Wie sicher ist das Fahren per Autopilot wirklich?

Erstmals gab es jetzt einen tödlichen Autounfall mit einem per Autopilot gesteuerten Fahrzeug. Wird dies das Vertrauen der Autofahrer in die neue Technik nachhaltig erschüttern?

Viel Wirbel rund um das Thema "autonomes Fahren" gibt es derzeit aufgrund des ersten tödlichen Unfalls mit einem per Autopilot gesteuerten Tesla Model S. Wir fragen uns dabei: Was ist da jetzt so unglaublich, und haben die Menschen in den letzten 120 Jahren nichts dazu gelernt?

Im August 1896 passierte in London der erste Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang, dabei wurde eine Fußgängerin von einem PKW erfasst und getötet. Der Richter sagte damals zum Abschluss des Verfahrens, er hoffe, dass so etwas nie wieder passieren werde. Ein frommer Wunsch, der sich nach 120 Jahren als sehr niedliche Ansichtsweise der Thematik darstellt.

Per Definition ist ein Unfall ja ein plötzlich von außen und unfreiwillig einwirkendes Ereignis, das nicht abwendbar ist. Warum also sollte es mit autonom fahrenden Autos keine Unfälle mehr geben? Viele Hersteller behaupten ja, dass durch autonom fahrende Autos in naher Zukunft keine Menschen mehr bei Autounfällen sterben werden. Wer diese Aussagen glaubt, der glaubt auch an die Wahlversprechen von Politikern, den Weihnachtsmann und den Osterhasen. Nur weil ein Computer mit verschiedenen Sensoren ein Auto bewegen kann, heißt es noch lange nicht, dass er keine Fehler macht, wie auch der jetzige Fall gezeigt hat. Aus eigener Erfahrung können wir sagen, dass die Kollisionswarnsysteme mindestens so oft falschen Alarm schlagen, wie richtigen.

Bestes Beispiel ist ein sich ändernder Straßenverlauf, bei dem auf einmal eine Reihe parkender Autos vor einem steht - kein System hat noch erkannt, dass sich der Straßenverlauf ändert und die geparkten Autos schon ihre Richtigkeit haben, stattdessen wird mit Piepsen und leuchtenden Signalen vor einer drohenden Kollision gewarnt. Die Systeme werden in den nächsten Jahren sicher weiter verbessert, Unfälle ausschließen kann man aber dennoch mit Sicherheit nie. Weder der beste Fahrer der Welt, noch der beste Autopilot der Zukunft werden es schaffen, 100 Prozent aller möglichen Unfälle zu vermeiden. Wenn 10 Meter vor einem der entgegen kommende LKW-Fahrer einen Herzinfarkt hat und der LKW frontal auf einen zukommt, hilft weder die beste Fahrausbildung noch der aufwändigste Autopilot etwas, das ist einfach Schicksal und kann durch nichts und niemanden beeinflusst werden.

Der Autopilot kann das Fahren natürlich erleichtern und wird in Zukunft sicher noch stärker zum Einsatz kommen. Dass er aber Unfälle unmöglich macht, ist ebenso absurd wie die Hoffnung des Richters vor 120 Jahren, es möge zu keinem weiteren tödlichen Autounfall mehr kommen.

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