Mopedautos schneiden bei der Sicherheit schlecht ab

Trotz eines relativ hohen Neupreises lässt das Sicherheitsniveau im Vergleich mit Pkw deutlich zu wünschen übrig

Leichtkraftfahrzeuge können moderne Sicherheitsansprüche nicht erfüllen. Dies ergab ein gemeinsames Unfallforschungsprojekt des Allianz Zentrum für Technik (AZT) und des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Ausgestattet sind sie oft wie ihre großen Brüder: mit elektrischen Fensterhebern, Zentralverriegelung und CD-Playern. Doch in punkto Sicherheit können sie ihnen nicht annähernd das Wasser reichen. Vermutlich ist den wenigsten Mopedauto-Lenkern bewusst, dass die Gefahr ihr ständiger Begleiter ist. So hat etwa das Kuratorium für Verkehrssicherheit errechnet, dass Leichtkraftfahrzeuge rund zehn Mal so gefährlich sind wie Pkw oder sogar Mopeds.

Die Testergebnisse sprechen eine nur allzu deutliche Sprache: Mit der passiven Sicherheit der so genannten "Mopedautos" ist es aufgrund ihres niedrigen Gewichts nicht weit her. Ein autoähnliches Fahrzeug, das nur ein paar hundert Kilogramm wiegen darf, kann modernen Sicherheitsansprüchen nicht genügen. Das ist die Erkenntnis eines Forschungsprojekts, das die Unfallforschung der Versicherer im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) 2005 gemeinsam mit dem Allianz Zentrum für Technik (AZT) initiiert haben.

Die Leicht-Pkw spielen auch in Österreich eine zunehmende Rolle im Straßenverkehr. Hierzulande sind rund 16.000 Leichtkraftfahrzeuge zugelassen , in Europa insgesamt 300.000. Sie werden überwiegend von älteren Personen benutzt . Dabei sind die Führerscheinanforderungen niedriger als für Pkw. Leichtkraftfahrzeuge dürfen ab 16 Jahren gefahren werden, sind jedoch für die Zielgruppe der Jugendlichen momentan weniger interessant; nicht zuletzt wegen des hohen Neupreises , der zum Teil deutlich über 10.000 Euro liegt.

Um das Sicherheitsniveau dieser Fahrzeugklasse zu bestimmen, haben das Allianz Zentrum für Technik und die GDV-Unfallforschung neben den physikalischen Grundlagen auch die passive Sicherheit anhand von Crashtests untersucht. Bei so genannten Low-Speed-Tests wurden unter anderem die Sitze nach dem international anerkannten IIWPG-Test (International Insurance Whiplash Prevention Group) untersucht. Das Resultat war niederschmetternd: Die Sitz-Kopfstützenkombination des getesteten Kleinfahrzeugs war deutlich schlechter als die "richtiger"
Kleinwagen.

Auch beim so genannten RCAR-Test (Research Council for Automobil Repairs), der normalerweise für die GDV-Typklasseneinstufung durchgeführt wird, schnitten die "Kleinen" katastrophal ab. Während gute Kleinwagen beim Heckcrash Reparaturkosten von 1.000 bis 1.500 Euro verursachen, sind bei den beiden getesteten Leichtkraftfahrzeugen Kosten von 5.600 bzw. 6.200 Euro entstanden, was mehr als 50 Prozent des Fahrzeugneupreises ausmacht. Zudem sind durch das schlechte Ansprechverhalten der Gurte beim Frontcrash schon bei geringen Testgeschwindigkeiten von 15 km/h Verletzungen von Insassen nicht auszuschließen .

Bei den High-Speed-Tests (Front und Seite) nach der Norm ECE R-94/95 waren die Fahrzeuge hinterher ebenfalls in einem problematischen Zustand. Die Messwerte der Dummys waren jedoch überwiegend im unkritischen Bereich. Bei einem Zusammenstoß mit einem deutlich schwereren Fahrzeug sähe das ganz anders aus. Die Insassen des Leichtkraftfahrzeuges hätten dann kaum noch eine Überlebenschance.

Die Unfallforscher des AZT und des GDV bewerten das Sicherheitsniveau nach Abschluss der Forschungen äußerst skeptisch. Die Leichtkraftfahrzeuge erwecken aufgrund ihres Erscheinungsbildes und ihrer Größe den Eindruck eines Pkw und der damit verbundenen Pkw-Eigenschaften, bieten diese Eigenschaften vor allem hinsichtlich der Sicherheit aber nicht. Deshalb fordern die Unfallforscher:

  • Die Sicherheitsstandards von Leichtkraftfahrzeugen müssen an die von Pkw angepasst werden.
  • Leichtfahrzeuge müssen serienmäßig mit aktiven und passiven Sicherheitselementen ausgerüstet werden.

Diese Forderungen sind allerdings angesichts der niedrigen Gewichtsbeschränkung kaum zu erfüllen. Ebenfalls kritisch zu sehen ist die gesetzliche Beschränkung auf eine Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h . Diese führt zu unnötigen Gefährdungen von Insassen und zu riskantem Verhalten des nachfolgenden Verkehrs . Die Ergebnisse des Forschungsprojektes "Sicherheitsrisiko von Leichtkraftfahrzeugen" sollen Anfang 2007 in einem internationalen Experten-Workshop diskutiert werden, um dann konkrete Forderungen an die europäische Gesetzgebung formulieren zu können.

Quelle: Allianz

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