Crashtest mit zwei Autos liefert ernüchterndes Ergebnis

Fünf-Sterne-Autos schnitten im Test viel schlechter ab, als beim Aufprall auf statisches Hindernis.

Das Sicherheitsniveau moderner Pkw hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert - nicht zuletzt durch umfangreiche Verbraucherschutz-Tests. Die Fahrzeuge erfüllen in hohem Maß die Anforderungen der Euro NCAP-Frontaufprall-Tests. Diese geben Aufschluss über den Eigenschutz eines Fahrzeuges, also über die Sicherheit bei Alleinunfällen. Um herauszufinden, wie sicher der Passivschutz in der realen Unfallsituation Auto gegen Auto ist, führt der ÖAMTC mit seinen Partnerclubs Kompatibilitätstests durch.

Beim jüngsten ÖAMTC-Kompatibilitätstest wurden zwei moderne 5 Sterne-Fahrzeuge - ein Peugeot 308 und ein Ford Fiesta - mit 56 km/h und rund 40 Prozent Überdeckung gegeneinander gefahren. Vorangegangene Fahrvermessungen hatten gezeigt, dass die Geometrien der beiden Fahrzeugfronten nicht optimal zusammenpassen. "Aus der Unfallforschung wissen wir, dass Autoinsassen oftmals verletzt werden, weil sich beim Zusammenstoß von zwei Fahrzeugen die tragenden Strukturen der Autos verfehlen", sagt ÖAMTC-Cheftechniker Max Lang.

Erwartungsgemäß ernüchternd fiel das Testergebnis aus. Beim Euro NCAP wurde das Verletzungsrisiko der Fahrer für Peugeot 308 und Ford Fiesta noch mit gering (Brust und Unterschenkel) bis sehr gering (Becken, Oberschenkel und Kopf) eingestuft. Im ÖAMTC-Kompatibilitätstest stellte sich die Situation anders dar. Das Verletzungsrisiko steigert sich demnach besonders im Bereich von Brust, Becken und Oberschenkel. Beim Peugeot konnte die Fahrertüre nur mehr mit Bergewerkzeugen geöffnet werden. "Im Falle eines Unfalles erschwert das die Rettung der Insassen erheblich", weist der ÖAMTC-Techniker auf eine weitere Problematik hin.

In diesem ÖAMTC-Kompatibilitätstest zeigte sich einmal mehr, dass das Zusammenspiel von zwei Fahrzeugen und das Vorhandensein eines großen Schutzschildes an der Fahrzeugfront immer wichtiger wird. Bei den beiden im Test kollidierten Fahrzeugen haben sich die eigentlichen Crashstrukturen verfehlt und die Belastung wurde an Stellen in das Fahrzeug eingeleitet, die nicht für diese Last ausgelegt ist. "Viele Autos haben bei der Kompatibilität noch großen Aufholbedarf", sagt ÖAMTC-Cheftechniker Lang.

Deshalb fordert der ÖAMTC die Autohersteller auf, bei der Planung der Autos mehr Augenmerk auf die Gestaltung der Frontstrukturen zu legen, besonders:

  • auf die geometrische Anpassung der Frontstrukturen der Pkw untereinander
  • die Ausweitung der crashrelevanten Strukturen über die gesamte Fahrzeugbreite
  • die Anpassung der Steifigkeiten in den Frontpartien der Pkw, was besonders bei Unfällen von großen mit kleinen Autos entscheidend ist.