Mietwagen im Test : Etliche fahrende Schrotthaufen

Nur 7 von 58 Autovermietern erhielten die Testnote "sehr gut"

Tiefe Schnitte und Risse im Reifen oder fehlendes Profil, defekte Sicherheitsgurte und nicht brandsicher befestigte Batterien - die ÖAMTC-Tester staunten nicht schlecht, in welch katastrophalem Fahrzeugzustand so manche Leihwagenanbieter Urlauber "auf Reise" schicken. In zehn Urlaubshochburgen fünf beliebter Länder (Griechenland, Italien, Portugal, Spanien, Türkei) waren die Tester unterwegs und nahmen den Service und den technischen Zustand der Fahrzeuge von 58 Mietwagen-Anbietern unter die Lupe. Knapp die Hälfte der Testkandidaten wurde mit der Gesamtnote "gut" beurteilt, sieben Autovermieter verdienten sich ein "sehr gut". "Erschreckend war dennoch die Tatsache, in welchem Zustand so mancher Mietwagen bei den zwölf Kandidaten war, die mit der Note 'mangelhaft' und den neun Anbietern, die mit 'bedenklich' eingestuft wurden", kommentiert ÖAMTC-Verkehrsexperte Willy Matzke die Ergebnisse. Für den Test wurden keine vom Heimatland gebuchten Firmen gewählt, sondern die Autos wurden spontan und direkt vor Ort angemietet .

Testsieger beim ersten Mietwagentest - der vom ÖAMTC, seinem deutschen Schwesterclub ADAC und seiner Euro-Test Partnerclubs in ganz Europa durchgeführt wurde - ist die Autovermietung Avis in Hersonisos auf Kreta. Dicht gefolgt von Avis in Faliraki auf Rhodos und der Autovermietung Pinna in Porto Cervo auf Sardinien. "Der ausgezeichnete technische Fahrzeugzustand sprach für die Bestnote. Zu bemängeln gab es nur fehlende Ausrüstungsgegenstände wie Erste Hilfe-Set oder Warndreieck", so Matzke. Auch Service und Anmietung verliefen reibungslos und zum Wohle des Kunden. Der Versicherungsschutz war umfassend und gesonderte Vereinbarungen wurden dokumentiert. Einziger Wermutstropfen: Die Mietverträge sind nur in Landessprache oder mit englischer Übersetzung erhältlich gewesen.

Gesamt betrachtet, liegen die Italiener mit einem durchschnittlich guten Resultat im Mietwagentest ganz vorn . Auf den Plätzen zwei und drei folgen Portugal und Griechenland. Platz vier geht an Spanien. Sorgenkind unter den fünf getesteten Urlaubsländern ist die Türkei - mit überwiegend mangelhaften Testergebnissen.

Katastrophal: Auf dem letzten Platz landete die Leihwagenfirma Avsar Rent im türkischen Alanya mit einem Suzuki Samurai. Der Geländewagen mit Erstzulassung im Jahr 1992 war in einem technisch absolut desolaten Zustand. "Ein fahrender Schrotthaufen mit gravierenden und vor allem sicherheitsgefährdenden Mängeln", so das kritische Urteil des ÖAMTC-Experten. Tiefe Risse und Schnitte in den Reifen, ein verbogenes Lenkgestänge, funktionslose Sicherheitsgurte und kaputte Scheinwerfer waren neben dem verdreckten Innenraum einige der negativen "Highlights", die für das vernichtende Urteil der Tester sprachen. Immerhin punktete die Autovermietung mit einem zweisprachigen Mietvertrag. Der gleiche Wagen allerdings schnitt bei Blue Rent a Car in Bodrum als bestes Geländefahrzeug im gesamten Testsample ab.

