Schneeketten test(Bildquelle: ÖAMTC)

Schneeketten im Test

Ring- und Seilschneeketten schneiden besser ab als Schnellmontageketten

Es gibt Situationen, da geht trotz Winterreifen nichts mehr. Auf extremer Schneefahrbahn helfen nur noch Schneeketten. Dann ist es gut, erstens passende Ketten im Kofferraum zu haben und zweitens zu wissen, wie man sie montiert. Der ÖAMTC hat 13 Schneeketten und eine Textil-Anfahrhilfe unter verschärften Praxisbedingungen getestet und dabei Antriebs- und Bremskräfte, Seitenführung und Verschleiß, Handhabung und Verpackung verglichen.

Die Höchstwertung von vier Sternen wurde nicht vergeben. Vier Produkte, allesamt Ring- oder Seilschneeketten, konnten aber je drei Sterne und somit ein "empfehlenswert" für sich beanspruchen:

  • "Fly" von König
  • "Light" von Ottinger
  • und die beiden Pewag-Ketten "Brenta C" und "Sportmatik".

Die weiteren Ring- oder Seilschneeketten wurden mit einer Ausnahme mit "bedingt empfehlenswert" beurteilt. Nicht empfehlenswert: Die vier geprüften Schnellmontageketten mit Radadapter konnten nicht überzeugen, ebenso wenig die Textil-Anfahrhilfe. Alle vom ÖAMTC getesteten Produkte finden sich auf der Webseite des Clubs im Testbereich aufgelistet. Die nur beim ÖAMTC erhältliche Schneekette Pewag "Titangrip" gab beim Vergleichstest die Referenzwerte vor. Sie wäre in der Wertung aber ganz vorne mit dabei gewesen.

"Ein halbes Jahr lang wurden die Schneeketten beim Anlegen, beim Fahren und beim Verpacken geprüft", berichtet ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl. Die Montageanleitung wurde von zwei unbefangenen Testpersonen und einem Techniker auf ihre Verständlichkeit überprüft. Bei der
Verpackung zählten unter anderem Wasserbeständigkeit, Gewicht und Handhabung. Im Praxistest ging es dann um das Montieren, Verschließen, Spannen und Demontieren. Auch die Montage- und Demontagedauer wurde gemessen. Dann sammelten die Techniker bergauf und bergab subjektive Fahreindrücke mit verschiedenen Autos, und zwar mit und ohne Schlupfregelung. "Hier ging es beispielsweise um Spurhaltung, Anfahrverhalten, Lenkradflattern und Seitenführung", sagt Kerbl. Außerdem haben die Techniker Zugkraft, Bremswege und Kettenverschleiß auf unterschiedlicher Fahrbahnbeschaffenheit präzise gemessen.

Eine wesentliche Erkenntnis aus dem Schneeketten-Test: Bei Autos mit elektronischem Stabilitätsprogramm soll diese Funktion während der Verwendung von Schneeketten deaktiviert werden, um die Traktionswirkung zu steigern. "Die Räder müssen sogar durchdrehen, damit das Auto vorwärts kommt. Das ESP würde dem entgegenwirken und somit die Zugkraft schmälern", so Kerbl. "Unbedingt die ESP-Taste betätigen, weil die elektronische Fahrhilfe sonst gegen die
Schneekette arbeitet."

Fünf ultimative Schneeketten-Tipps von ÖAMTC-Techniker Kerbl:

  1. Um für den Ernstfall gerüstet zu sein, gehört das Anlegen der Ketten unbedingt einmal im Trockenen und bei Licht trainiert.
  2. Jedenfalls sollte man auch einen Blick in die Betriebsanleitung werfen: Wer entgegen den Hersteller-Bestimmungen Schneeketten anlegt oder falsche Reifendimensionen verwendet, riskiert Schäden am Blech oder an der Radaufhängung. Außerdem können an manchen Fahrzeugen trotz Serienbereifung wegen zu enger Radkästen keine Schneeketten montiert werden. Bei gewissen Fahrzeugmodellen ist der Einsatz sogar ausdrücklich verboten.
  3. Nach der Montage gehört die Kettenspannung vor der Weiterfahrt noch einmal kontrolliert, auch bei Schnellmontagesystemen.
  4. Die Schneeketten nach jeder Verwendung möglichst bald abspülen, trocknen und danach verpacken.
  5. Schneeketten sind kein Ersatz für Winterreifen. Ein anderer Einsatzzweck als das Befahren von Schneefahrbahnen ist nicht zu empfehlen.

An den ÖAMTC-Stützpunkten kann man sich detailliert zum Thema Schneeketten-Kauf beraten lassen . Gibt es Probleme mit dem Montieren, lässt man sich am besten gleich vom Profi zeigen, wie es geht. Bei allen Stützpunkten oder Shops des Clubs kann man auch Schneeketten erwerben.