Test: Rettungsmaßnahmen bei Autos mit Carbonfaser-Karosserie

Wie die Rettungsmaßnahmen bei neuen Autos mit Carbonfaser-Karosserien aussehen, hat jetzt der ÖAMTC getestet.

Wenn ein Unfall passiert, müssen die Rettungskräfte Verletzte so schnell wie möglich aus dem Auto befreien. Doch ist das auch bei modernen Fahrzeugen mit ihrer umfangreichen Sicherheitsausstattung und ihren alternativen Antrieben problemlos und schnell möglich?

Ein Test, den der ÖAMTC an einem Fahrzeug mit Carbonfaser-Karosserie (BMW i3) durchgeführt hat, zeigt: Es funktioniert, auch wenn einige Punkte zu beachten sind. "Vor allem beim Zerschneiden des Fahrzeuges können die Einsatzkräfte auf unerwartete Schwierigkeiten treffen", erklärt ÖAMTC-Cheftechniker Max Lang. "Karosserieversteifungen, Werkstoffe und Fahrzeuggeometrie können dazu führen, dass hydraulische Rettungsscheren an ihre Leistungsgrenze kommen." Gefahr droht den Rettungsmannschaften beispielsweise auch durch Gasgeneratoren von Kopfairbags und Batterien (speziell bei Elektro- und Hybridfahrzeugen).

 Anhand des BMW i3 hat der ÖAMTC daher in einem "Schneidversuch" getestet, welche Probleme bei der Bergung von Menschen aus einem modernen Fahrzeug auftreten können. Ausgewählt wurde dieses Modell, weil es über einen großen Anteil an Carbonfaser-Werkstoff (CFK) in der Karosserie verfügt und mit einem Elektroantrieb ausgestattet ist. "Grundsätzlich hat sich beim ÖAMTC-Test gezeigt, dass herkömmliche Schneid- und Spreizwerkzeuge beim BMW i3 ohne Probleme funktionieren", fasst Lang die Ergebnisse zusammen. "Bewährte Methoden zum Trennen der Fahrzeugsäulen und zum Spreizen von Autoteilen können angewendet werden."

Es gibt aber auch Unterschiede zu herkömmlichen Kfz-Modellen. "Zum einen zeigt der Werkstoff CFK ein völlig anderes Verhalten als Stahl. Statt Verformungen bilden sich Risse, die mitunter sehr scharfkantig sein können", erklärt der ÖAMTC-Cheftechniker. "Zum anderen entsteht beim Einsatz der Werkzeuge eine erhebliche Menge Staub, der von Rettern und Fahrzeuginsassen nicht eingeatmet werden darf." Staubschutzmasken sind bei der Bergung von Verunfallten aus einem Kfz mit CFK-Karosserie daher unbedingt zu verwenden.

Damit die Rettungskräfte so schnell und sicher wie möglich zu den Fahrzeuginsassen vordringen können, müssen sie genau über die im Auto verbauten Elemente informiert sein. "Der ÖAMTC empfiehlt daher, jederzeit die 'Rettungskarte' im Auto mitzuführen", so Lang. Auf der Rettungskarte, die für nahezu alle Modelle verfügbar ist, finden sich alle wichtigen Angaben zu Lage und Anzahl von Batterien, Airbags und Sensorik, Lage von Gasgeneratoren und Gurtstraffern sowie Informationen zu Verstrebungen und Versteifungen in der Karosserie. Mit Hilfe dieser Daten kann das Rettungsteam den Einsatz sicher abwickeln und wertvolle Zeit für den Patienten gewinnen. Die Rettungskarte gibt es u. a. auch beim ÖAMTC. Unter www.oeamtc.at/rettungskarte findet man alle Infos dazu.

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