ÖAMTC Tunneltest 2015

Seit 1999 überprüfen der ÖAMTC und seine Partner europäische Tunnel auf ihre Verkehrssicherheit.

"In dieser Zeit hat sich in den 'Röhren' viel getan. Während es in früheren Jahren regelmäßig Kandidaten gab, die als bedenklich eingestuft werden mussten, erhalten heuer 14 der 20 in Österreich, Deutschland, Italien und der Schweiz getesteten Tunnel das Prädikat 'sehr gut'. Darunter befinden sich auch die österreichischen Tunnel Roppen und Pfänder", fasst ÖAMTC-Verkehrssicherheitsexperte David Nosé zusammen. "Die restlichen sechs Tunnel wurden mit 'gut' bewertet. Das Gesamtergebnis ist also sehr erfreulich."

Dennoch gibt es in Detailbereichen noch Mängel. "Negativ aufgefallen ist beispielsweise, dass bei der Hälfte der getesteten Tunnel die Wände nicht hell angestrichen waren", hält der ÖAMTC-Experte fest. "Bei einem Viertel funktionierte die Verständigung über die Notrufe nicht einwandfrei." Ein anderes Problem: die Einsatzdauer der Atemschutzgeräte für die Feuerwehr. "Feuerwehrleute können sich bei starker Rauchentwicklung im Tunnel nur sehr langsam bewegen. Die Atemschutztechnik ist häufig nicht auf längere Einsätze ausgelegt, im schlimmsten Fall reicht die Zeit für die Feuerwehr nicht, um Rettungsmaßnahmen durchzuführen", so Nosé. Bei den Tunneln Ursulaberg und Saukopf (beide in Deutschland) beträgt die Einsatzdauer der Atemschutzgeräte z. B. nur 30 Minuten, im Sant'Angelo (Italien) gar nur 20.

Zwei der 20 im aktuellen ÖAMTC-Test vertretenen Tunnel befinden sich in Österreich: Der 6.886 Meter lange Pfänder Tunnel auf der Rheintal Autobahn (A14) sowie der Roppener Tunnel auf der Inntal Autobahn (A12) mit einer Länge von 5.100 Metern. Beide Tunnel schneiden im Test mit der Bestnote "sehr gut" ab. "Das ist eine signifikante Verbesserung, seit diese beiden Tunnel letztmals getestet wurden", hält Nosé fest. Der Pfänder Tunnel wurde bereits 1999 und 2003 getestet, erreichte beide Male nur ein "ausreichend", beim Roppener Tunnel wurde bei den bisherigen Tests (1999 und 2004) jeweils das Prädikat "bedenklich" vergeben.

"Mittlerweile ist bei beiden Tunneln eine zweite Röhre in Vollbetrieb. Auch wurden weitere Sanierungsarbeiten durchgeführt. Das Ergebnis: ein 'sehr gut' für die ehemaligen Problemkinder", erklärt der ÖAMTC-Experte. Das Risikopotential von Pfänder und Roppener Tunnel wurde jeweils mit "mittel" bewertet, was vorwiegend an der Tunnellänge sowie am hohen Verkehrsaufkommen liegt. Als besonders positiv wurde bei beiden österreichischen Tunneln bewertet, dass im Brandfall sehr gute Aussichten bestehen, sich als Betroffener selbst retten zu können. "Das Lüftungssystem saugt den Rauch in der Nähe des Brandherdes aus dem Tunnel ab. So kann man in einer weitestgehend rauchfreien Atmosphäre über die gut gekennzeichneten Notausgänge und die Nachbarröhre flüchten", erläutert Nosé. Hinzu kommen unter anderem Features wie durchgehend empfangbarer Verkehrsfunk, Ampeln samt variablen Infotafeln zur Sperrung von Portalen, lückenlose Videoüberwachung und regelmäßige Übungen mit geschultem Personal. Zudem soll zukünftig bei beiden Tunneln auch das neue AKUT-System (akustisches Tunnelmonitoring) zum Einsatz kommen.

"Mittlerweile haben sich viele Verkehrsröhren in Europa zu Musterknaben in Sachen Tunnelsicherheit gemausert. Das unterstreicht auch das Ergebnis des diesjährigen Tests von 20 Tunneln in fünf europäischen Ländern", erklärt Nosé. Klassenbester wurde der deutsche Tunnel Berg Bock, der alles aufweist, was einen guten Tunnel ausmacht (gut gekennzeichnete Flucht- und Rettungswege, lückenlose Videoüberwachung, befahrbare Rettungswege, eigene Feuerwehr, etc.).

Schlusslicht im Ranking und daher auch "Testverlierer" (trotz der Wertung "gut") ist der Schweizer Gotthard-Tunnel. Größtes Manko des längsten Tunnels im Test: Es gibt nur eine Röhre, die mit Gegenverkehr betrieben wird. Außerdem werden im Test zu große Abstände zwischen den Pannenbuchten, ein hoher Lkw-Anteil von 23 Prozent sowie lange Steigungen vor dem Tunnel bemängelt. In Summe trägt all das zu einem potentiell hohen Risiko bei.

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