Gurt und Airbag : Schutz nur bei richtigem Sitzen

"Herumlümmeln" im Auto kann böse Verletzungen zur Folge haben

Die Fahrt in den Urlaub kann lang und anstrengend sein. Lockerer Gurt, hochgelagerte Beine am Armaturenbrett, schlafende Kinder im Kindersitz - Lässigkeit im Fahrzeug kann zum tödlichen Verhängnis werden . Der ÖAMTC hat vor Ferienbeginn zwei Pkw, besetzt mit zwei Erwachsenen- und zwei Kinderdummies, einem Vergleichstest unterzogen: Einmal waren die Dummies korrekt und einmal fehlerhaft gesichert. "Wie dramatisch sich Fehler bei der Sicherung auswirken können, zeigte sich dann im Crashlabor, als es mit 64 km/h so richtig knallte", sagt ÖAMTC-Cheftechniker Max Lang. "Die Überlebenschancen der Insassen beider Crashtests unterscheiden sich gewaltig."

Im mangelhaft gesicherten Fahrzeug vertraute der Fahrer auf die Wirkung des Airbags und verzichtete auf den Gurt. Der Beifahrer war zwar angeschnallt, legte aber die Beine aufs Armaturenbrett , sodass die Füße direkt auf dem Airbag lagen. Im Fond wurde ein Dummy in einer Babyschale transportiert, bei der - wie häufig in der Praxis zu beobachten ist - die Becken- und Schultergurte vertauscht waren. Beim zweiten Kind simulierten die Tester, dass es eingeschlafen und seitlich aus dem Schultergurt herausgerutscht war.

Im Crashlabor wurde die Lässigkeit zur Todesfalle

Im Crashtest nimmt das Drama seinen Lauf. Der Kopf des unangegurteten Lenkers verfehlt beim Aufprall den Airbag und schlägt hart an das Dach und gegen die Frontscheibe. "Der Airbag allein kann keinen Schutz bieten", sagt Lang. Ähnlich beeinträchtigt ist die Schutzwirkung beim Beifahrer: "Da sich der Airbag wegen der aufgesetzten Füße nicht korrekt öffnen kann, sprengt dieser in Sekundenbruchteilen das Handschuhfach und presst die Beine und Füße des Beifahrers mit voller Wucht gegen die Frontscheibe", erklärt der ÖAMTC-Cheftechniker. Ein Fuß bohrt sich durch das Glas. Der Beckengurt rutscht, unterstützt durch die flache Lehnenstellung, hoch und schneidet sich tief in den Bauch. "Die hohen Belastungen sind ein Beleg für schwerste Verletzungen", sagt Lang.

Auch dem Dummy in der falsch gesicherten Babyschale geht es nicht gut. "Die Videoanalyse zeigt, wie die Babyschale völlig unkontrolliert aus dem Fahrzeug geschleudert wird. Das stellt in der Realität ein unabschätzbares Risiko dar", sagt der ÖAMTC-Experte. Beim eingeschlafenen Kind im Kindersitz fehlt der seitliche Halt der Rückenlehne. Im Crash dreht sich das Kind aus dem Gurt. Der Schultergurt kann den Oberkörper nicht zurückhalten, daher wird die ganze Last über den Beckengurt auf die inneren Organe in der Bauchgegend übertragen. "Das kann in der Praxis schwerste innere Verletzungen zur Folge haben und lässt Schlimmeres befürchten", weiß Lang.

Auto ist das beliebteste Reisemittel für Familien

Für Urlaubsfahrten mit der Familie ist das Auto im Vergleich zu Bahn und Flugzeug nach wie vor das kostengünstigste und beliebteste Verkehrsmittel. Gleichzeitig ist die Fahrt mit dem Auto immer noch mit dem größten Risiko behaftet. "Umso mehr verwundert es, dass so viele Dinge in Bezug auf Sicherheit im Auto falsch gemacht werden", sagt Lang.

Der Appell des ÖAMTC-Experten: Alle Sicherheitseinrichtungen im Auto optimal ausnutzen, bestenfalls vorher in der Bedienungsanleitung des Autos nachsehen. "Dort findet man gute Hinweise über die richtige Sitzposition , die optimale Gurthöheneinstellung und den Mindestabstand zum Airbag ", so der Cheftechniker des Clubs. Beim Kauf von Kindersitzen sollte man sich beraten und vor Ort zeigen lassen, wie der Sitz in das Fahrzeug eingebaut werden muss.

Quelle: ÖAMTC

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