Hitze verstärkt Aggressionen im Straßenverkehr

Ursachen für emotionale Entgleisungen und Tipps zum Gegensteuern.

Streitereien auf offener Straße, entnervtes Hupen, unfeine Gesten, waghalsiges Überholen. "Die heißen Sommertage schlagen sich erkennbar im Verhalten der Kraftfahrer nieder", sagt ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger. Alltägliche Aggressionen , die im Straßenverkehr stattfinden, werden durch Hitze verstärkt oder können durch hohe Temperaturen und langes Autofahren in aufmerksamkeitsfordernden Bereichen (z.B. in verkehrsstarken fremden Städten) leichter entstehen. Verstärkt wird das Phänomen noch zusätzlich durch mangelnde Flüssigkeitszufuhr . "Trinkt man zu wenig, wird das Blut eingedickt und damit die Sauerstoffversorgung der Zellen verschlechtert , was eine Abnahme der Konzentrationsfähigkeit mit sich bringt", erklärt ÖAMTC-Mediziner Heimo Vedernjak. Bei einem Flüssigkeitsverlust von nur zwei Prozent des Körpergewichtes ist die Ausdauerleistungsfähigkeit schon deutlich bis 25 Prozent vermindert . Man wird müde, neigt zu Fahrfehlern, das Unfallrisiko und die Aggressionen können steigen und man wird auch angriffslustiger.
 
Sicht- und hörbar wird aggressives Verhalten durch vandalische Handlungen - beispielsweise Auto zerkratzen , Scheibe einschlagen, Tritte und Schläge gegen das Auto. "Schon die kleinsten Lappalien können Auslöser für verbale und handgreifliche Auseinandersetzungen auf offener Straße sein", sagt die ÖAMTC-Expertin. Missgeschicke anderer Verkehrsteilnehmer werden als persönliche Provokation und Angriff bewertet. Aggressionen entstehen nicht aus dem Nichts, sie werden durch bestimmte Faktoren ausgelöst. Das können Negativ-Gefühle wie räumliche Enge, Angst und Stress sein. Aber auch Alkoholkonsum oder ein Gruppeneinfluss kann Aggressionen hervorrufen oder verstärken. "Im Straßenverkehr zeigt sich außerdem besonders deutlich, dass Menschen durch die Anonymität und die Kürze der Begegnungen ihre Aggressionen leichter ausleben", so Seidenberger.
 
Oft trifft die Aggression nicht den Auslöser, sondern eine andere Person oder einen Gegenstand. "Beispielsweise kommt es vor, dass man Frust aus dem Büro mit auf die Nachhausefahrt nimmt und seinen Ärger rascher durch Schimpfen, Hupen oder aggressiven Fahrstil zeigt", sagt die ÖAMTC-Verkehrspsychologin. Die gute Nachricht: Jeder kann mit der generellen Verminderung von Aggressionen im Straßenverkehr bei sich selbst anfangen.
 
ÖAMTC-Tipps, um den Aggressionspegel möglichst niedrig zu halten

  • Nicht alle Verhaltensweisen anderer als persönlichen Angriff werten.
  • Sich für Fehlverhalten auch mal entschuldigen können
  • An der eigenen Nase nehmen: Bin ich etwa selber auf "Durchsetzung" und "Gewinnen" programmiert?
  • Sich selbst auf das Fahren konzentrieren und Nebenbeschäftigungen (Handy, Computer, Navi programmieren etc.) unterlassen
  • Streit im Auto vermeiden
  • Sich nicht zu viele Termine aufhalsen und so die eigene Überlastung reduzieren
  • Keinen Alkohol oder Drogen konsumieren
  • Körperlichen Ausgleich zum langen Sitzen suchen (Bewegung, Sport)
  • In einer Konfliktsituation eine offene Kommunikation ohne Schimpfen und Beleidigungen suchen
  • Versachlichung fördern und Emotionalität dämpfen
  • Sofortiges Dampf ablassen sorgt möglicherweise kurzfristig für einen Gleichgewichtszustand, kann jedoch zu einer neuerlichen Aggressionsspirale führen ("Wie man in den Wald hineinruft...").

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