Ebenfalls unter den Letztplatzierten liegen Luna Cars in Playa de las Américas auf Teneriffa mit einem Citroën Saxo und Rental-one in Hersonisos auf Kreta mit einem Daihatsu Cuore. "Verschlissene Bremsbeläge, fehlerhafte Funktion des Airbags und abgefahrene Reifen waren nur einige Punkte auf der Mängelliste von Luna Cars. Das Fahrzeug von Rental-one hatte nach 200.000 gefahrenen Kilometern die größten Defizite an Lenkung und Stoßdämpfern", erzählt ÖAMTC-Experte Willy Matzke. Auch das Personal war weder kompetent noch freundlich, über Mietkonditionen und Zustand des Autos gab es nur spärliche bis gar keine Informationen.

Die Mängel im Detail - Schlechte Ergebnisse bei der Insassensicherheit

Allgemein gilt: Wenn es Ärger gibt, so geht es schon beim Anmietgespräch los. Will man spontan ein Auto anmieten, lässt einen der Vermieter häufig im Unklaren darüber, wie das Fahrzeug versichert ist. Vereinbarungen über Versicherung oder Extrakosten werden nicht eingehalten, geschweige denn schriftlich festgehalten. Angaben zum Selbstbehalt fehlen oft gänzlich. Auch der Service lässt zu wünschen übrig. Hinweise auf Tankregelung oder Mietdauer fehlen, eine Fahrzeugübergabe mit Schadenskontrolle findet nicht statt und Notfall-Telefonnummern erhält man ebenfalls nicht. "Der Kunde wird im Stich gelassen und muss sich schlimmstenfalls mit unangenehmen Folgen - wie im Test geschehen - beispielsweise über eine Nachbelastung auf der Kreditkarte ärgern", resümiert Matzke.

Hauptaugenmerk im Test wurde auf sicherheitsrelevante Aspekte wie Reifen, Typ, Zustand und Befestigung der Räder, Radaufhängung, Bremswirkung, Handbremse und Lenkung gelegt. "Trotz eines insgesamt sehr guten Schnitts hatte über ein Drittel der Fahrzeuge gravierende Mängel", sagt der Club-Experte. Für die Sicherheit bedeutsame Punkte wie Fahrwerk, Bremsen und Lenkung waren bei vielen der gemieteten Fahrzeugen zu bemängeln, mit teils erschreckenden Ergebnissen. Dazu kamen Beschädigungen der Reifen, an den Bremsscheiben und -belägen sowie funktionslose Sicherheitsgurte. Die Ausrüstung der Fahrzeuge mit Erste Hilfe-Sets und Warndreiecken ließ ebenfalls zu wünschen übrig. "Warnwesten fehlten völlig, also besser von zuhause mitnehmen", rät Matzke.

Positiv bewertet wurden - abgesehen von wenigen Ausreißern - bei allen Autos der Motorraum sowie Beleuchtung und Elektrik. Bei den 58 getesteten Mietwagen wurden nur Nachlässigkeiten, wie zu wenig Scheibenwaschwasser oder Motoröl, beanstandet. Drei Fahrzeuge - von Avsar in Alanya, Star in Alanya und Rental-one in Hersonisos - zeigten aber erhebliche Mängel. So fehlte beim Mietwagen von Avsar der Ausgleichsbehälter für das Kühlsystem, was im schlimmsten Fall zu einem Motorschaden führen kann. Star vermietete einen Wagen mit kaputten Stoßdämpfern und Rental-one verlieh ein Fahrzeug, bei dem sich ein deutlicher Verschleiß am rechten Spurstangenkopf zeigte, der das Lenk- und Fahrverhalten beeinträchtigte.

Trotz guter Bilanz im Hinblick auf den Zustand der Bremsbeläge mussten die Tester dreimal heftige Kritik üben: Die Mietwagen-Verleiher Olympic in Faliraki/Rhodos, Star in Alanya und Luna Cars in Playa de las Américas hatten allesamt Beläge, die stark oder gänzlich verschlissen waren.

Die schlechtesten Ergebnisse wurden in der Kategorie Ausrüstung und Insassensicherheit erzielt. 35 Mal fehlte eine Bedienungsanleitung, 42 Mal fehlten Warndreiecke, in 57 Fahrzeugen gab es keinen Verbandskasten und sieben Mal wurden erhebliche Mängel am Reserverad festgestellt.

Quelle: ÖAMTC

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