Oeamtc tunneltest 2007(Bildquelle: ÖAMTC)

Der ÖAMTC-Tunnel-Test 2007

Jeder fünfte europäische Tunnel fiel durch, Österreichs "Einröhrige" als tickende Zeitbomben

Österreich liegt beim europäischen Tunneltest 2007 insgesamt zwar erneut im Spitzenfeld, die Freude darüber ist aber verhalten. "Das Ergebnis darf nicht über die Blamage hinwegtäuschen, dass wir es fast zehn Jahre nach der Katastrophe im Tauern Tunnel noch immer nicht geschafft haben, endlich die zweite Röhre fertig zu stellen", kritisiert ÖAMTC-Tunnelexperte Willy Matzke. Insgesamt standen beim heurigen Tunneltest 51 europäische Straßentunnel auf dem Prüfstand, acht davon aus Österreich. Jeder fünfte europäische Testkandidat fiel durch. "Eindeutig zu viele in Zeiten moderner Tunnelrichtlinien", sagt der ÖAMTC-Experte.

Insgesamt erhielten 18 der 51 Testkandidaten die Note "sehr gut", elf Tunnel ein "gut", zwölf Röhren ein "ausreichend", "bedenklich" waren immerhin drei Tunnel und sieben erhielten mit "mangelhaft" die rote Karte. Den Testsieger stellt erstmals Kroatien. Platz zwei geht an Deutschland, ein tschechischer Tunnel schafft es auf den dritten Rang und der undankbare, aber verdiente vierte Platz geht an den österreichischen Herzogberg Tunnel. Den letzten Rang eroberten auch beim diesjährigen Test die Italiener. Obwohl es in Italien die meisten Straßentunnel Europas gibt, weigerten sich die Italiener erneut, Tunneltests zuzulassen. "So haben unsere Tester keinen Zugang zu den Tunnel im Kanaltal erhalten, die auf der Haupturlauberroute in den Süden liegen", kritisiert Matzke. Ausnahme ist die südtiroler Brenner Autobahn und die staatliche Straßengesellschaft ANAS. Aber nicht nur Italien, auch Norwegen hat mit drei "mangelhaft" ein erschreckendes Ergebnis eingefahren.

Der ÖAMTC kümmert sich beim Tunneltest gemäß dem Auftrag der EU auch speziell um Behinderte . In fast allen österreichischen Tunnel haben Rollstuhlfahrer die Möglichkeit, über Alarmknöpfe an den Wänden Brandalarm auszulösen oder eine Panne zu melden. Sie werden dann automatisch von Kameras erfasst. Die Fluchtwege über Querschläge (Verbindungen) in die zweiten Tunnelröhren sind auch mit Rollstühlen benutzbar.

Aufrüsten im Tunnelland Österreich

Bei fast allen lebensgefährlichen einröhrigen Autobahntunnel in Österreich sind inzwischen die zweiten Röhren in Bau . Ab den Jahren 2008/2009 werden diese für Katschberg, Tauern, Roppen, Lainberg und den Ganzsteintunnel der Semmering Schnellstraße (S6) bei Mürzzuschlag fertig gestellt. "Verzögerungen gibt es beim Pfändertunnel, die zweite Röhre wird erst heuer begonnen. Das heißt, bitte warten bis mindestens 2012", weiß Matzke. Auch die zweite Röhre des Gleinalmtunnel auf der Pyhrn Autobahn (A9) wurde noch nicht begonnen. Hier versucht man zuerst die Brucker Schnellstraße (S35) bei Bruck an der Mur als Ausweichstrecke fertig zu stellen. "Das Projekt hinkt allerdings dem Bauzeitplan um mehr als ein Jahr nach", sagt der ÖAMTC-Experte. Die einröhrigen Tunnel der Pyhrn Autobahn in Oberösterreich verfügen wenigstens über einen Fluchtstollen, was aber gefährliche Frontalkollisionen auch nicht verhindern kann. Am frühesten wird dort die zweite Röhre des Bocksrucktunnel gebaut werden müssen, weil hier der Berg den alten Tunnel schon gewaltig in die Zange genommen hat. Für den 13 Kilometer langen Arlbergtunnel wird gerade ein gemeinsames Netz an Querstollen mit dem parallel führenden Eisenbahntunnel gebaut, eine zweite Röhre ist dort nicht finanzierbar. "Der Bau der zweiten Röhren in Österreich wir noch mehr als zehn Jahre dauern und erfordert Investitionen in Milliardenhöhe", weiß der ÖAMTC-Tunnelexperte.

Der ÖAMTC gibt Tipps, was jeder Autofahrer schon vor der Einfahrt in den Tunnel aktiv für mehr Sicherheit tun kann:

Vor der Einfahrt in den Tunnel:

  • Tankfüllung überprüfen
  • Sonnenbrille abnehmen
  • Abblendlicht einschalten, Tagfahrlicht alleine reicht wegen fehlender Heckbeleuchtung nicht aus
  • Auf Ampeln und andere Verkehrszeichen achten
  • Radio einschalten und Sender mit Verkehrsfunk einstellen

Im Tunnel gilt:

  • Großen Sicherheitsabstand zum Vordermann halten
  • Höchstgeschwindigkeit einhalten
  • Immer am rechten Fahrbahnrand orientieren, niemals über die Mittellinie fahren
  • Niemals wenden oder rückwärts fahren
  • Nur im Notfall anhalten

Panne, Unfall oder Stau - Keine Panik, so verhält man sich richtig:

  • Warnblinker einschalten
  • Fahrzeug in eine Pannenbucht, auf den Standstreifen oder so nah wie möglich an den rechten Fahrbahnrand lenken
  • Motor abstellen
  • Fahrzeug nur mit Warnweste verlassen und auf den Verkehr achten
  • Rettungskräfte informieren. Dafür immer die alle 200 Meter vorhandenen Notruftelefone und nicht das Handy benutzen. Nur so werden die Überwachungszentralen automatisch alarmiert, gleichzeitig wird der Anrufer durch Videokameras erfasst und die nötigen Hilfsmaßnahmen eingeleitet.
  • Verletzten Personen helfen

" Bricht Feuer aus , möglichst noch aus dem Tunnel fahren", sagt Matzke. "Niemals aber wenden oder rückwärts fahren. Ist eine Ausfahrt nicht mehr möglich, dann das Fahrzeug in einer Pannenbucht, auf dem Standstreifen oder am rechten Fahrbahnrand abstellen." In jedem Fall gilt:

  • Warnblinker einschalten, Motor abstellen und Zündschlüssel stecken lassen
  • Rettungskräfte informieren
  • Das Feuer nur im Anfangsstadium selbst löschen versuchen, ansonsten gilt, den Tunnel so schnell wie möglich über die Notausgänge verlassen.

Einen Informationsfolder für "Sicheres Fahren im Straßentunnel" und der Film "Sicher im Tunnel", entwickelt von ÖAMTC-Verkehrsmanagement und EuroTAP, finden sich zum Download auf der ÖAMTC-Website . Als "virtueller Lenker" erlebt man ganz normale bis brenzlige Tunnelsituationen und erfährt, wie man sich richtig verhält.

Quelle: ÖAMTC

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