Viele Autofahrer haben Angst vor einer Vollbremsung

Falsches Bremsverhalten ist häufige Unfallursache

Im Vorjahr gab es auf Österreichs Straßen 9.776 Auffahrunfälle mit 13.723 Verletzten und 50 Toten. Damit sind ein Viertel aller Unfälle mit Personenschaden und Verletzten Auffahrunfälle . Die Hauptursache neben Unaufmerksamkeit und zu geringem Sicherheitsabstand ist auch falsches Bremsverhalten. "Wenn es brenzlig wird, muss man schlagartig und mit aller Kraft bremsen. Den Druck muss man während des gesamten Bremsvorgangs halten und sogar erhöhen. Gleichzeitig gehört bei Fahrzeugen ohne Automatikgetriebe die Kupplung getreten, damit der Motor die Fahrzeugstabilität nicht beeinträchtigt oder man ihn abwürgt", erläutert Gerhard Blümel, Leiter des ÖAMTC-Fahrsicherheitszentrums Teesdorf.

Viele Fahrzeuglenker vergeuden kostbaren Bremsweg durch eine zögerliche Reaktion. Sie treten nur zaghaft auf das Bremspedal und steigen erst dann in die Eisen, wenn es schon wirklich gefährlich wird. Häufig passiert das etwa im Kolonnenverkehr, wenn man zu spät erkennt, dass die vorderen Fahrzeuge schon zum Stillstand gekommen sind. Oder bei Fußgängern, die plötzlich die Fahrbahn überqueren. "Schon dann kraftvoll bremsen, wenn es kritisch werden könnte. Den Druck aufs Bremspedal kann man immer noch vermindern, wenn die Situation nicht so gefährlich ist wie befürchtet", rät der ÖAMTC-Experte.

Die Erfahrung in den ÖAMTC-Fahrsicherheitszentren zeigt, dass selbst Autofahrer mit langer Erfahrung sich oft schwer tun, auf Anhieb einen guten Anhalteweg zu erzielen . Mit ein Grund ist die Reaktionszeit . Reagiert man bei 50 km/h nur für eine Sekunde zu spät, legt man eine Strecke von ca. 13 Metern zurück. Das ist genau die Weglänge, die man zum Stehen bleiben benötigen würde. Problematisch wird es bei langen Fahrzeiten - Müdigkeit und nachlassende Konzentration verlängern die Reaktionszeit. "In einer Notsituation kann Konzentration und schnelles, aber richtiges Reagieren entscheidend sein", sagt Blümel. Deshalb bei längeren Fahrten die Fahrweise anpassen und öfters Pausen einlegen.

Wahl der richtigen Reifen ist für den Bremsweg entscheidend

Große Bedeutung beim Bremsen kommt auch den Reifen zu, die die einzige Kontaktstelle zur Fahrbahn darstellen. "Die Fahrbahnverhältnisse kann man nicht ändern, die Reifen schon", sagt der ÖAMTC-Experte und gibt ein Beispiel. Bei einem Bremstest des ÖAMTC sind ein Fahrzeug mit Sommerreifen und ein weiteres mit gebrauchten Winterreifen, wie sie oft auch im Sommer gefahren werden, angetreten. Das Auto mit den Winterreifen hat aufgrund seiner weicheren Gummimischung einige Wagenlängen mehr gebraucht, bis es zum Stehen gekommen ist . Bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h steht das Fahrzeug mit Sommerreifen auf trockener Fahrbahn nach ca. 42 Metern. Das andere Auto passiert die Stelle noch mit einer Restgeschwindigkeit von deutlich über 30 km/h. In der Praxis kann das einen Auffahrunfall bedeuten.

Die beste Bremsanlage ist nur so gut wie der Mensch hinter dem Steuer. Er muss wissen, was seine technischen Helfer leisten und was nicht. Das richtige Verhalten in Notsituationen kann man beim Training in einem der neun ÖAMTC-Fahrsicherheitszentren üben. "Rund 80 Prozent der Kursinhalte beschäftigen sich damit, richtig zu bremsen. Man lernt das Gefühl einer Vollbremsung kennen und Vertrauen in die Technik zu entwickeln", so der Club-Experte. Geübt wird mit dem eigenen Fahrzeug, auf dem Stundenplan stehen unter anderem die optimale Bremstechnik sowie die Wirkung elektronischer Sicherheitseinrichtungen. Das Training findet auf verschiedenen Fahrbahnverhältnissen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten statt. Infos zu den Fahrsicherheitstrainings gibt es unter  www.oeamtc.at/fahrsicherheit .

Quelle: ÖAMTC

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