Verkehrszeichen-Test : Weniger ist mehr

Lt. Schätzungen ist jedes fünfte Verkehrszeichen überflüssig und trägt nur zur Überforderung der Kraftfahrer bei

Die Idee einer Modellstadt mit möglichst wenig Verkehrszeichen wird nun in Eisenstadt verwirklicht: Unter Aufsicht von ÖAMTC-Experten durchforstete man 2.500 Verkehrszeichen im Stadtgebiet. 400 vermeintlich überflüssige Verkehrsschilder werden nun für fünf Tage (von 25. bis 29. Juni) verhüllt. Nach diesem, von Experten begleiteten, Beobachtungszeitraum werden die Ergebnisse präsentiert. "Wir können dann schon am 2. Juli gemeinsam mit der Stadt mit dem Entfernen überflüssiger Schilder beginnen", sagt Mario Rohracher, Chef der ÖAMTC-Interessenvertretung. Der ÖAMTC fordert seit Jahren, die Zahl der Verkehrszeichen im Straßenraum deutlich zu verringern. Die Flut an Verkehrsschildern und Hinweistafeln überfordert die Kraftfahrer, Fehlreaktionen und Fehlverhalten sind das Resultat. "Wir wollen zeigen, dass Kraftfahrer mit Freiräumen verantwortungsbewusst umgehen können und weniger Schilder mehr Sicherheit auf den Straßen bringen ", ist Mario Rohracher, Chef der ÖAMTC-Interessenvertretung von der Aktion überzeugt.

Bei einer ähnlichen Aktion der deutschen Stadt Selm konnten unter Experten-Beobachtung und reger Bürgerbeteiligung von 600 verhüllten Tafeln 471 entfernt werden. Das entspricht 42,8 Prozent des ursprünglichen Gesamtbestandes. ÖAMTC-Experten gehen davon aus, dass ein Fünftel aller Verkehrszeichen eingespart und zeitgleich die Sicherheit im Straßenverkehr dadurch maßgeblich erhöht werden kann. "Es ist jedenfalls der falsche Weg mit einer Flut an Schildern und Reglementierungen dem steigenden Verkehrsaufkommen in Städten begegnen zu wollen", sagt Rohracher.

Bestes Beispiel für einen "schilderfreien Raum" ist laut Club-Experten der Kreisverkehr . Theoretisch könnte man dem im Kreis Fahrenden per Gesetz automatisch Vorrang einräumen. Ein Verkehrszeichen wäre dann nicht notwendig. Derzeit gilt aber aufgrund des Gesetzes die Rechtsregel, die den Einfahrenden bevorrangt. Daher wird in der Praxis bei den meisten Einfahrten ein "Dreieck" aufgestellt. "Dafür braucht man Verkehrschilder, die man sich eigentlich ersparen könnte", erklärt Rohracher.

"Bringen wird die Aktion allen Verkehrsteilnehmern etwas", ist ÖAMTC-Verkehrspsychologin Dora Donosa überzeugt. Fahranfänger etwa haben aufgrund ihrer mangelnden Fahrerfahrung oft Probleme Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden. Die Fülle an Schildern und Tafeln kommt dann erschwerend hinzu. Für ältere Verkehrsteilnehmer wiederum bedeutet die überhandnehmende Informationsflut zunehmende Überforderung. "Die Aufnahmekapazität des Menschen ist begrenzt. Blickfelduntersuchungen zeigen, dass es für einen Fahrzeuglenker praktisch unmöglich ist, mehr als drei Verkehrszeichen gleichzeitig wahrzunehmen und zu verarbeiten. Selbst dann, wenn die Schilder beim Annähern mehr als zwei Sekunden im Sichtbereich liegen", erklärt die ÖAMTC-Expertin.

Neben den Verkehrsschildern muss auch die restliche Verkehrssituation im Auge behalten werden. Gibt es zu viele Schilder, werden wichtige Informationen leicht übersehen. Fehlentscheidungen und Fehlverhalten sind das Resultat. "Man ist einfach mit der Selektion überfordert und läuft Gefahr, vor lauter Schildern den Verkehr nicht mehr zu überblicken", sagt Donosa.  

Verhüllt werden im Testzeitraum Verkehrszeichen im Zentrum von Eisenstadt. Konkret im Bereich der Joseph-Haydngasse, Permayer-Straße, Bürgerspitalgasse, Krautgartenweg, Feldstraße, Ödenburger-Straße, Lobzeile, Bahnhofsplatz, Laschober-Straße, Ruster Straße bis Esterhazyplatz und die Ruster Straße bis zur Bergkirche. Nur das notwendige Minimum an Verkehrszeichen soll unverhüllt bleiben: Stop-Schilder, Vorrang und Nachrang-Tafeln, Einbahnen, verkehrsberuhigte Zonen, Geschwindigkeitsbeschränkungen und Wegweiser sind generell ausgenommen.

Quelle: ÖAMTC

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