Richtige Fahrweise bei Eis und Schnee kann man üben

Auf Eis heißt es um 70 Prozent langsamer zu fahren, damit noch ein
Sicherheitspolster bleibt

Nässe, Schnee und Eis verlangen den Autofahrern im Winter alles ab. "Wer bei schlechten Fahrbahnbedingungen mit dem Auto fährt, muss unbedingt bedenken, wie dramatisch sich der Bremsweg im Vergleich zur trockenen Straße verändert", warnt ÖAMTC-Fahrsicherheitsinstruktor Franz Fabian. "Da ist 'Snow-how' gefragt, um mit dem Auto sicher unterwegs zu sein." Der Club-Experte gibt zwei Beispiele:

Vergleich Winter- und Sommerreifen
Bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h auf Schneefahrbahn beträgt der Bremsweg mit neuen Winterreifen zirka 46 Meter. Wer noch mit Sommerreifen unterwegs ist, muss bereits mit mehr als 70 Metern rechnen. Und bei 80 km/h kommt das Auto erst nach mehr als 70 bzw. 112 Metern zum Stehen. Auf Eisfahrbahn kann sich der Wert im Vergleich zur Schneefahrbahn noch einmal verdoppeln. "Wer vor einer roten Ampel oder einem Zebrastreifen halten muss, wird das bei falsch gewählter Geschwindigkeit oder Bereifung nicht mehr schaffen, weil es dort besonders glatt ist", so der Club-Experte.

Ein theoretisches Extrembeispiel:
Bei Tempo 100 beträgt der Bremsweg mit Sommerreifen und ABS auf trockener Straße im Mittelwert 37 Meter. Auf Eisfahrbahn kann sich der Bremsweg mit der gleichen Bereifung um das 9,5-fache erhöhen. Das sind theoretisch rund 352 Meter. "Für diese Strecke braucht man zu Fuß fast vier Minuten", erklärt der ÖAMTC-Experte. Selbst bei Winterreifen mit der besseren Haftung als Sommerreifen würde der Bremsweg noch zirka 296 Meter betragen.

Diese Beispiele, bei denen die Reaktionszeit (üblicherweise ist das rund eine Sekunde) nicht eingerechnet wurde, liefern nur grobe Anhaltswerte. Denn jeder Reifen und jedes Auto bremst anders. "Trotzdem ist deutlich ersichtlich, wie gefährlich sich der Bremsweg bei unterschiedlicher Bereifung und Fahrbahnverhältnissen verändert", erklärt Fabian.

Die richtige Fahrweise bei winterlichen Bedingungen

Bei winterlichen Straßenverhältnissen ist eine angepasste Fahrgeschwindigkeit und vorausschauendes Fahren deshalb das Gebot der Stunde. "Bei besten Bedingungen kann man auf einer trockenen Freilandstraße 100 km/h fahren. Wenn die Fahrbahn nass ist, sollte man seine Geschwindigkeit bereits um ein Drittel reduzieren. Bei Schneefahrbahn heißt es die Geschwindigkeit halbieren und auf Eis muss man schon um 70 Prozent langsamer fahren, damit noch ein Sicherheitspolster bleibt", empfiehlt der ÖAMTC-Experte.

Weitere Grundvoraussetzungen für eine sichere Fahrt im Winter sind weiches und sanftes Lenken sowie ein gefühlvoller Umgang mit Bremse und Gas . "Viele Autos sind heute zwar bereits mit modernster fahrerunterstützender Sicherheitselektronik ausgestattet, aber auch Antiblockiersysteme oder Stabilitätsprogramme können die Grenzen der Physik nicht überwinden", sagt Fabian.

Das richtige Verhalten bei winterlichen Fahrverhältnissen kann man z.B. beim Training in einem der neun ÖAMTC-Fahrsicherheitszentren üben. "Rund 80 Prozent der Kursinhalte beschäftigen sich damit, so schnell und sicher wie möglich zum Stillstand zu kommen. Geübt wird die optimale Bremstechnik auf unterschiedlichen Fahrbahnverhältnissen mit verschiedenen Geschwindigkeiten", so der Club-Experte.

Ziel des Trainings ist auch die Verbesserung der Reaktionszeit sein. Durch wiederholtes Üben wird das richtige Handlungsmuster automatisiert und im Kopf abgespeichert. Wenn es notwendig ist, kann das optimierte Fahrverhalten dann intuitiv abgerufen werden. "Ein gut trainierter Formel 1-Pilot hat eine Reaktionszeit von unter einer Zehntelsekunde. Diesen Wert können wir zwar nicht erreichen, aber eine deutlich bessere Reaktionszeit, die um die 0,3 Zehntelsekunden liegt, ist möglich", sagt der ÖAMTC-Fahrsicherheitstrainer abschließend.

Auf der ÖAMTC-Website finden sich neben dem gesamten Kursangebot auch die Adressen aller ÖAMTC-Fahrsicherheitszentren. Dort können die Fahrsicherheitstrainings mittels Online-Buchungssystem "Check-In" auch gleich gebucht werden.

Quelle: ÖAMTC

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