Multikollisionsbremse im ÖAMTC-Test

Bei 25 Prozent aller Unfälle kommt es zu einer Folgekollision.

Daten aus der Unfallforschung von ÖAMTC und ADAC zeigen, dass es bei einem Viertel aller Unfälle zu einer Mehrfachkollision, also einem "Crash nach dem Crash" kommt. "Das passiert, wenn ein Unfallfahrzeug nach dem ersten Anprall nicht zum Stillstand kommt und beispielsweise in den Gegenverkehr rollt", schildert ÖAMTC-Cheftechniker Max Lang. Ein solcher Sekundärunfall kann dramatische Folgen haben. "Das Risiko einer lebensbedrohlichen Verletzung ist um rund fünf Prozent höher, wenn es mehr als eine Kollision gibt", hält Lang fest.

Ein vom ÖAMTC in Zusammenarbeit mit dem ADAC durchgeführter Test zeigt, dass Multikollisionsbremsen das Risiko eines Sekundärunfalls signifikant reduzieren. Das erhöht nicht nur die Sicherheit der Insassen des Unfallfahrzeuges, sondern kann auch für andere Verkehrsteilnehmer, beispielsweise Fußgänger am Straßenrand, lebensrettend sein. "Der ÖAMTC fordert daher eine serienmäßige Implementierung von Multikollisionsbremsen in allen Neuwagen", so Lang.

Eine Multikollisionsbremse ist ein System, das eine automatische Notbremsung nach dem ersten Aufprall einleitet. "Die Multikollisionsbremse funktioniert über eine Vernetzung der Steuergeräte von Airbag und ESP. Sobald der Airbag auslöst, wird das System vollautomatisch aktiviert", erklärt der ÖAMTC-Cheftechniker. Restgeschwindigkeit wird dadurch schneller abgebaut. Sekundärunfälle können somit verhindert oder zumindest ihre Folgen gemildert werden.

Beim aktuellen ÖAMTC-Test wurde die Multikollisionsbremse von Volkswagen getestet, die im neuen Golf VII zum Einsatz kommt. Ähnliche Systeme sind auch in neuen Fahrzeugmodellen von Audi (A3), BMW (3er) und Skoda (Octavia) implementiert. "Für den Test wurde ein typischer Kreuzungsunfall, bei dem ein Fahrer den Vorrang missachtet und im rechten Winkel gegen ein anderes Auto prallt, simuliert", skizziert Lang das Testszenario. Zum Vergleich wurde derselbe Crashtest zusätzlich mit einem Golf V ohne Multikollisionsbremse durchgeführt.

Das Ergebnis ist eindeutig. Der Wagen mit Multikollisionsbremse kommt rund 20 Meter nach dem Zusammenstoß zum völligen Stillstand. Anders beim zweiten Pkw, der ohne dieses System in den Crashtest geschickt wurde: "Nach dem ersten Zusammenstoß wird der Wagen abgelenkt und rollt mit einer Geschwindigkeit von mehr als 30 km/h weiter, bis er von einer Betonbarriere zum Stillstand gebracht wird", erklärt der ÖAMTC-Techniker. "Zum Zeitpunkt des zweiten Aufpralls liegt die Geschwindigkeit immer noch bei 25 km/h." Diese Restgeschwindigkeit kann für die Insassen fatale Folgen haben, weil die Rückhaltesysteme bereits beim ersten Zusammenprall ausgelöst haben und keinen ausreichenden Schutz mehr bieten.

Kommentare