Crashtest mit und ohne Gurt zeigt dramatische Unterschiede

Aufprall ohne Gurt bei 30 km/h kann bereits massive Verletzungen verursachen.

Rund die Hälfte aller Kollisionen sind Frontalunfälle. "Dieser Unfalltyp hat damit im realen Unfallgeschehen die größte Relevanz", sagt ÖAMTC-Cheftechniker Max Lang. Aus diesem Grund hat der ÖAMTC Frontalcrashs mit angeschnallten und unangeschnallten Dummys , jeweils auf Fahrersitz und Rückbank, durchgeführt. Die gewählte Testgeschwindigkeit für den Aufprall betrug 30 km/h. Da bei dieser Aufprallgeschwindigkeit noch nicht bei allen Fahrzeugen der Airbag ausgelöst wird, wurde im Versuch auf Airbags verzichtet.

Und das zeigte der Test: Wer sich nicht anschnallt, setzt sich bereits bei 30 km/h einer erhöhten Verletzungsgefahr aus. "Der Aufprall entspricht in etwa einem Sturz aus vier Metern Höhe im freien Fall ", beschreibt der ÖAMTC-Techniker die Kräfte, die auf Fahrer und Mitfahrer wirken. Ein Gurtmuffel muss auch bei geringer Geschwindigkeit mit schweren Verletzungen in Nacken-, Brust-, Kopf- und Kniebereich rechnen, wenn sein Wagen gegen ein Hindernis prallt. Außerdem wird die Gefahr, die von einem unangeschnallten Mitfahrer auf dem Rücksitz ausgeht, vielfach unterschätzt. Der gefährdet nämlich nicht nur sich selbst, sondern fügt durch seinen Aufprall auf den Vordersitz auch dem Fahrer Verletzungen zu. "Der Fahrzeuggurt ist keine Spaßbremse , sondern ein Muss für alle Insassen", betont der ÖAMTC-Cheftechniker.

Das Anschnallverhalten der Österreicher im Pkw

Frauen sind generell risikobewusster als Männer. Am Fahrersitz schnallen sich 92 Prozent der Frauen (Männer: 88 Prozent) an, am Beifahrersitz 93 Prozent der Frauen (Männer: 81 Prozent). "Dass auch auf der Rückbank Gurtpflicht besteht, ist noch nicht in das Bewusstsein aller Menschen vorgedrungen", sagt der ÖAMTC-Techniker. Nur rund 52 Prozent der Frauen und 46 Prozent der Männer schnallen sich im Fond an. Im Jahr 2007 verunglückten insgesamt 1.361 Pkw-Lenker ohne Gurt, 130 von ihnen wurden dabei getötet, 320 schwer verletzt (alle Zahlen Statistik Austria bzw. KfV, 2007). "Kurz gesagt trugen 33 Prozent der Unfalllenker ohne Gurt schwere bzw. tödliche Verletzungen davon", resümiert Lang.

Die Ergebnisse des ÖAMTC-Crashtests im Detail

1. Versuch: Fahrer und Mitfahrer (dahinter auf Rückbank), beide angeschnallt

85 Tausendstel-Sekunden (ms) nach dem Aufprall: Die Knie des Fahrers berühren das Armaturenbrett, die Eindringtiefe ist minimal, das Verletzungsrisiko gering. Auch die Knie des Mitfahrers haben ausreichend Abstand zum Vordersitz. Verletzungsrisiko gering. / Nach 130 ms: Der Fahrer erreicht die maximale Vorverlagerung, der Gurt hält ihn zurück. Die Köpfe von Fahrer bzw. Beifahrer bleiben auf Distanz zum Lenkrad bzw. zum Vordersitz. / Nach 250 ms: Beide Insassen sitzen wieder aufrecht. Die Belastungen waren gering, etwaige Verletzungen würden nur leicht ausfallen.

2. Versuch: Fahrer angeschnallt, Mitfahrer dahinter nicht angeschnallt

Nach 85 ms: Die Knie des Fahrers berühren das Armaturenbrett, die Eindringtiefe ist minimal, das Verletzungsrisiko gering. Beim Gurtmuffel am Rücksitz treffen die Knie auf das harte Gestänge in der Sitzlehne, erhöhtes Verletzungsrisiko. / Nach 155 ms: Der Hintermann schlägt mit Kopf, Hals und Brust auf dem Fahrersitz auf und schiebt diesen nach vorne. Dadurch wird auch der Fahrer nach vorne geschoben, sein Kopf berührt bereits das Lenkrad. Fazit: Steigendes Verletzungsrisiko auch für den angeschnallten Fahrer. / Nach 300 ms: Der Hintermann ist mit dem Kopf zwischen Kopfstütze des Vordersitzes und Autodach eingeklemmt. Der Fahrer bewegt sich in seine Ausgangsposition zurück, die beiden Insassen schlagen mit den Köpfen zusammen.

3. Versuch: Fahrer unangeschnallt, alleine im Auto

Nach 70 ms: Die Knie des Fahrers berühren mit 25 km/h das Armaturenbrett - deutlich erhöhtes Verletzungsrisiko für Knie und Oberschenkel. / Nach 95 ms: Die Brust trifft mit 30 km/h auf den unteren Lenkradkranz, die Folge wären schwere Brustverletzungen und Rippenbrüche. / Nach 105 ms: Das Kinn des Fahrers knallt gegen den oberen Lenkradkranz, die Stirn durchschlägt die Frontscheibe, mittelschwere Kopfverletzungen können die Folge sein. / Nach 120 ms: Der Hals des Fahrers trifft auf den oberen Lenkradkranz. Die dabei gemessenen Nackenbelastungen lassen bereits auf ein sehr hohes Verletzungsrisiko schließen - die lokale Krafteinleitung über den Kehlkopf des Fahrers verschärft die Situation aber zusätzlich.

"Bei unseren Tests wurde das Auto jeweils bei 30 km/h gecrasht . Man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, welche Folgen ein Aufprall bei höherer Geschwindigkeit hat. Jeder Fahrer sollte daher nicht losfahren, bevor er und alle Insassen im Auto angeschnallt sind ", sagt ÖAMTC-Cheftechniker Lang abschließend.

Quelle ÖAMTC

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