führen, dass sich der Sitz nicht stabil festschnallen lässt.

- Damit eine optimale Rückhaltung gewährleistet ist, ist darauf zu achten, dass die Gurte möglichst geradlinig verlaufen und keine Falten werfen.

- Speziell bei Babyschalen sollte geprüft werden, ob die Gurtlänge im Fahrzeug ausreicht, um den Sitz sicher anschnallen zu können. Ist der Gurt zu kurz für eine herkömmliche Babyschale, lässt sich eventuell eine mit separater Basis montieren.

- Nach dem Kauf sollte man sich mit der Handhabung des Sitzes vertraut machen. Der richtige Einbau ist wichtig, damit der Sitz das Kind im Falle eines Unfalls bestmöglich schützen kann. Besonders ist darauf zu achten, dass die Gurte straff angezogen werden. Jacken sollten unter dem Beckengurt herausgezogen werden, so dass der Gurt möglichst nahe am Körper anliegt.

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