Sommerreifen-Test 2006

Der große jährliche Reifentest des ÖAMTC

Auf glühend heißen Asphaltböden muss ein und derselbe Reifen genauso viel leisten und Fahrkomfort bieten wie bei Regen in überfluteten Spurrillen. "Selbst im Rallye-Sport gibt es für fast jeden Fahrbahnzustand eigene Reifen, die auf die Temperatur abgestimmt werden. Sommerreifen für den Alltagsverkehr hingegen müssen auf heißem Asphalt genauso wie bei Aquaplaning ihr Bestes geben", erklärt ÖAMTC-Reifenexperte Willy Matzke. 33 Sommerreifen hat der ÖAMTC aktuell getestet. Auf dem Prüfstand waren die Dimensionen 225/45 R 17 (für Autos der gehobenen Mittelklasse wie Mercedes C oder BMW 3) und 185/60 R 14 (für die untere Mittelklasse wie VW Golf 3, Opel Astra, VW Polo, Fiat Punto oder Ford Escort).

Nur vier Reifen erhielten im strengen Prüfverfahren die Bestnote "sehr empfehlenswert", beachtliche 20 allerdings ein "empfehlenswert". Acht der getesteten Sommerpneus sind nur "bedingt empfehlenswert", einer "nicht empfehlenswert". Für die Notenvergabe waren Fahrverhalten auf nasser und trockener Fahrbahn, Außengeräusche, Rollwiderstand (Spritverbrauch) und Verschleiß entscheidend. "Wir haben unsere Auswertung speziell auf die Straßen in Österreich abgestimmt. Daher kann es durchaus sein, dass gleiche Produkte in anderen Testberichten milder beurteilt werden", sagt der ÖAMTC-Reifenexperte.

In der größeren Dimension (225/45 R 17 W,Y bis 300 km/h) heißen die Sieger Bridgestone und Pirelli . "Der neue Michelin Pilot Sport2 und der BFGoodrich G-Force Profiler halten, wie auch der Semperit Direction Sport, zwar merkbar länger, bei Nässe hingegen könnten sie noch besser sein. Daher gibt es auch keine Bestnote", sagt Matzke. Der Vredestein Ultrac ist ein Sieger bei Nässe, hat aber seine Leistung bei trockenen Verhältnissen ein wenig dem Design geopfert. So verspielt er nur knapp einen Spitzenplatz. Ausgewogen ist der neue Conti Sport-Contact 3. "Zu den Spritsparern zählen eindeutig die Neuen von Conti und Michelin. Der Nokian kommt bei Nässe nicht mit, allerdings hatten auch andere mit Hochwasser zu kämpfen", so das Urteil des ÖAMTC-Reifenexperten.

Auch in der zivileren Reifenbreite (185/60 R 14 H bis 210 km/h) setzten sich Pirelli und Bridgestone durch. Ganz dicht dran sind nur Goodyear und Dunlop. Vredestein, Maloya, Semperit, Kleber und vor allem BFGoodrich sind haltbarer, opfern der längeren Laufleistung aber einen Spitzenplatz in der Nässe-Disziplin. "Michelin hat für den Typ Energy eine neue Gummimischung angerührt, sie soll auch Kleber und BFGoodrich aus dem gleichen Konzern nach vorne bringen. Das geschah allerdings zu spät, um den Beweis in unserem Reifentest anzutreten. Sie sind daher nicht in der Wertung", sagt der ÖAMTC-Experte.

Die strengen Testkriterien

Der ÖAMTC ist der österreichische Vertreter im Eurotestpool, zu dem neben den führenden Automobilclubs auch die europäischen Konsumentenverbände gehören. Die Tests finden weltweit bei praxisnahen Bedingungen statt, um das Reifenverhalten bei unterschiedlichsten klimatischen Verhältnissen zu prüfen. "Nur so kann der Konsument den größten Nutzen aus den Reifentests ziehen", sagt der ÖAMTC-Experte.

Alle getesteten Reifen müssen zum Zeitpunkt der Schlussbewertung in ganz Europa bei den Händlern verfügbar sein. Bei allen Reifen handelt es sich um Serienreifen. Neben den objektiven Messungen wird auch den subjektiven Fahreindrücken der routinierten Tester eine große Bedeutung beigemessen. "Der ÖAMTC-Test ist außerdem der einzige weltweit, bei dem auch der Verschleiß unter die Lupe genommen wird", sagt der Reifenexperte des Clubs. "Ein Reifen mit guten Testwerten, der nur 10.000 Kilometer hält, schadet der Umwelt und belastet das Geldbörsel der Autofahrer." Die Reifen von Continental, Semperit, Uniroyal und Barum haben im aktuellen ÖAMTC-Test die niedrigsten Messwerte an möglichen Schadstoffen aus der Produktion.

Mit dem Umrüsten auf Sommerreifen sollte man aus Witterungsgründen unbedingt bis nach Ostern warten. Aber schon jetzt kann der "Wunschreifen" zu günstigen Preisen bestellt werden.

Kaufempfehlung des ÖAMTC-Experten: Pirelli und Bridgestone haben sich in beiden Reifendimensionen an die Spitze gesetzt. Erfahrungsgemäß sind Reifen von Pirelli preiswerter als von Bridgestone. Ebenfalls sehr gut im Test abgeschnitten hat der Vredestein Ultrac (Dimension 225/45 R 17), der besonders auf Nässe überzeugte, allerdings seine Leistung im Trockenen dem Design opfert und deshalb einen Spitzenplatz verspielt.

Alle Infos zum aktuellen Sommerreifen-Test findet man auch hier auf der ÖAMTC Webseite ...

Vorsicht mit neuen Sommerreifen

Achtung: Neu gekaufte Sommerreifen haben noch nicht den vollen Grip. Sie sollten die ersten 200 Kilometer mit mittlerer Geschwindigkeit eingefahren werden, um die Laufflächenoberfläche anzurauen. Dabei sollten schnelle Kurvenfahrten und extreme Bremsmanöver vermieden werden. Beim Reifenumstecken soll man gleich die Gelegenheit zum Check des Reserverades nützen: Je nach Angaben des Herstellers muss etwa bei einem Notrad der Luftdruck doppelt so hoch sein wie bei den montierten Pneus.

Werden die alten Sommerreifen weiter verwendet , müssen Sie vor dem Umstecken auf ihre Einsatzfähigkeit geprüft werden. Dazu gehört neben der Untersuchung auf Risse und Schäden auch ein kritischer Blick auf das Profil. Nähern sich die Reifen mit zwei bis drei Millimetern der gesetzlichen Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern, sollten sie nicht mehr verwendet werden. Der ÖAMTC-Techniker erinnert an die Sicherheitsformel 4 x 4 x 4: Es gilt, immer vier gleiche Reifen mit mindestens vier Millimetern Profil, die nicht länger als vier Jahre im Einsatz gewesen sein sollen, zu verwenden.

Ihren Sommerschlaf halten die Winterreifen am besten auf Felgen liegend übereinander gestapelt oder an der Wand hängend. Starke Sonneneinstrahlung oder Wärmeeinwirkung beschleunigen den Alterungsprozess. Deshalb sollten die Reifen an einem dunklen, kühlen und trockenen Ort gelagert werden, empfehlen die ÖAMTC-Techniker.

Quelle: ÖAMTC

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